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Titus in Kabul

Titus war vom 3. bis zum 10. Januar in Kabul. Gemeinsam mit dem Skateistan-Gründer Ollie Percovich kümmerte er sich um die Abwicklung der 1. Spendenlieferung, die dort eingetroffen war.

Euer Stuff also, den ihr so großzügig in den letzten Wochen gespendet habt!
In der ersten Nacht wurde Titus direkt von einem Erdbeben empfangen. Am Telefon berichtete er uns über seine Erleichterung, dass es kein Bombenangriff war. Denn das war seine erste Befürchtung, als er durch heftiges Beben aus dem Schlaf gerissen wurde.

Die Lebensumstände in Kabul seien echt heftig: Straßen, in denen man in der Matsche watet, große Armut, nur ein paar Stunden Strom am Tag. Rechts findet ihr den Reisebericht über Titus' Aufenthalt in Kabul.


Der Reisebericht

Kabul, Sonntag, 4. Januar 2009

  • Das Erdbeben gestern Nacht soll 5,2 auf der Richterscala gehabt haben im Zentrum, aber Kabul war Gott sei Dank nicht das Zentrum. Eine Minute Gewackel, so dass man kaum gerade aus gehen kann, macht schon ein seltsames Gefühl im Bauch. Hätte ich gewusst, dass das ein Erdbeben ist, hätte ich wahrscheinlich mehr Angst gehabt. So sah ich die Explosionen in der Entfernung und wähnte mich in Sicherheit.

  • Morgenwäsche im Bad um den Gefrierpunkt ohne warmes Wasser ist für uns verwöhnte und degenerierte Mitteleuropäer auch was besonderes.

  • Obwohl Ollie ein Haus in einer der besten Gegenden Kabuls gemietet hat, sind die Strassen einfach gar nicht als Strasse zu erkennen. Es sind unbefestigte, mit tiefen Schlaglöchern gesäumte, Flächen, die mit einem normalen Auto bei Schnee und vollgelaufenen gräben und Löchern kaum zu bewältigen sind. Da wir immer gut angepasst mindestens mit 7 Leuten in einem 5-Sitzer gefahren sind, haben wir fast ununterbrochen aufgesetzt trotz Schritttempo.

  • Eigentlich wollten wir einen LKW besorgen, um die erste Skateboardlieferung abzuholen. Allerdings stellte sich heraus, dass nur die Papiere aber nicht die Lieferung bei Max vom deutschen Entwicklungsdienst auf dem Schreibtisch lagen. Da leider Sonntag in deutschland war, konnte ich auch keine Trackingnummer in Erfahrung bringen.

  • Mir fiel dann ein, dass Michael Kegel erzählt hat, dass die Pakete zur Auslieferung der afghanischen Post übergeben werden und ich informierte Max, der daraufhin nach langer Recherche den richtigen Mann bei der afgh. Post erreicht hat.

  • Allerdings läuft das hier alles nicht so rund und schnell. Deshalb können wir erst morgen früh bei der Post vorsprechen, um die Sendung durch den Zoll zu kriegen und mitzunehmen. Mal sehen, wie viele Stunden oder vielleicht Tage und wie viel Schmiergeld wir brauchen. Bin ganz gespannt und berichte morgen.

  • Dann sind wir mit dem TV-Team und Ollie zu dem Gelände gefahren, an dem die Skateboardhalle gebaut werden soll. Leider gibt es noch keine Genehmigung weil Ollie jetzt erst mal die Finanzierung nachweisen muss. Das ist aber nicht so einfach für ihn weil das Auswärtige Amt erst in 2009 diese Ausgabe ins Budget nehmen wird und die Kanadier und Norweger es 2008 drin haben und von Ollie einen Nachweis wollen, dass er das Geld sinnvoll ausgegeben hat. Das Gelände befindet sich in der Mitte einer großen Ausfallstraße nach Norden. Auf der einen Seite strömt der Verkehr in vielen Spuren ohne weiße Striche stadtauswärts auf der anderen Seite stadteinwärts. Ein Bolzplatz aus übelstem Schotter und ein Basketballplatz ist schon vor Ort.

  • Dann haben wir die 6 Skateboards geholt, die zur Zeit für Skateistan im Einsatz sind (unsere Lieferung hängt ja noch fest) und sind damit incl. Schutzausrüstung zu einem Waisenhaus gefahren. Das war extrem beeindruckend, da die Kids natürlich alle sofort als Erster auf die Boards wollten. Es ist schon erstaunlich mit welcher Begeisterung die in Schlappen auf schlechtestem Untergrund ihren Spaß haben. Kein deutscher Skateboarder würde auch nur annähernd auf die Idee kommen bei solchen Verhältnissen zu fahren. Die Boards müssen nach jeder Session extrem gesäubert werden und das Grip abgeschruppt werden, damit das Schwarze wieder zu erkennen ist.

  • Der Waisenhauseinsatz hatte sich herum gesprochen und Dr. Wendel von der Deutschen Botschaft, zuständig für Presse und Kultur ist im Konvoi mit gefahren. Unterwegs kamen uns 4 US-Panzer mit bis an die Zähne bewaffneten Jungs entgegen und jede Menge Militärsattelschlepper. Durch das grüne Diplomatenkennzeichen konnten wir die Sperren einfach so durchfahren. Aber auch die Kontrollen , z.B. bei der Einfahrt zum Waisenhaus auf dem Gelände des roten Halbmondes (Gegenstück des roten Kreuzes im Orient) waren sehr lasch. Wir hätten alles unter einem Panzer rein bringen können.

  • Einen seltsamen Moment hatten wir auf der Rückfahrt als ein Polizeiposten unser Taxi anhielt, mit seiner Kalaschnikow (wie das auch immer geschrieben wird) rumfummelte und uns versuchte Angst zu machen, damit wir ein paar Dollars abdrücken. Aber für Ollie war das eine normale Situation und damit für mich auch sofort. Kohle hat er auch keine bekommen. Max erzählte mir, dass er schon mal eine halbe Stunde einfach so getan hat als würde er nichts verstehen, bis es dem Posten dann zu blöd wurde und ihn hat fahren lassen.

