TITUS - 30 Jahre Skateboarding

Teil 1

Interview mit Titus

Interview: Maik Giersch
Fotos: Titus Privatarchiv, Martin Broich, Ludger Aundrup, Archiv Thomas Kalak

Moin, Titus, wie ist die Lage?

Wieder gut. Habe ja nun eine Menge Scheiße hinter mich gebracht, aber wenn man Scheiße fressen kann, darf man sich hinterher auch freuen, wenn man's verdaut hat.

Mensch, 30 Jahre TITUS, sprich 30 Jahre Skateboarding in Deutschland. Da kommt so schnell kein anderer ran. Hast du vor 30 Jahren je gedacht, dass Skateboarding einmal dein Leben in solch einem Ausmaß beeinflussen würde?

Also, als ich 1977 zum ersten Mal einen Skateboarder live am Aasee-Hügel in Münster gesehen habe, da war ich zunächst einfach nur begeistert und dachte überhaupt noch nicht an Business. Ich bin auch noch nie der Typ gewesen, der zig Jahre in die Zukunft plant und überlegt, was er in 30 Jahren macht. Ich hatte natürlich auch damals schon Wünsche und Visionen, war aber immer flexibel und nahm das Leben stets, wie es kommt. Meine Ziele habe ich auch nie erreicht, da ich, sobald ich kurz davor war, die Latte immer ein Stück höher gelegt habe. Ganz nach dem Motto: Wer seine Ziele im Leben erreicht, hat sie nicht hoch genug gesteckt.

Du warst ja schon, bevor du das Skateboard für dich entdeckt hast, sportmäßig ziemlich aktiv.

Auf jeden Fall. Ich war schon immer versessen auf Individual-Sportarten und habe unter anderem ja auch schon in den 60ern bei den Deutschen Meisterschaften im Drachenfliegen mitgemacht und war auch im Windsurfen vorne mit dabei. Zunächst hat mich Skateboarding auch gar nicht so gereizt, obwohl ich davon wusste, weil es in den Medien immer so als Kinderkram dargestellt wurde.

Naja, und ich war damals auch schon fast dreißig und ein "seriöser" Sportstudent. Diese Einstellung hat sich dann aber schlagartig geändert, als ich zum ersten Mal selbst auf einem Skateboard stand und merkte, wie viel Kraft in diesem Gerät steckt. Als angehender Pädagoge, ich war ja gerade im ersten Staatsexamen, habe ich natürlich auch gleich gespürt, was das für ein geiles Werkzeug ist, um mit Jugendlichen zu arbeiten. Das zusammen mit meiner eigenen Begeisterung und dem Virus, der auf mich übergesprungen war, machte letztendlich diese Faszination aus, die mich bis heute nicht losgelassen hat.

Natürlich ist das heute in privater Hinsicht nicht mehr ganz so heftig. Schließlich gehe ich ja auf die 60 zu - und da ist Skateboarding nicht unbedingt der Idealsport. Ich greife inzwischen eher auf Sportarten zurück, wo man sich nicht ganz so weh tut. Ich würde sagen, dass meine Entwicklung im Skateboarding Ende der 80er Jahre aufgehört hat, da ich auch nie richtig Street gefahren bin, sondern mich eher in Transitions und später auch Miniramps wohl gefühlt habe. Am Downhillfahren oder Cruisen mit dem Longboard habe ich aber nach wie vor Spaß und im TITUS-Camp muss ich auch hin und wieder den "Titus Flip" demonstrieren, was zum Glück auch klappt.

Die Sportarten, für die du dich davor begeistert hast, waren ja auch eher so Sachen, die man alleine gut machen kann, also kein "Teamsport" - so wie Fußball. Bist du eher so ein Eigenbrötler, oder woran liegt's?

