Interview AM 29.02.2012  | comments

Alex Pires

Ein Vorurteil besagt, dass Franzosen von Grund auf dreckig sind. Mit nichten, sagen wir mit Inbrunst, denn ca. 630 km nordöstlich seiner Heimatstadt Paris trifft man im Sommer, wenn die Hotpants kürzer werden und das Kanalwasser wieder zum Baden einlädt, manchmal einen zweiundzwanzigjährigen Franzosen, der so sauber ist, dass die Frauen von ihm essen wollen. Und wenn man ganz viel Glück hat, dann hat dieser, weil ihm gerade danach war, eine Kamera im Gepäck und fängt an Bilder zu schießen, dass man glatt meinen könnte, ein knipsender Monet sei nach Westfalen gereist. Dabei ist das nur der Alex, der lediglich seine guten Freunde besuchen möchte. Und seine guten Freundinnen. Wenn der Wind des Schicksals dann aber doch mal einen vorzüglichen Spot vor seine Linse weht, dann kann man sicher sein, dass er diesen in eine optische Skateboard-Offenbahrung verwandeln wird.

Wie ist dieses Portfolio überhaupt zustande gekommen?

Angefangen hat alles vor einiger Zeit, als wir uns auf der Preloved-Tour in Paris kennen gelernt haben. Lange Geschichte, auf jeden Fall hat sich eine tiefe Freundschaft zwischen uns entwickelt und seitdem komme ich regelmäßig nach Münster und habe da in den letzten Jahren auch immer mehr Leute kennen gelernt. Ich bin eigentlich mit allen gut klar gekommen und wir waren zusammen auf kleinen Titus-Touren. Wir hatten immer eine gute Zeit, und warum sollten wir diese nicht auch im Magalog teilen?

Da kann ich dir nur zustimmen! Beschreib doch mal die Unterschiede zwischen einer Metropole wie Paris und einer Kleinstadt wie Münster – in Hinsicht auf Skateboarding.

Es gibt ’ne Menge Unterschiede zwischen beiden Städten; allerdings sind die echt schwer zu beschreiben. Beide Städte haben Pro und Kontra. Ich würde sagen, Münster ist um einiges entspannter und ich genieße da am meisten die Zeiten im Sommer. Allerdings würde ich Paris zum Leben und Skaten vorziehen, denn hier bin ich zu Hause – und das fühle ich auch. Auch im Skateboarding gibt es große Unterschiede. In Münster, besser gesagt in ganz Deutschland, ist Skateboarding um einiges mehr akzeptiert als in Frankreich. Ihr habt an jeder Ecke Skateparks oder sogar Skatehallen stehen. Wir haben hier einen – für die ganze Stadt. Das führt dazu, dass wir eigentlich nur Street skaten gehen. Gut ist hier aber, dass wir überall Spots haben, die wir über unser Metrosystem immer easy erreichen können; wir sind nicht auf ein Auto angewiesen. Aber insgesamt, abgesehen von all den kulturellen Unterschieden und der Größe der Städte, sind die Skater alle gleich: skaten, feiern und eine gute Zeit haben. Deshalb nehme ich auch oft Freunde aus Paris mit nach Münster und umgekehrt, und es hat immer gut gepasst.

Okay. Dann lass uns mal über dich sprechen: Wie bist du zum Fotografieren gekommen?

Ich skate seit etwa zehn Jahren. Wie jedes kleine Skatekid habe ich diverse Skate-Magazine verschlungen und mich immer mehr für das Bild an sich als für den Trick interessiert. Vor rund sechs Jahren habe ich dann eine alte, von Staub besetzte Kamera von meinem Dad aus der Versenkung geholt und angefangen, Fotos zu machen. Allerdings hatten diese Fotos noch nichts mit Skateboarding zu tun: Es ging mir eher darum zu lernen, wie eine Kamera funktioniert, und darum, bestimme Momente festzuhalten. Irgendwann habe ich angefangen, meine Freunde, mit denen ich jeden Tag zum Skaten war, zu fotografieren. Mit der Zeit wurden sie immer besser. Schließlich wurden auch Skateboard-Magazine auf sie aufmerksam. So nahm alles seinen Lauf. Die Jungs gehören jetzt zu den vielversprechenden Newcomern in Paris – und wir skaten, reisen und machen noch immer Fotos zusammen.

Was ist deiner Meinung nach das Wichtigste an einem Foto?

Das „Problem“ bei Skateboardfotografie sind die ganzen „ungeschriebenen Gesetze“: Wichtig ist es natürlich, den Spot bestmöglich darzustellen, die Anfahrt und Ausfahrt muss gut zu sehen sein. Dann muss das Bild scharf sein. Und ganz entscheidend ist natürlich das Timing. Ich denke es hilft einem am Anfang, all diese Regeln einzuhalten, denn so bekommst du ziemlich schnell ein angemessenes Ergebnis. Doch wenn du irgendwann die Regeln brichst, fängt es an, noch interessanter zu werden: Du entwickelst quasi einen eigenen Style. Die besten Beispiele sind die Bilder von Fred Montagne und Sem Rubio. Ich persönlich finde es am besten, wenn die Fotos dich zum Skaten motivieren. Das Gleiche gilt für Videoparts.

Wie sieht dein Foto-Setup aus?

Also ich habe mit Analog angefangen, doch wirklich gelernt habe ich alles digital. Mein „Digital-Set-Up“ besteht aus einer Nikon, das Analoge aus einer Hasselblad und einer Nikon slr. Beides hat Vor- und Nachteile. Ich kann es mir leider nicht leisten, all meine Bilder mit einer analogen Kamera zu schießen (auch wenn es kein besseres Gefühl gibt), da das mein Budget sprengen würde. Deshalb mache ich in letzter Zeit oft „Digi“-Fotos, worauf ich allerdings nicht stolz bin …ist irgendwie ’ne kleine Hassliebe.

Wie sieht’s mit Skaten aus? Du fährst ja selber Skateboard und ich weiß, dass der Style ziemlich wichtig ist, beim Spot und auch beim Skater.

Ja, das stimmt schon irgendwie. Mir haben immer schon Videoparts besser gefallen, in denen man gemerkt hat, dass der Typ Spaß am Skaten hat, und die es schaffen, mich damit anzustecken, als ein kleines Skatekid, das sich hundert Stufen runterschmeißt. Vielleicht hat er ja auch Spaß daran, aber motivieren tut mich das irgendwie nicht. Das Gleiche gilt für mich beim Fotografieren. Ich schieße lieber Fotos an einem Spot, der vielleicht etwas Kreativität und „um die Ecke denken“ erfordert, als an ’nem dicken Stufenset. Ich bekomme dann auch nach ’ner Zeit ein schlechtes Gewissen, denn ich sitze ganz entspannt da mit meiner Kamera in der Hand, während der Typ vor der Kamera grade Schmerzen ertragen muss, da er zum zehnten Mal die Stufen runtergesegelt ist. Und keiner kann mir erzählen, dass er gerne Schmerzen erträgt…

Danke Alex, ich denke, dass wir einen guten Einblick in deine Welt bekommen haben! Hast du sonst noch irgendwas loszuwerden?

Ja, vielen Dank euch! Wer noch nicht genug hat und mehr sehen möchte, der sollte mal www.queenpin.org vorbei schauen, einer Skate-Fotografie-Seite, auf der ihr Fotos von Skatefotografen aus der ganzen Welt sehen könnt. Ich möchte außerdem all meinen Freunden hier und überall danken! Hoffe, dass wir uns alle bald wieder sehen…

Listen to Mickey Avalon!

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