  • Musste gerade meinen Bericht unterbrechen, da Ollie und Max rein kamen und wir auf unser Thema der letzten Mails kamen. Es war sinnvoll mal alle Missverständnisse anzusprechen und ich habe ein gutes Gefühl in einer Woche nur noch Harmonie vorzufinden.

  • Gerade im Moment hatte ich ein unglaubliches Erlebnis. Ein junger Afghane (Mitte-Ende 20 schätz ich) kommt zu Besuch ins Büro. Er war geleidet wie ein Afghane, hatte einen richtig langen Vollbart und eine weiße Mütze auf. Typischer geht nicht. Er macht den Mund auf und spricht in einem perfekten Muttersprachendeutsch mit leichtem bayrischen Akzent. Sein Aussehen war afghanisch aber sein Verhalten, die Ausstrahlung, der Humor und die Sprache verdammt deutsch. Das passte gar nicht. Er ist in Nürnberg aufgewachsen und noch nicht lange wieder hier, um die PVC-Fabrik und das Bauunternehmen seiner Eltern zu leiten. Er wird sich um den Skateboardhallenbau kümmern, wenn es soweit ist.
So das war es für heute. Der Strom funktioniert mal wieder für ein paar Stunden
Liebe grüße aus Kabul
Titus

Kabul, Montag, 5. Januar 2009

  • Echt verrückt: Heute Nacht wurde ich schon wieder von einem Erdbeben um 3:30 nachts geweckt. Diesmal wackelte das Haus um 90 Grad versetzt zur vorherigen Nacht, aber nicht ganz so heftig. Hatte auch seinen Vorteil, denn es war Zeit, Holz im Bollerofen nach zu legen. Der wäre sonst aus gegangen. Es soll 3 mal gebebt haben aber ich habe es nur einmal bemerkt. Diesmal war es Stärke 5,1 aber näher dran (an der Grenze zu Pakistan).

  • Ollie hat nach dem Frühstück einen Truck besorgt und wir sind damit ins Zentrum zum Deutschen Entwicklungsdienst (DED) gefahren, um Max und das TV-Team abzuholen. Den kleinen LKW mit offener Ladefläche kann man wie Taxen an der Straße durch Handzeichen mit Fahrer mieten. Ollie schickt dann einen befreundeten Afghanen zur Preisverhandlung vor und er, bzw. wir bleiben im Hintergrund. Dann ist alles erheblich billiger.

  • Zusammen ging es dann auf der offenen Ladefläche zur afghanischen Post. Natürlich wie alle Behörden mit Mauer und Stacheldraht umgeben und ohne Leibesvisitation am Hoftor kann niemand einen Brief abgeben.

  • Nach einer Stunde Diskussion, ob wir filmen dürfen, ging es dann direkt zum Direktor. Der meinte, dass alles kein Problem sei. War natürlich nicht der Fall. Aber vielleicht sind hier die Relationen für Probleme tatsächlich ganz anders.

  • Dann ging jemand mit uns in das Paketlager und wir stellten nach Durchzählen fest, dass tatsächlich schon beide Lieferungen vor Ort waren und auch nur 4 von 74 Paketen fehlten. Viele Pakete waren geöffnet worden und hin und wieder fehlte dann auch was. Da es überwiegend abgeschreddete Decks waren, hielt sich Diebstahl in Grenzen. Ein Paket mit 4 neuen Titus Komplettboards wurde irgendwo unterwegs geöffnet, ein Board entnommen und wieder sauber verschlossen.
    Bis dahin lief alles wie geschmiert. Als wir aber dann die Pakete mitnehmen wollten ging das Theater los. Die Jungs meinten eine Woche für die Ermittlung des Zollwertes zu benötige, da jedes Paket geöffnet werden und kontrolliert werden müsste. Wir wollten natürlich vorher wissen, welcher Betrag da ungefähr auf uns zu kommt. Diese Antwort sollten wir dann etwa in einer Woche erhalten, da die Berechnung so lange dauern würde.Also marschierten wir wieder zum Direktor. Der schaute auf die von Gabi wirklich perfekt vorbereiteten Papiere und entschied, dass das heute noch gehen würde.

  • Mit dem Gefühl, dass jetzt alles klar sei, gingen wir wieder nach unten um zu erfahren, dass sich trotz Ansage von oben absolut gar nichts an der Problematik geändert hatte.

  • Nach langem Palaver hatten wir die Jungs dann endlich so weit, dass sie mit unserer Hilfe bereit waren, sofort mit der Prüfung anzufangen aber ohne Garantie wie lange es dauern würde.

  • Ich habe dann den Oberzollbeamten angefeuert und mit ihm die Verzollung durchgepeitscht. Alle haben plötzlich geholfen Pakete zu schleppen, sie zu öffnen und die geprüften in einen anderen Raum zu schaffen. Ollie und die anderen mussten draußen im Lieferwagen die Stellung halten, sonst wäre der Fahrer abgehauen. Also war ich gut gefordert. Das TV Team filmte und ich versuchte die Zollangestellten, die alle nur Dari (die Landessprache hier) sprachen zu steuern. Unsere Motivation und unsere Schnelligkeit hat alle Afghanen so mitgerissen, dass wir die 70 Pakete (immerhin 2 Tonnen) in wenigen Stunden geöffnet und geprüft hatten. Dann war erst mal Mittagspause und wir wurden natürlich zu Essen und Tee eingeladen und speisten alle gemeinsam sehr afghanisch zwischen den Paketen. Danach kam dann der Oberzollbeamte mit einem Schmierzettel und nannte uns einen Zollbetrag von 236,36€. Keine Ahnung wie er das gerechnet hat wo doch 4 Pakete fehlten und keiner wusste welche.