Nee, überhaupt nicht. Skateboarding ist das beste Beispiel dafür, wie ich strukturiert bin. Da steht zunächst die Begeisterung, ein Gerät individuell zu beherrschen und dieses geile Gefühl zu genießen, dass man es zu einem gewissen Teil im Griff hat. Hinzu kommt die Gemeinschaft der Gleichgesinnten. Man skatet ja nun mal alleine, fährt aber in einer Session mit Leuten, die genauso ticken. Bei Mannschaftssportarten ist ja auch viel Unterordnen angesagt - und Skateboarder machen das bekanntlich äußerst ungern.
Stimmt schon, aber manchmal kommt man im Leben schlecht drum herum, was man spätestens in der Schule zu spüren bekommt.

Also mein Bedürfnis, gegen den Strom zu schwimmen, muss immer schon da gewesen sein. Denn zu meiner Zeit wurden die Lehrer in der Schule noch handgreiflich und ich musste eine Menge einstecken, weil ich nicht wie die meisten gekuscht habe.

Demnach hast du dir den Bund aber bestimmt gespart?

Meinst du! Das war sogar noch viel heftiger, denn ich war sogar beim Bundesgrenzschutz. Das muss man aber in Verbindung mit der damaligen Zeit sehen, zumal Kriegsdienstverweigerer damals in den Knast kamen und man aus "Gewissensgründen" gar nicht verweigern konnte. Ersatzdienst war ebenfalls noch lange nicht erfunden. Der Grund, warum ich von 68 bis 70 beim BGS war, war der, weil es die einzige Alternative zum Bund war und man dort das volle Polizeigehalt bekam. Der Sold beim Bund lag damals bei etwa 30 Euro im Monat. Beim Bundesgrenzschutz gab's das Zehnfache. Leider kam ein paar Tage, bevor ich dort unterschrieben habe, ein neues Gesetz raus, dass nur noch zwei Jahre Bundesgrenzschutz 1,5 Jahre Bundeswehr ersetzen. Also musste ich ein halbes Jahr länger durchhalten. Aber auch da gab's natürlich Stress, da ich trotz Verbots meine Haare lang wachsen ließ und einen derben Oberlippenbart trug, weshalb ich auch zweimal strafversetzt wurde. Am Ende ist aber alles recht gut ausgegangen, weil mich keine Hundertschaft haben wollte und ich schließlich durch meinen DLRG-Ausweis als Bademeister eingesetzt wurde.

Dann folgte das Studium?

Ja, Sport und Geographie, wodurch ich Anfang der 70er auch nach Münster kam. 1978 wurde ich dann schließlich dort Referendar an einem Gymnasium. Da haben mich dann einige der Jungs vom Skaten am Aasee wieder erkannt und sofort gefragt, ob ich nicht eine Schülergemeinschaft im Skateboarding gründen könnte. Ich habe mir dann auch direkt genehmigen lassen, dass ich meine zweite Staatsexamensarbeit über Skateboardfahren schreiben durfte und hatte danach eine super Referendarszeit. Ich habe dann die erste wissenschaftliche Arbeit über Skateboarding geschrieben und untersucht, inwieweit das Ganze für den Schulsport geeignet ist. Die Ergebnisse waren natürlich hervorragend. Hinzu kam, dass meine Schüler Material brauchten und ich deshalb für sie zunächst in Münster bei Sportgeschäften um Rabatte feilschte. Allerdings hatten diese Läden nur den übrig gebliebenen Stuff vom Skateboard-Boom aus den 70ern. So bin ich in meinen Sommerferien in die USA geflogen und hab dort direkt die Firmen aufgesucht. So Leute wie George Powell waren natürlich super glücklich, dass jemand aus Europa anreist, um bei ihm einzukaufen, da zu dieser Zeit der Skatemarkt komplett zusammengebrochen war. Schließlich wurde ich so Anfang der 80er der erste europäische Skateboardimporteur.

Dir ging's aber nie nur ums Business.

