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T-Mobile Extreme Playgrounds

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"Check mal den Typ da. Wat is das denn? Was macht der überhaupt auf der Fläche? Der kann mal so gar nichts. – Kein Wunder, sieht ja auch voll aus wie der Homoprinz aus der Rügenwalder-Werbung. Jetzt versucht er’s nochmal. Achte drauf, der mault sich doch gleich wieder. – Shit, was war das denn! Alter, voll geil gelandet das Teil. Ich glaube, das war ein 360-Flip. Der Moderator meinte zwar Treflip, aber der Quasselschlumpf hat eh keinen Plan von gar nichts. Hat wahrscheinlich selbst noch nie aufm Brett gestanden und bekommt schön dicke Bucks für den Mist, den er da vorne erzählt. – Wow, den nächsten Trick hat der Wurstprinz auch geschafft. Fährt ja doch gar nicht soooo schlecht, für jemanden, der sonst Werbung für Rügenwalder macht. – Das ist garantiert ein Belgier, genau wie der kleine Zwuckel mit der Wachstumsstörung. Dann sind die Deutschen mal wieder aus dem Rennen und keiner von den Pappnasen ist im Finale. – Shit, der komische Grind da am Geländer ging auch klar. Lass mal die Wertung auf dem Screen checken. – Wie, der Prinz kommt aus Kiel!? Dann kennt der bestimmt meinen Bruder, der ist dort mit allen Locals down. Voll die coole Szene da. War auf jeden Fall ein hammer Run. Wie geil, einer aus Kiel macht alle lang. Hoffentlich kommt der ins Finale und macht das klar. Dann ist ja doch ein Deutscher vorne dabei. – Wie jetzt? Auch Mizurov? Deutsch? Hallo? Nee, is klar! M-i-z-u-r-o-v klingt wohl eher nach Russe oder so. Aber gegen den bärtigen Bigfoot mit den langen Zotteln hat der eh keine Schnitte. Ich meine nicht den langhaarigen Schmierkopf im Unterhemd, sondern den, der zwischendurch voll oldschool fährt. – Ist ein Ami? Kein Wunder, dass der so gut fährt, schließlich haben die in Kalifornien Skateboarding erfunden und bei denen ist das so wie bei uns Fußball. Ok, die Brasilianer kicken auch nicht schlecht, aber die Amis können nix am Ball, aber dafür aufm Board. Alter, wie der abgeht! – Wie jetzt? Kanada?"

Adam Dyet - Nollie Noseblunt
Alex Mizurov - FS-270-Kickflip

Ist schon lustig, was man da teilweise so aufschnappt, wenn man völlig ahnungslos eine Auszeit zwischen den Zuschauern auf den Rängen nimmt. Andererseits muss man natürlich auch klar sagen, dass viele Leute, die so ein Event besuchen, Skateboarding zwar irgendwie „cool“ finden, aber nicht wirklich wissen, was sie da sehen. Schade, zumal das, was einem skateboardmäßig in Berlin geboten wurde, wirklich vom Feinsten war. Ich fand´s jedenfalls riesig, auch wenn ich in Münster – zugegeben – mit nicht allzu hohen Erwartungen in Ralles Van stieg. Ist ja auch immer eine kleine Weltreise bis in die Hauptstadt. Umso erfreuter waren wir natürlich, als sich herausstellte, dass sich unser Hotel direkt gegenüber vom Velodrom befand und wir unsere Karre die nächsten zwei Tage nicht mehr bewegen mussten. Zack, Stuff aufs Zimmer und ab zur besten Pizza der Stadt. Team-TITUS-Teamcaptain Benni Markstein (inzwischen Wahl-Berliner) hatte vorab schon einen Tisch klar gemacht und traf kurze Zeit später mit Yannick und Jeremy im Schlepptau ein.

Austen Seaholm - FS-Noseslide to BS-Tailslide
Austen Seaholm - Tailslide-270-Heelflip
Axel Cruysberghs - BS-Flip
Yannick Schall - Nollie FS Heelflip Tailslide

Nachdem man also eine solide Grundlage für den restlichen Abend geschaffen hatte, ging es weiter zur legendären Bowlsession ins „Cassiopeia“. Der Laden platzte schon aus allen Nähten und ohne das passende Bändchen hätte man an diesem Abend wirklich ein ernsthaftes Problem gehabt. Naja, wir waren zum Glück bestens vorbereitet und stimmten uns an der Theke feuchtfröhlich auf das ein, was uns am nächsten Tag erwarten würde. Schon bemerkenswert, wie einige Leute in dieser Nacht abgegangen sind und trotzdem, wenn auch anfangs etwas wacklig, pünktlich zum Practise auf der Fläche standen. Zunächst hatte ich on top auch etwas Angst, dass ich ein Déjà-vu-Erlebnis haben würde, zumal sich das Starterfeld im Vergleich zum Vorjahr nicht großartig unterschied. Das bedeutete aber auch, dass das Skating auf jeden Fall wieder auf verdammt hohem Level sein dürfte und man eigentlich vorher nie so genau wissen könnte, wer beim Head-to-Head am Ende die Nase vorne haben würde. Da gehört ganz einfach auch ein klein wenig Glück dazu – und das weiß garantiert auch „Lucky Loser“ Axel Cruysberghs, der es selbst kaum glauben konnte, als er am Ende den Siegerscheck überreicht bekam. Sieger der Herzen, muss man der Fairness halber aber sagen, war an diesem Tag ein anderer. Zu Recht. Denn Chris Haslam macht genau das, wovon die anderen Teilnehmer sich gerne eine Scheibe abschneiden sollten: Der Typ fährt einfach Skateboard! Soll heißen, er macht sich keinen großen Kopf um seinen Run und plant auch nicht jeden einzelnen Trick im Voraus. Da kommt dann auch schon mal nach einem Blunt-Kf-in ein Early Grab transfer. Genau das macht sein Skating so sympathisch. Klar, geht dann auch schon mal der ein oder andere Versuch daneben. Doch Chris nimmt auch solche Ausrutscher stets lässig, lacht durch seinen Bart in die Runde und versucht’s direkt nochmal – egal, ob die Zeit für seinen Run abgelaufen ist oder nicht. Anyway, am Ende langte es für Platz 4 hinter Louis Taubert, Alex Mizurov und unserem diesjährigen Gewinner aus Belgien.
Auch im Vert gab es mit Danny Mayer als Sieger eine kleine Überraschung, der somit eindeutig unter Beweis stellte, dass er mehr als „nur“ kf-540s kann. Hinter ihm durfte sich Adam Taylor vor PLG über den zweiten Platz freuen, was auch nicht wirklich zu erwarten gewesen war. Wie gesagt, am Ende spielt Glück immer eine Rolle, und wer damit einen stay-on-run hinlegt, ist klar im Vorteil, auch wenn das im Practise vielleicht noch etwas anders ausgesehen hat. Wie auch immer, der Stimmung auf dem Deichkind-Konzert nach zu urteilen, waren die Results auch nicht das Wichtigste auf diesem Event. Es ging vielmehr darum, eine gute Zeit zu haben. Und die hatten wir definitiv alle!

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