  • Er meinte, dass eine ordentliche Verzollung nicht mehr an diesem Tag zu schaffen sei, dass er aber bereit sei, uns die Pakete mit zu geben, wenn wir den ungefähren Betrag in bar bei ihm hinterlegen. Wie auch immer. Wir wollten endlich verladen und fragten, ob wir in Dollar zahlen könnten, da wir keine Euros mithatten. Das war natürlich wieder ein Problem. Nach einiger Wartezeit kam der Typ endlich wieder rein und meinte wir sollten glatte 330,- Dollar zahlen. Eine Quittung wollte er nicht schreiben und erst nach viel Druck habe ich ein abgerissenes Stück Papier erhalten handschriftlich in „Dari“ beschrieben aber mit Stempel.

  • Frohen Mutes und gut gelaunt habe ich Ollie angerufen und gebeten, mit dem Lieferwagen zum Tor zu kommen. Dort musste ich dann wieder eine halbe Stunde diskutieren, ob er reinfahren darf. Schließlich habe ich ganz wichtig die Quittung mit dem Stempel vorgezeigt. Da der Offizielle nicht lesen konnte, aber den wichtigen Stempel sah, ging es dann nach einer gründlichen Durchsuchung des Autos doch.

  • Als wir die Pakete holen wollten, kam dann die böse Überraschung. Die Post wollte plötzlich noch Gebühren von 5,-Dollar pro Paket. Das macht 350,- Dollar. Wenn man bedenkt, dass da kleine Pakete bei waren mit gerade mal 12 Paar Socken drin, dann kommt man schon zu der Überlegung, ob man einen Teil der Pakete nicht einfach stehen lässt. Also wieder ab zum Direktor, der sich allerdings selbst nach einer Stunde heftigster Diskussion und Einschalten von DED, Deutsche Botschaft und Afghanischem Kommunikationsministerium nicht erweichen liess und auch mit einer Teilabholung nicht einverstanden war.

  • 5 Minuten vor Feierabend habe ich mich dann schnell entschlossen, dass die titus GmbH die 350,- Dollar übernimmt. Also wieder ab zum Direktor und wir haben verhandelt, ob wir das Geld als Sicherheit hinterlegen dürfen, um die Formalitäten (es waren ja nur noch 5 Minuten Zeit) in den nächsten Tagen zu klären. Als er das Geld persönlich in der Schublade hatte, ging dann alles ganz schnell und alle Postangestellten haben mit großem Eifer geholfen, den offenen LKW zu beladen.

  • Ollie und ich haben dann oben auf den Paketen auf der offenen Ladefläche Platz genommen, um die Pakete während der Heimfahrt gegen Diebstahl zu sichern. Der Verkehr hat nämlich oft weniger als Schritttempo und das illegale Umladen wird damit einfach gemacht.

  • Obwohl wir ständig gepanzerte Fahrzeuge und jede Menge Militärposten an jeder Ecke sahen, fühlten wir uns auf der Ladefläche sehr sicher. Ich glaube es ist gefährlicher in Militärfahrzeugen, Panzern oder Geländewagen mit dick UN drauf rumzufahren und eine eindeutige Zielscheibe abzugeben. Wir haben uns dem normalen Alltagsleben angepasst und verschwanden damit in den 5 Millionen, die die Straßen verstopfen.

  • Bei Ollies Haus angekommen, haben wir ganz schnell abgeladen, um noch vor Dunkelheit eine Skatesession im leeren Brunnen (Macroroyan) zu haben, dort wo alles angefangen hat und wo das Video spielt, welches wir bei der Charity gezeigt haben. Wir sind alle auf der Ladefläche mitgefahren und die Ohren sind vor Kälte bald abgefallen.

  • Kaum angekommen, strömten aus allen Ecken die Kids an und rissen sich um die Skateboards. Normal musste Ollie mit 6 Boards auskommen. Diesmal hatte er 12 Stück mit (Mehr funktioniert nicht in dem kleinen Brunnen).
    Es war einfach super, die Begeisterung zu spüren (genau wie im Video, auch teilweise dieselben Kids). Ich wollte ein Foto von mir zusammen mit allen Skateboardkids, was sich allerdings als extrem schwierig gestaltete, weil die Mädchen sich nicht mit den Jungs und mir als „Mann“ fotografieren lassen wollten.Ollie hat dann noch ein neues Titus Komplettboard vor laufender Kamera als längere Leihgabe an einen Jungen übergeben, dessen Vater sein schriftliche Einverständnis zum Skaten gegeben hatte und der extra vorbei kam, um die Zeremonie mitzumachen. Das TV-Team konnte super Aufnahmen machen.

  • Dann waren wir noch im benachbarten Restaurant etwas essen.

  • Die Rückfahrt im Dunkeln mit dem Taxi war beeindruckend, da das Taxi mitten durch die grüne Zone gefahren ist, wo alle Nationen ihre Militärhauptquartiere haben. Das gibt wirklich seltsame Gefühle im Dunkeln nur zwischen hohen Mauern, Stacheldraht, an extrem bewachten und hoch gesicherten Einfahrten vorbei zu fahren. Das soll zwar die sicherste Zone Kabuls sein aber mir hat sie doch etwas Angst eingeflößt und Ollie erzählte mir auch noch, dass ihn die Amis mal aus dem Taxi gezerrt haben, nur weil er mit Fotoapparat und einheimischer Kutte da drin saß. Die Jungs scheinen wirklich nervös zu sein.
    Da ich aber hier nicht in bestehende Strukturen eingreife, lebe ich sicher und alle sind sehr freundlich zu mir.
In diesem Sinne in der Hoffnung auf eine Erdbeben freie Nacht, grüßt Euch Titus aus dem wirklich geilen Kabul.

Kabul, Dienstag, 6. Januar 2009

  • Endlich eine Nacht ohne Erdbeben und gleich ist auch mein Bollerofen ausgegangen, weil ich durchgeschlafen habe. Gespürt habe ich das durch meine Kopfdecke ohne Kopfbedeckung.

  • Heute morgen haben wir es dann langsam angehen lassen und vor dem Frühstück erst mal alle Bilder auf die Laptops gespielt und gegenseitig ausgetauscht.