Nein, wir waren nach wie vor auch sonst sehr aktiv, sind Shows gefahren und haben einen Verein gegründet. Heute kann man sich auch kaum ein Bild davon machen, was wir damals für Probleme hatten. Skateboarding war ja quasi etwas völlig Neues und wir waren froh über jede Info, die über den Teich schwappte. Da gab's kein Internet und auch sonst war die Kommunikation eine Katastrophe. Das Fax war gerade erst erfunden und anfangs musste ich noch Bestellungen per Telex, so mit Lochstreifen, in die Staaten schicken. Das hat dann für fünf Paar Schuhe eine Ewigkeit gedauert. Telefonieren war auch nicht drin, weil das ein Vermögen kostete, und im Fernsehen gab's auch nur zwei Programme. Wenn wir dann mal ein US-Magazin in die Hand bekamen, sahen wir beispielsweise ein Foto von einem Skater in einem Pool und wussten gar nicht, was der Typ da treibt. Man sah nur den oberen Rand von einem Pool, an dem ein Fahrer einen Liptrick machte. Aber irgendwie konnte sich niemand erklären, wie derjenige in diese Position gekommen ist. Wir hatten dann alle das große Fragezeichen auf der Stirn und haben uns das Hirn zermartert, wie dieser Künstler es geschafft hat, in einem Swimmingpool oben mit dem Skateboard an den Rand zu kommen. Was wir nicht wissen konnten, war natürlich, dass die Pools in den USA eine Transition haben, also unten rund sind. In Deutschland gab es nur eckige Pools mit rechtwinkligen Wänden - und wir fragten uns immer, was die Amis wohl für einen Sprung drauf haben müssen, um am Coping zu landen. Heute lacht man darüber, aber damals waren das für uns ernsthafte Probleme. Wir haben dann auch ständig irgendwelche scheiß Tricks erfunden, weil wir bei niemandem, der es richtig konnte, über die Schulter blicken konnten.

Du sagtest grade "Shows". Wie muss man sich das vorstellen?

Das wurde mehr aus einer Not geboren, nachdem ich 1980 irgendwo in Holland eine gebrauchte Holzhalfpipe gekauft hatte, die man auf einem Anhänger transportieren konnte. Leider wohnten wir ja alle in Mietshäusern und da gab es sofort Ärger, wenn wir das Teil im Innenhof aufgebaut haben. Wir kamen dann auf die Idee, Shows - zum Beispiel für Citroen - zu fahren. Die haben uns dann beispielsweise für ein Wochenende einen Platz zur Verfügung gestellt und ihre neuen Autos neben der Rampe präsentiert. Wir hatten dann den ganzen Tag freie Verpflegung und keinen Stress, einen geeigneten Ort für die Rampe zu finden. Wir sind dann eigentlich immer nur noch vor Publikum gefahren, weil es da keine Probleme gab, und haben dabei unserer ersten Tricks gelernt. So war das dann auch bei meinem ersten Drop-In in der Halfpipe, den ich vor gut zweihundert Zuschauern gemacht habe. Natürlich habe ich mich dabei zunächst ein paar mal richtig lang gemacht, aber man will sich dann ja auch nicht blamieren und versucht es so lange, bis es klappt.

Wie kam es dann von der Showrampe zum ersten Skatepark in Münster?

Ich hatte gehört, dass die holländische Firma Tencate schon in den 70er Jahren eine Indoorbahn aus hellblauen Glasfieberelementen hatte. Und als die den Laden dicht machen mussten, habe ich mit denen verhandelt und für 20.000 DM (10.000 Euro) die Rampen gekauft. Natürlich hatte ich damals nicht soviel Geld, war aber zum Glück Beamter. Und als Beamter bekommt man Kredit. Da haben mich wieder einmal alle für bekloppt erklärt, weil sich ungefähr jeder ein Häuschen auf Kredit baute und ich loszog, um einen Skatepark für meine Schüler und eine quasi nicht vorhandene Skateszene zu kaufen. Es hat anschließend noch etwa ein Jahr gedauert, bis mir die Stadt 1982 einen Platz am Ostbad zur Verfügung gestellt hat.

Dort wurde dann auch das erste Cover mit Claus Grabke für das erste Monster Magazin geschossen, das es ebenfalls seit 1982 gibt.

Claus war auch derjenige, der unbedingt ein Magazin machen wollte. So haben wir dann zusammen mit Jörg Ludewig Gas gegeben. Dadurch bekamen wir dann einen stärkeren Bekanntheitsgrad auch außerhalb Deutschlands, was schließlich 1982 zum ersten Monster Mastership führte, bei dem sogar Leute aus England, Holland und Belgien dabei waren.