  • Nach dem Frühstück kam das Kamerateam von N24 vorbei und machte noch die Abschlussinterviews mit Sharna, Ollie und mir. Mittags sind sie dann zum Flughafen gefahren zurück nach Deutschland. Die Doku wird Mitte Februar ausgestrahlt.

  • Dann war Homeoffice angesagt, denn das ausgefallene Internet funktionierte wieder und wir haben alle unsere angelaufenen Mails bearbeitet.

  • Da ich Kopfschmerzen hatte (vielleicht sollte ich ab sofort Nachts eine Mütze tragen. Ohne Haare wird das verdammt kalt gegen Morgen, wenn der Ofen aus ist), gelüstete es mir nach einem Spaziergang in der Spähtnachmittagssonne. Ich habe ganz alleine zu Fuß die weitere Region erkundet und einiges erlebt. Hier zwei Highlights:
    Ein Afghane sprach mich in fließendem Schweizer deutsch an. Er arbeitet seit 30 Jahren in Basel und war auf Heimaturlaub. Wir haben eine halbe Stunde gesprochen und jetzt weiß ich, wieviel hier der qm Grund kostet und wie der Hausbau organisiert wird. Wohnen und Bauen ist hier bei gleichem Standard teurer als in Deutschland.
    Dann wurde ich auch noch von der afghanischen Polizei (natürlich bis an die Zähne bewaffnet), verhaftet. Denen war ich wohl unangenehm aufgefallen weil ich langsam schlendernd überall fotografiert habe. Allein um den Kreisverkehr, wo die Jungs ihren Stützpunkt mit Stacheldrahtumzäunung aufgebaut hatten, befanden sich 6 Heiratshallen. Das muss man doch im Bild festhalten. Na ja, und als ich dann plötzlich vor dem Stützpunkt stand, hab ich die Jungs auch in voller Montur fotografiert. Das war aber glaub ich nicht das Problem. Einer der Polizisten fuchtelte mit den Armen durch die Gegend, um mir was klar zu machen. Ich dachte ihn hätte mein Foto gestört. Er wollte mich aber darauf aufmerksam machen, dass ich gerade dabei bin quer durch ihren Stützpunkt zu latschen und das ist nun mal "Rote Zone". Da ich das nicht verstanden habe, bin ich quer durch an ihm vorbei und auf der anderen Seite wieder raus und weiter gegangen. Ca 100 Meter später sprach mich dann ein junger Mann in Uniform an, der hinter mir hergeschickt worden ist. Er machte mir klar mitzukommen. Im Stützpunkt angekommen, hatte ich echte Probleme auch nur irgendwas zu kapieren. Noch schwerer war es aber ihnen klar zu machen, warum, wieso und weshalb ich in Kabul bin. Da hab ich halt Ollie angerufen, der das Telefon an einen Afghanen weitergegeben hat zur Aufklärung. Die Polizei hat mich dann aber trotzdem nicht laufen lassen, sondern bestand darauf, dass Ollie mich abholt, der dann auch mit dem Motorrad vorbei kam.

  • Die Rückfahrt hinten auf dem Motorrad hat mir aber erheblich mehr Angst gemacht, als die Polizisten. Ich musste mich wirklich erst mal daran gewöhnen, dass mit dem Motorrad Geisterfahrten zum Abkürzen hier ganz normal sind und das auf einer Straße, auf der einem 4 Autos gleichzeitig nebeneinander entgegenkommen. Aber nicht genug damit, er kürzte auch noch den Kreisverkehr in entgegengesetzter Richtung fahrend ab. Als wir dann auf die Schlammwege mit den voll Wasser stehenden Schlaglöchern kamen, war das Motorrad kaum mehr kontrollierbar. Ich bin abgestiegen und lieber zu Fuß weiter gegangen.

  • Heute Abend gibt es so was ähnliches wie eine Party. Sharna fliegt morgen zurück nach Australien und Max hatte gestern Geburtstag. Das wird interessant, da einige Afghanen kommen, die ihr Harmonium (klingt ähnlich wie ein Schifferklavier)und eine Tabla (ein landestypisches Schlaginstrument) mitbringen. Bin gespannt auf diese afghanische Musiksession.

Liebe Grüße aus Kabul was mir täglich sympathischer wird, Euer Titus.

Kabul, Mittwoch, 7. Januar 2009

  • Seit das TV-Team von N24 abgereist ist, habe ich etwas mehr Zeit, mich um die WDR 5 Radio Reportage zu kümmern. Der WDR hat mir ja ein Profiaufnahmegerät mit separatem Mikrofon mitgegeben. Es ist gar nicht so einfach, nur durch Beschreiben der Situation und mit passenden Geräuschen den richtigen Eindruck vor Ort einzufangen.

  • Heute ist der Todestag des ermordeten Märtyrers, Propheten und Imam Hussein und damit der letzte Tag der wichtigsten Feierlichkeiten für die Schiiten (Glaubensrichtung im Moslem). Da die Schiiten während der Taliban-Herrschaft unterdrückt wurden, feiern sie jetzt umso intensiver und ziehen sich selbst bis aufs Blut geißelnd durch die Straßen. Kabul wurde vom Iran mit aufwendig geschmückten Toren aus schwarzen und grünen Tüchern gesponsert. Die Selbstauspeitschungen haben wir um eine halbe Stunde verpasst. Es ist nicht einfach, als Fremder darüber exakte Informationen zu bekommen. Viele Strenggläubige werden sich heute Abend in Ketten legen und die ganze Nacht fesseln. Da haben wir leider keine Chance mal hinter die Kulissen zu schauen.

  • Wegen des Feiertages waren fast alle Hauptstraßen gesperrt. Ein ungewohntes Bild wenn man sich noch einen Tag vorher im Schritttempo mit 4-5 Autos nebeneinander über dieselbe Straße kämpfen musste.