Wann kam der Zeitpunkt, als du dein Lehrerdasein komplett an den Nagel gehängt hast?

Insgesamt war ich sechs Jahre Lehrer. 1984 habe ich dann der Schule komplett den Rücken gekehrt, wobei Skateboarding nicht der alleinige Grund dafür war. Ich weiß noch, da war ich bereits Studienrat, als ich nach dem ersten Tag nach Hause kam und zu Brigitta sagte: "Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder geht die Schule an mir kaputt oder ich an der Schule." Die anderen Lehrer hatten sowieso einen Hals auf mich, weil ich zu engagiert war und mich auch noch nach dem Unterricht mit meinen Schülern zum Skaten verabredete und nicht direkt gefragt habe, ob man mir die Überstunden bezahlt. Ich bin dann meinen eigenen Weg gegangen, obwohl viele meiner Kollegen mir sagten, dass das sehr verantwortungslos sei, da Julius, mein Sohn, gerade geboren war und man dann einen sicheren Beamtenjob nicht einfach so aufgibt.

Du hattest dann ja auch schnell deinen eigenen Brand, mit eigenen Decks. Wie lief das?

War natürlich schwierig, weil wir weder Ahnung vom Material noch die richtigen Maschinen hatten. Wir glaubten aber fest an uns und wollten auch etwas Eigenes auf die Beine stellen. Wir haben dann deutsche Hölzer selbst laminiert und in einer selbstgebauten Form gepresst, wobei das aber auch lang nicht so kompliziert wie heute war, weil die Decks kaum Concave hatten. Auch für die Nose wurde das Deck einfach nur vorne abgesägt. Die Boards waren auch gar nicht so schlecht und sogar um einiges leichter als die US-Boards. Allerdings sind die Dinger schnell gebrochen, was natürlich frustrierend war. So kamen wir auf die Idee, zu Stuhlfabrikanten zu fahren, um Stühle zu suchen, die bereits Mulden haben, die einem Tail ähnelten. Trucks kamen dann auch noch dazu, die wir im Sauerland gießen ließen.

TITUS Skates war also der erste europäische Skateboardbrand.

Definitiv! Vielleicht gab's schon irgendwelche Spielzeugfirmen, die Billigbretter hatten, aber TITUS Skates war die erste ernst zu nehmende Firma mit eigenen Teamfahrern.

TITUS - 30 Jahre Skateboarding

Teil 2

1982-1986

Interview: Maik Giersch
Fotos: Titus Privatarchiv, Martin Broich, Ludger Aundrup, Archiv Thomas Kalak

Nachdem wir uns im letzten Teil mit Titus über seine ersten Steps auf dem Skateboard unterhielten, steigen wir mit Teil 2 im Jahre 1982 ein. In diesem legendären Jahr veranstaltete Titus den ersten Mastership, brachte die erste Issue vom Monster Skateboard Magazin raus und produzierte als erster in Europa Signature-Stuff von seinen Teamfahrern. Warum trotzdem nicht alles wirklich glatt lief, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten von Titus himself.

Yo, Titus, dann mal weiter im Text. Du hast ja damals nicht direkt einen Laden aufgemacht, sondern zunächst aus deiner Wohnung heraus Stuff verkauft. Stelle ich mir schwierig vor.

Das ist mal sicher. Meine damalige Wohnungssituation war schon ziemlich "bescheiden". Ich wohnte mit Brigitta in einem Mietshaus aus dem sozialen Wohnungsbau und wir mussten sogar vorher heiraten, um überhaupt eine Wohnung zugewiesen zu bekommen. Das waren dann satte 41,5 kuschelige Quadratmeter für 112 DM. Man muss dabei aber berücksichtigen, dass ich auch nur 300 DM im Monat Bafög bekam. Das hat natürlich hinten und vorne nicht gereicht - und so habe ich nebenbei an Citröen-Enten rumgeschraubt. In der Wohnung ging es auch dann irgendwann damit los, dass wir Skateboards und Rollerskates verkauften. Das sprach sich anscheinend ziemlich schnell rum. So platzte unsere kleine Bude bald fast aus allen Nähten. Wir hatten allerdings das große Glück, dass genau in der Zeit der Rollerskate-Boom einschlug und wir die einzigen waren, die die Dinger verkauften. Irgendwann hatten wir dann aber weder für die Kunden noch für unsere Sachen Platz und mussten da raus, was zum Teil auch an den Nachbarn lag, die keinen Bock auf die ganzen fremden Leute im Treppenhaus hatten. Wir mieteten dann unseren ersten eigenen Mini-Laden in einer Nebenstraße, unabhängig von unserer privaten Wohnung. Als dann Julius zur Welt kam, war auch diese Wohnung zu klein, woraufhin wir in ein kleines Häuschen in der Stadt zogen. Das ging über zwei Etagen, so dass wir unten im ebenerdigen Keller einen Shop hatten, darüber wohnten und die Garage als Lager diente. Den Keller musste ich zunächst mit einem Presslufthammer bearbeiten, um aus den drei Mini-Räumen einen größeren Raum zu basteln. Am Ende erinnerte das Ganze eher an eine Grotte, als an einen Laden, wodurch auch das TITUS-Logo entstand.

Inklusive einer Spinne.

Ja genau. Den Keller hatten wir damals in Rot, Weiß und Schwarz gestrichen, womit schon mal die Farben feststanden. Und eine horrormäßige Spinne passte natürlich bestens in unseren kleinen Kellershop. Das Logo habe ich dann zusammen mit einem Freund, der Designer war, gezeichnet. Der Typ hatte übrigens nie etwas mit Graffiti am Hut, auch wenn es Leute gibt, die meinen, dass der TITUS-Schriftzug an Graffiti-Schrift erinnert.

Weißt du noch, welche US-Marken du damals im Shop hattest?

Die erste bedeutende Firma, die ich auch 1982 in Kalifornien aufgesucht hatte und deren Stuff importierte, war Powell & Peralta. Heute heißt es ja nur noch Powell, nach George Powell, mit dem ich auch heute noch befreundet bin. Ich war auch der erste, der Vans in Europa verkaufte. Früher gehörte die Firma ja Steve Van Doren und alles war noch etwas persönlicher. Damals hat Vans die Schuhe noch in Handarbeit zusammengeklebt und man hatte die Möglichkeit, sich von denen seinen individuellen Schuh bauen lassen. Man konnte also für fast jeden Teil des Schuhs einen Farbton oder ein Muster bestimmen und die Sohle bedrucken lassen. Das sollten natürlich auch unsere Kunden können - und wenn ich dann mal eintausend Schuhe bestellte, von denen neunhundert ein individuelles Design hatten, war schon der Bestellvorgang als solches ein wahnsinniger Aufwand. Internet und Fax gab's ja nicht. Und da ein Telefonat in die Staaten schweineteuer war, passierte das via Telex. Es dauerte Stunden, bis die Lochstreifen durchgelaufen waren. Das war schon ein gigantischer Akt, aber dadurch kamen die Leute sogar bis aus Paris, zumal wir die einzigen in Europa waren, bei denen man Vans ordern konnte. Dann dauerte das schon mal bis zu vier Monaten, bis die Schuhe aus den Staaten bei uns ankamen. Achsenmäßig waren wir mit Gullwing und Tracker ganz weit vorne, zumal das Anfang der 80er auch die angesagtesten Trucks waren. Die wurden damals übrigens auch von Rollerskatern in der Halfpipe gefahren.

Das war ja zunächst auch eine Disziplin beim Mastership, oder?