  • Polizeisperren gab es noch häufiger und auch intensiver, als sonst und die Botschaften aller Länder waren weitläufig abgesperrt. Ollie und ich hatten landesübliche Kleidung (den kittelähnlichen „shalwah kamez“ und den Hut des Nationalhelden „pakol“) angezogen (kennt ihr vielleicht von der YCC Charity 08) damit wir nicht so auffallen.

  • Das funktionierte aber nur sehr beschränkt, da man uns natürlich den Ausländer ansah. Deshalb versuchte mal wieder eine Polizeisperre uns festzuhalten. Wir sind trotz Aufforderung stehen zu bleiben, einfach weiter gegangen und haben alle Rufe ignoriert. Leider ging ich hinter Ollie und Max, so dass der hinter uns her eilende Polizist nur mich am Arm packte und zurück zerren wollte. Ollie und Max gingen ganz relaxt weiter und ignorierten es. Da hab ich mich von dem Typ losgerissen und bin wieder locker hinter den beiden her. Der Polizist war so verdutzt, dass er aufgab und wieder zurück zur Sperre schlich. Nach Gesprächen mit Max und Ollie ist mir klar geworden, dass die aus den unterschiedlichsten ehemaligen Kriegsparteien zusammengewürfelte Polizei keine echte Macht darstellt. Die Polizisten sind schlecht bezahlt und versuchen sich das Gehalt aufzubessern, indem sie Greenhorns wie mich festhalten, um sie gegen Kohle wieder laufen zu lassen.

  • Max hat den offiziellen Feiertag genutzt, um zusammen mit Olli, den Reiseführer für mich zu spielen. Zunächst waren wir an dem leeren Schwimmbad, welches die Russen gebaut haben, die Taliban als Hinrichtungsstätte nutzten und jetzt die Jugendlichen als Fußballpool und Skateistan als Skatespot zweckentfremden. Dieses Schwimmbad befindet sich auf der Spitze eines sehr hohen Hügels mitten in der Stadt. Ein wunderbarer eindrucksvoller Ort für den perfekten Rundumblick.

  • Dann ging es in die Stadt, die sich so anders darstellte, als an einem normalen Tag. Selbst in der berühmten Chicken Street aus der Hippiezeit waren alle Läden und Basare geschlossen.

  • Ollie hat mir dann noch alternative Möglichkeiten im Stadtpark für einen Outdoor Skatepark gezeigt. Das wäre wirklich eine perfekte zentrale Location.

  • Da wieder das Internet bei Ollie zu Hause ausgefallen ist, hat mich Max netterweise in sein Büro des DED (Deutscher Entwicklungsdienst hier in Kabul) mitgenommen, wo ich über deren Netzwerk meine Mails abrufen und versenden konnte.

  • Ermattet vom vielen Laufen, hat Max uns dann mit dem gleichen diskret schusssicher gemachten Geländewagen des DED nach Hause bringen lassen, der uns auch morgens abgeholt hatte.

  • Jetzt hätte ich fast die Party vergessen, die ja eigentlich in den Dienstagsbericht gehört hätte. Um es kurz zu machen: Ich fühlte mich wie in Deutschland. Bis auf Sharna sprachen alle fließend Deutsch und Gott sei dank war das dann auch die Partysprache. Bei den Angehörigen von DED, Deutsche Botschaft und anderen deutschen Organisationen ist das ja verständlich , aber bei den sehr zahlreich erschienenen Afghanen fand ich das schon erstaunlich. Es gab sogar Paulaner Weizen und Becks. Wir haben Spaß gehabt wie Bolle und zu fortgeschrittener Stunde, hat sich dann der Partyrest mal wieder zu 7 in einen 5-Sitzer gezwängt um die einzige Diskothek Kabuls zu checken. Die war allerdings schon wegen „Ashura“, dem heutigen Trauertag, geschlossen. Schade, hätte gern mal hier ins Nachtleben rein geschnuppert.

Langsam gewöhn ich mich an die Situation hier.
Titus

Kabul, Donnerstag, 8. Januar 2009

  • Heute morgen hat sich nach dem Frühstück ein wirklich interessantes Gespräch zwischen Ollie, Max und mir entwickelt. Es ging um die Zukunft von Skateistan und die dazu zwingend notwendigen Strukturen. Wir sind große Schritte weiter gekommen und haben unsere Zusammenarbeit intensiviert. Mehr berichte ich wenn ich zurück bin.

  • Gegen Mittag holte Max und mich dann wieder der Fahrer des DED mit dem sehr dezent gepanzerten Geländewagen ab und wir sind zum Camp Warehouse aufgebrochen. Camp Warehouse ist das Versorgungszentrum aller ISAF Truppen und es liegt eine halbe Stunde außerhalb von Kabul Richtung Osten. Man muss leider die Dschalalabad-Road nehmen, die statistisch gefährlichste Straße der Welt was Anschläge betrifft. Mit der nötigen Erfahrung aber kein Problem. Zum Einen muss man genügend Abstand von jeglichen Militärkonvois halten und zum Anderen war Feiertag, so dass nicht mit Staus zu rechnen war, die eine Gefährdung multiplizieren. Es war dementsprechend eine lockere Spazierfahrt. Spannend war für mich die Einfahrt ins Camp. Unser Fahrer haben wir vorher aussteigen lassen, weil er als Afghane dort nicht rein darf. Während der Fahrer draußen auf unsere Rückkehr warten musste, übernahm Max das Steuer und eine eindrucksvolle Einfahrt begann. Wir mussten 3 Sicherheitskontrollen passieren, die mit hohen Betonwänden, die man Zick Zack durchfahren musste, voneinander getrennt waren, Mein Handy und meine Kamera habe ich vorsichtshalber im Auto versteckt, damit eine evtl. Leibesvisitation schneller geht. Das Diplomatennummernschild, welches nur auf der Sonnenblende angebracht und nur durch Herunterklappen sichtbar wird und der Immunitätsausweis von Max ließen uns ohne Probleme passieren. Im Camp war es wirklich so, wie man es aus entsprechenden Kriegsfilmen kennt. Furchterregende Militärfahrzeuge ohne Ende, betriebsame Hektik, uniformierte bewaffnete Soldaten aller Nationen überall, behelfsmäßige Bunker und natürlich provisorische Kneipenbaracken und Shops ohne Ende. Wir haben natürlich den Rotwein bei den Franzosen und das Bier bei den Deutschen gekauft. Das eindrucksvollste war für mich allerdings die Deutsche Feldpost. Eine Baracke mit gelbem Eingangstor und handgemalten Posthörnchen. Max hat seine Pakete abgeholt und ich habe zwei Postkarten mit deutschen Briefmarken gekauft und verschickt. Dann ging es wider zurück. Eigentlich hatte ich gehofft, einen dieser gefährdeten Militärkonvois fotografieren zu können, aber wegen des Feiertages war keiner unterwegs, was sehr ungewöhnlich ist. So hab ich leider keine spektakulären Fotos machen können.

  • Wieder bei Ollie angekommen haben wir dann die Büroarbeit erledigt und noch bis in die späten Abendstunden die Skateistanzukunft diskutiert.

  • Also fast ein normaler Alltag ohne große Adrenalinausstöße.

Am vorletzten Abend kommen meine Grüße ganz gemischt mir der Freude bald wieder in der deutschen Überflussgesellschaft zu leben und der Trauer dieses interessante Land verlassen zu müssen.
Euer Titus

Kabul, Freitag, 9. Januar 2009

  • So ein Holzbollerofen kann ganz schön gefährlich werden. Beim Einschlafen tränten mir die Augen und es roch stärker nach Rauch als sonst. Das Ofenrohr hatte sich aus dem Knick gelockert und es qualmte lustig in mein Zimmer. Einige feste Schläge mit dem daneben liegenden Brennholz auf das Knie und das Problem war gelöst, um ohne CO2- Vergiftung weiter zu schlafen.

  • Der Freitag hat im Islam die Bedeutung unseres Sonntages. Für Max (Mitarbeiter des DED Deutscher Entwicklungsdienst) also der dritte arbeitsfreie Tag hintereinander. Nach unserem wie immer improvisierten Frühstück war Home Office angesagt. Leider behinderte mal wieder ein Internet-Totalausfall (was will man auch für 400,-Dollar im Monat mehr erwarten?!). Also haben wir Ollie ein wenig bei der Erstellung des Booklets für den ISPO-Stand unterstützt, den Skateistan im „Brand New Award“ gewonnen hat.

  • Mittags ging es dann noch mal zum Waisenhaus „Kufa“, weil Skateistan dort jeden Freitag einige Skateboardschulstunden organisiert. Der Extratermin Anfang der Woche, wurde wegen des N24- Kamera-Teams eingelegt. Heute endlich mit ausreichendem Stuff (22 Komplettboards). Das war natürlich eine riesengroße Freude für die Kids. Hinzu kam perfektes Wetter mit Sonne und ein besserer größerer Platz zum Skaten. Diese Kinder sind wirklich schmerzfrei. Einer fuhr mit Socken und die meisten mit Badelatschen ohne Strümpfe (und das bei Minusgraden). Es macht einfach Spaß zu sehen, wie schnell und mit welcher Begeisterung die Kurzen lernen. Selbst als zum Mittagessen gerufen wurde, verschwanden nur wenige. Es wurde lieber gehungert und weiter gefahren.

  • Die älteren Afghanen, die mitgekommen waren, um Oliver beim Skateboardunterricht zu unterstützen, wollten unbedingt von mir ein paar Oldschool Freestyle Tricks lernen. Jetzt üben sie wahrscheinlich fleißig Tricks, wie Walk the Dog, Oldschool Kickflips und natürlich den Titus-Flip.

  • Nach den 3 Stunden waren wir geschafft, denn die Rotznasen (der Rotz lief tatsächlich in Strömen) sind verdammt anstrengend.

  • Wir haben 5 Komplettbords als langfristige Leihgabe dort gelassen, weil ja jetzt nach unserer Sammelaktion in Deutschland endlich ausreichend Boards vorhanden sind.

  • Max und Ollie wollten mir zum guten Schluss des Besuches noch den alten Königspalast zeigen. Leider waren wir spät dran, kamen in die Dunkelheit und mussten feststellen, dass unser Fahrer total nachtblind war. Trotz Schritttempo hätte er fast Fußgänger und unbeleuchtete Handkarren erwischt. Gott sei Dank konnten wir ihn überzeugen, sich für den restlichen Trip mit dem Beifahrerplatz zu begnügen.

  • Abends waren wir bei Mitarbeitern von der Deutschen Botschaft und der German Technical Cooperation zum Essen eingeladen. Auch hier dieselbe Wohnsituation: Bollerofen, Gaslampe und Kerzen. Das Essen war der Knaller, denn es wurde von einem einheimischen Koch zubereitet. Auch dieser Abend war wieder sehr informativ für mich, mit vielen Hintergrundinformationen zur afghanischen Situation.

  • Mit Schneefall ging es dann schnell nach Hause, denn am nächsten Morgen musste ich ja schon sehr früh am Flughafen sein.

Gruß aus Kabul,
Euer Titus

Kabul, Samstag, 10. Januar 2009

  • Eigentlich dachte ich, dass mit dem 9. Januar die Berichtschreiberei aufhören würde, da am Samstag ja nur Zurückfliegen angesagt war. Aber selbst das Fliegen ist in Afghanistan halt ein Abenteuer.

  • Mein Flieger sollte laut Plan um 8:30 boarden. Da es bekanntlich extrem lange dauert, durch alle Sicherheitsschleusen zu kommen, war es angebracht, um 6:00 aufzustehen, um spätestens um 7:00 am Flughafen zu sein. Der Fahrer kam auch pünktlich um 6:30, so dass wir frühzeitig am ersten Kontrollpunkt ankamen, der stark gesichert, schon am Beginn der Zufahrtsstraße zum Flughafen mit Betonschikanen aufgebaut ist. Hier half uns noch das spezielle Nummernschild des DED (Deutscher Entwicklungsdienst) und es dauerte nur einige Minuten.