Klar, das zog sich sogar bis in die 90er. Die Rollerskater hatten früher auch dasselbe coole Image wie Skateboarder. Die waren ein Herz und eine Seele und sind zusammen Sessions gefahren und haben gemeinsam Party gemacht. Im Vergleich zum Skateboard lernt man auf Rollerskates die Tricks allerdings viel schneller, weil es nicht so schwer ist. Dadurch hat man natürlich eher erste Erfolgserlebnisse. Mit Rollerskates einen Handstand auf dem Coping zu machen ist zum Beispiel wesentlich einfacher, als ein Invert mit dem Skateboard in der Rampe. Abgesehen davon kamen mir beim Rollerskaten meine Erfahrungen als ehemaliger Leistungsturner zugute. Helge Tscharn, einer der besten Skateboardfotografen der Welt, war Anfang der 80er ja auch ein gnadenlos guter Rollerskater, genau wie Thomas Kalak und Martin Broich. Letzterer hat mit seinem Broichflip (Rückwärtssalto in der Halfpipe) ein Zeichen gesetzt.

Woran lag es deiner Meinung nach, dass sich die Skateboardszene letztendlich durchgesetzt hat und die Rollerskates im Laufe der Jahre verschwanden?

Ich denke, das lag an dem Gerät insofern, weil Skateboarding motorisch viel anspruchsvoller als Rollerskaten (und später dann auch Inlineskaten) ist. Das Skateboard ist dadurch zum Ausdrucksmittel der Jugendlichen geworden. Da konnten die Rollschuhe einfach nicht mithalten. Für einen Erwachsenen ist es relativ einfach, sich auf Rollerskates zu stellen. Dadurch konnten sich Jugendliche nicht abgrenzen. Natürlich ist die Sache mit den Rollerskates in der Halfpipe eine etwas andere Geschichte: Die Dinger hatten ja original Skateboard-Achsen und das Ganze erinnerte auch eher an Skateboarding.

Wie siehst du in dem Zusammenhang die Verbindung zum Freestyle? Das war ja auch einmal eine richtig dicke Nummer, mit eigenen Pro-Decks und vielen Contests.

Freestyle war eigentlich der Vorläufer des Streetstyles. Vertfahren wurde irgendwann immer kleiner, weil sich aus dem Transitionfahren und dem Freestyle eine neue Disziplin entwickelte. Anfangs konnte man Streetstyle eher mit Vertfahren vergleichen, da gab's ziemlich hohe Vertobstacles und fette Jumpramps. Heute sieht das durch Treppen, Rails und Curbs schon wieder komplett anders aus. Hinzu kam ja auch, dass Rodney Mullen, der wohl beste Freestyler der Welt, seine Tricks auf die Straße übertrug. Street ist ja inzwischen auch extrem technisch geworden, wobei viele der heutigen Tricks aus dem Freestyle stammen. Beim ursprünglichen Freestyle war natürlich neben der Tatsache, dass die Jungs auf ebener Erde fuhren, auch noch einer der Hauptunterschiede, dass alles nach vorgegebenen Regeln ablief: Die sind im Takt zu Musik geskatet - so wie beim Eiskunstlauf.

Zu Beginn des Skateboardings wurde ja sowieso eine Menge von anderen Sportarten übernommen. Das fing an mit dem Wellenreiten. Der Style der Jungs von "Dogtown and Z-Boys" ähnelte ja komplett dem Surfen. Im Prinzip surften die auf Boards mit vier Rollen. Es gab ja auch mal die Disziplinen Hochsprung und Weitsprung, was aus der Leichtathletik kommt. Slalom ist auch keine skateboardspezifische Disziplin, sondern stammt vom Rollerskaten oder Skifahren. Die erste eigenständige Skateboard-Disziplin war das Poolfahren, was sich dann weiterentwickelt hat, bis die Leute schließlich Halfpipes bauten.

Wurden die Freestyler von den Vertskatern nicht etwas belächelt?

Nee, überhaupt nicht. Freestyle war ja am Anfang auch die Königsdisziplin. Erst nachdem wir in Deutschland mit der ersten transportablen Halfpipe unterwegs waren und auch einen Contest, den "TITUS-Cup", mit den beiden Disziplinen Freestyle und Halfpipe veranstalteten, entwickelten sich neue Strukturen. Ich habe dann quasi immer den Rahmen geschaffen, um mit Kommunen und Verbänden zu sprechen, um hier etwas zu bewegen. Schau dir mal die ganzen traditionellen Sportarten an! Da ändert sich meistens rein gar nichts und vieles ist deshalb nicht zeitgemäß. Alles ist vorgegeben und unterliegt strengen Regeln. Dadurch kann sich so etwas nur ganz schwer weiter entwickeln. Im Skateboarding habe ich immer dafür gekämpft, dass wir uns den Luxus erlauben, mit der Zeit zu gehen. So hatte fast jeder Contest neue Regeln, die dann auch absolut zeitgemäß waren.