  • Die zweite Kontrolle kurz vor der Flughafeneinfahrt war dann eine 3-fach- Kontrolle. Wir mussten aussteigen und zu Fuß die erste Teilkontrolle, inkl. Bodycheck durchlaufen. An der zweiten Stufe musste ich dann mein gesamtes Gepäck ausladen und durch eine separate Schleuse tragen, während draußen das Auto von innen durchsucht wurde. Bei mir ging bei der Gepäckkontrolle dann schon wieder das übliche Spielchen los: Böse gucken, Probleme ankündigen, Frage nach dem Beruf, um dann dezent klar zu machen, dass mit einem kleinen Dollarbetrag alle drohenden Probleme gelöst sind. Da ich das Spiel inzwischen kannte, blieb ich fröhlich, unterhaltsam und stellte mich mal wieder total begriffsstutzig. Ich hatte ja auch gelernt, dass ich die Frage nach meinem Beruf nicht ehrlich beantworten darf, da sie nur dazu dient, abzuchecken, welcher Dollarbetrag gefordert werden kann. Also habe ich nur noch geantwortet, dass ich keinen Beruf habe, als armer Rentner mein Leben friste und nur in Kabul bin, um den armen afghanischen Waisenkindern zu helfen. Das wirkt immer und löst das Problem. Dann alles wieder einladen, einsteigen und ein paar Meter weiter fahren, damit mit einem Spiegel am langen Stock unterm Auto nach versteckten Bomben gesucht werden kann.

  • Endlich am Flughafen angekommen, ist das Kontrollspielchen noch lange nicht zu Ende. Der Bereich vor dem Flughafeneingang ist abgesperrt. Also geht es zu Fuß weiter. Am Eingangsbereich des Flughafens dann wieder Gepäckkontrolle mit Taschendurchwühlen und Bodycheck mit viel Anfassen. Auch hier begann wieder das berühmte Angstmach-Freikaufspielchen. Diesmal hatte ich großes Glück, dass hinter mir eine attraktive Flugbegleiterin mit Sonderstatus auf den Eingang zusteuerte. Ich bemerkte die Aufmerksamkeit meiner Kontrolleure, drehte mich um und stimmte ihnen bei der lautstarken positiven Beurteilung dieser Erscheinung zu. Meine positive Antwort auf die Frage, ob sie auch in Deutschland als attraktive Frau durchgehen würde, hat die Kontrolle extrem beschleunigt. Wir haben uns mit Handschlag als Freunde getrennt, ohne auch nur eine Frage nach einem Dollar. Anschließend ging es weiter zum Einchecken und danach folgte erst das komplette Kontrollprogramm, was alle von Euch auf deutschen Flughäfen kennen.

  • Im Warteraum des einzigen internationalen Gates, der je nach Flug halt Gate 1,2 oder 3 genannt wird, angekommen, bleibt einem nur übrig, sich in sein Schicksal zu ergeben. Es war arschkalt und es gab keinerlei Informationen. Auch um 10:30 stand auf der Anzeigetafel immer noch der Flug mit 8:30 angekündigt.

  • Das Warten hatte aber auch einen Vorteil. Ein Afghane, der in Hannover seine Arztpraxis hat, sprach mich in perfektem Deutsch an und es entwickelte sich ein interessantes Gespräch.

  • Nach etwas über 2 Stunden Verspätung, kam plötzlich Bewegung in die Wartenden (warum auch immer, ich habe keine offizielle Ansage mitbekommen). Der in Deutschland praktizierende afghanische Arzt setzte sich dann während des Fluges zu mir und es entwickelte sich über 2 Stunden ein sehr interessantes Gespräch. Er stammt ursprünglich aus einer sehr wohlhabenden afghanischen Familie, die das Land bei Ausbruch des Bürgerkrieges vor ca. 30 Jahren fluchtartig verlassen hat. Während der Talibanherrschaft haben dann Kommandeure die Grundbucheintragungen seiner Häuser, Grundstücke und seines Ackerlandes gefälscht und sich unter den Nagel gerissen. Seit die internationalen Truppen die Kontrolle im Land übernommen haben, fliegt er mehrmals jährlich nach Afghanistan, um sich seinen Besitz zurück zu erkämpfen. Kleine Teilerfolge kann er schon vorweisen. In seinem deutschen Exil hat er engen Kontakt mit einigen einflussreichen Leuten in Afghanistan gehalten und sich ein gutes Netzwerk dort aufgebaut. Er fand unser Engagement mit Skateistan so toll, dass er mir angeboten hat, alle seine Kontakte für Skateistan einsetzen zu wollen, damit wir schnell an ein Grundstück für die geplante Skatehalle kommen.

  • Außerdem hat er mir viel Hintergrundwissen gegeben, über die politische Situation in Afghanistan. Für ihn sind die Engländer die Hauptschuldigen an der ganzen Misere. Grund: Sie haben während der Kolonialzeit durch neu gezogene Landesgrenzen, zusammengehörende Volksstämme ganz bewusst getrennt. So wollten sie die Kontrolle erlangen und deren Widerstand brechen. Daraus sei unter anderem auch das Kurdenproblem entstanden. Durch die Gründung von Pakistan 1947 aus Teilen von British Indien und Afghanistan, wurden auch hier zusammengehörende Völker getrennt. Ähnlich gingen die Briten in anderen ehemaligen Grenzregionen vor. Auch nach der Unabhängigkeit aller Kolonien blieb der britische Einfluss in Afghanistan sehr stark, bis zum heutigen Tage. Seit einiger Zeit wird aber der Einfluss der USA immer größer, was den Briten überhaupt nicht passt. Also werden ethnische Gruppen, die gegen die US-Besetzung sind, heimlich unterstützt, damit sie etwas gegen die US-Truppen unternehmen. Die neuerdings im Norden zunehmende Unruhe, liegt seiner Meinung daran, dass dort die Russen immer noch starken Einfluss hatten, der durch das Auftauchen der Deutschen immer mehr eingeschränkt wurde. Also würden die Russen jetzt die Taliban dieser Region mit Waffen und Kohle unterstützen, damit sie den deutschen die Hölle heiß machen können. Ich weiß nicht, was da dran ist, hört sich für mich aber ziemlich logisch an und es ist ja nichts neues, dass Machtstreben der westlichen Mächte so manches unterentwickelte Land ruiniert hat.

  • Mit zwei Stunden verspäteter Landung in Dubai, wurde es verdammt eng für den Anschlussflug nach Düsseldorf. Man muss dabei berücksichtigen, dass alle Flüge von und nach Zielen wie Kabul, Teheran, Kandahār, usw. von einem extra Terminal abgehen, der 15 Autominuten vom Hauptterminal entfernt ist. Nach Düsseldorf musste ich also zum westlichen Luxusterminal wechseln. Aber „Emirates“ hat das alles locker geregelt. Die haben mein Gepäck vom Band geholt (von Kabul kann man nicht bis zum Endziel durchchecken) und mich mit einem Shuttle über das Flughafengelände zum neuen Gate gefahren. Normal hätte ich per Einreise nach Dubai den Ankunftsterminal verlassen, mit dem Taxi, inkl. Gepäck zu meinem Abflugterminal fahren und dort wieder ausreisen und neu einchecken müssen. Das hätte nie geklappt.

  • Im Flieger nach Deutschland saß ich dann bei 2 netten Damen, die ich gleich ganz heiß auf unsere YCC Charity Night 2009 gemacht habe, so dass sie schon fest mit Familienanhang gebucht haben.

  • In Düsseldorf gelandet, konnte ich es kaum abwarten, nach einer Woche wieder zu Hause genussvoll unter der warmen Dusche zu stehen. Na ja, auf viele andere Dinge, auf die ich in Kabul verzichten musste, hab ich mich natürlich auch gefreut.

Trotzdem plane ich schon den nächsten Trip nach Kabul im Sommer, um Kabul auch mal mit Hitze zu erleben, damit ich mich über kaltes Wasser freuen kann.
Gruß, Euer Titus


Skateistan-T-Shirt


Die Sammelaktion war ein voller Erfolg!

Die TITUS Skateistan-Skatestuff-Sammelaktion in Kooperation mit der DHL ist beendet und die Resonanz die wir von Euch erhalten haben ist überwältigend - vielen Dank an alle Spenderinnen und Spender! Alle Erwartungen wurden übertroffen: Die angepeilten Spenden in den bundesweiten Titus-Shops wurden zum Teil verzehnfacht, so dass schon jetzt über 2 Tonnen Hardware und Skateklamotten gesammelt werden konnten!

Die gespendete Ware wird jetzt durch den Skateistan-Paten DHL nach Afganistan versandt, damit die Kids in Kabul sie so schnell wie möglich in Empfang nehmen können.

Die Kinder freuen sich natürlich weiterhin über Unterstützung in Form von finanziellen Spenden.


Die Situation:

Vor ein paar Monaten erst wurde Skateboarding, eine dort bis dahin unbekannte westliche Jugendkultur, nach Afghanistan gebracht. Durch einen nunmehr zwanzig Jahre andauernden Krieg ist das Land in allen Bereichen geschwächt. Infrastruktur und Wirtschaft sind am Boden, die Erde außerhalb der Städte mit Landminen durchsetzt.

Die Einwohnerzahl in Kabul stieg durch die Landflucht von einer Million auf vier Millionen. Etwa 70% der Bevölkerung ist unter 25 und das Land hat den prozentual höchsten Anteil an Grundschulkindern weltweit.

Deshalb ist es wichtig, den jungen Menschen dort neue Perspektiven zu geben, damit sie den Spaß am Leben wieder finden können – gerade auch mit Skateboarding!


Das Projekt Skateistan:

Beim Skateboarding auf Kabuls Strassen entdeckt der Deutsch-Australier Oliver Percovich (34): Das Skateboard ist ideales Vehikel, um die Kinder im afghanischen Kabul zu erreichen. Im Jahr 2007 gründet er das humanitäre Hilfsprojekt SKATEISTAN – eine Skateboard-Schule für Kabul.

Da wo das Leben von Terror, Tod und Zerstörung gezeichnet ist, möchten Ollie Percovich und sein Team den Kindern und Jugendlichen Hoffnung bringen. Neue Sichtweisen eröffnen, Vorurteile abbauen, Gleichberechtigung fördern, Werte vermitteln. Aber auch Freude in das Leben junger Menschen bringen, die ansonsten wenig zu lachen haben. Kinder ohne Kindheit. Jugendliche ohne Perspektiven. Anders als die meisten Hilfsprojekte in Afghanistan, hat Skateistan keinerlei Verpflichtung gegenüber politischen Organisationen, Regierungen, religiösen Einrichtungen oder Überzeugungen. Bei Skateistan geht es ausschließlich um die Unterstützung afghanischer Kinder, unabhängig von Geschlecht oder ethnischem Hintergrund.

Aktuell werden Mittel für den Bau und Betrieb der dringend erforderlichen Skatehalle in Kabul benötigt und eingeworben.


Erzähl's deinen Freunden:

Wir würden uns freuen, wenn du das Projekt Skateistan weiterempfehlen würdest!



Offizielle Website:

Alle Infos zum Projekt findest du auf der offiziellen Website skateistan.org.



Skateistan goes Public

Die Medien berichten weltweit über Skateistan, hier ein Überblick.




Galerie - Spenden und Spender:

Jede Menge Stuff
wie Achsen...

...Decks...
 

...Shirts, Sweats,
Hosen...

...und Schuhe
wurden gespendet.

Wilko (Team Titus)
beim Packen...

Auch Titus
packt mit an!

Titus himself
 

Girls Skate Team
 




Dennis Scheen,
Münster

Maik Giersch,
Münster

Ralle Middendorf,
Münster

Patti K.,
Wuppertal

Stigma Distribution,
Tschechien

Michael K.
und Sohn

Falloutskateboards
 

Stephan G.
 





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