Ich erinnere mich noch, als Adrian Damain, der damals AM bei Powell war, am Ostbad aufschlug, um beim Mastership mitzumischen. Der hat den Leuten auch als erster in Deutschland hautnah gezeigt, dass Streetskating ein eigenständiges Ding ist.

Das müsste 1985 oder 1986 gewesen sein. Der konnte nicht nur verdammt gut vertskaten, sondern zeigte seinen unglaublichen Style auch auf der Straße - mit Tricks, die bis dahin keiner von uns kannte.

Hast du da schon geglaubt, dass Streetskating mal so ein dickes Ding wird?

Ich habe in meinem Leben eigentlich nie so wahnsinnig weit vorausgeschaut und mir ständig Gedanken gemacht, wie sich dieses oder jenes einmal entwickeln könnte. Das "Hier und Jetzt" ist mir immer wichtiger. Wir waren immer heiß darauf, Sachen, die wir geil fanden, so schnell wie möglich umzusetzen - und das war's.

Dabei sorgten die TITUS-Teamfahrer bestimmt für reichlich Input. Viele von den Jungs wurden ja später auch von großen US-Firmen gesponsert, wie Claus Grabke, der nach TITUS-Skates für Powell, Madrid und Santa Cruz fuhr, oder Nicky Guerrero, der über TITUS-Skates zu G&S und Powell kam. Hat es dich geärgert, dass viele deiner Teamfahrer von anderen Firmen abgeworben wurden?

Überhaupt nicht. Das TITUS-Skates-Team hatte damals in Europa auch eine einmalige Stellung. Das kann man ohne weiteres mit der Bones Brigade in den USA vergleichen. Und da viele US-Firmen ihre Produkte in Europa verkaufen wollten, haben sie natürlich versucht, ihre Brands hier so gut wie möglich zu pushen. Da waren die TITUS-Fahrer natürlich gefragt. Die Jungs waren ja die besten Skater in Europa. Natürlich bin da auch stolz darauf, dass einige davon auch international bekannt wurden. So wurde auch die Marke TITUS weltweit bekannter und es kamen immer mehr Leute auf mich zu, die unbedingt ins TITUS-Skates-Team wollten. Da klopften sogar Leute aus Australien an. Der Name TITUS war ja auch für einige Teamfahrer das Sprungbrett in die Businesswelt, so wie für Pierre Andre, dem heute Etnies, Emerica und ès gehören, oder Jean Marc "V 7", der inzwischen der größte Distributeur in Frankreich ist.

...genau wie Rippe und Jörg, die in Deutschland ihren Weg gegangen sind

Ja, auch Christian Seewald und Jörg Ludewig sind ursprünglich aus dem TITUS-System.

Jörg war ja auch beim Monster Skateboard Magazin, das du ins Leben gerufen hast, sehr aktiv.

Stimmt, wir haben das Mag 1983 mit einer Auflage von vielleicht 50 Stück selbst auf Contests verteilt und pro Heft schlappe 50 Pfennig kassiert. War ja alles komplett Low-Budget und in Schwarz-Weiß. Ach nee, nicht ganz. Wir hatten eine Rollerskates-Werbung, wodurch wir uns eine Farbe, nämlich Rot gegönnt haben. Das Cover war also schwarz-weiß-rot. Damals konnten wir ja auch noch keine Layouts im Photoshop am Computer machen, sondern da war echte Handarbeit gefragt. Ich habe da teilweise Fotos mit der Textil-Zackenschere von Brigitta ausgeschnitten, damit das ganze etwas "artsy" aussah.

Klingt alles sehr abenteuerlich und ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Teil, in dem wir die Jahre ab 1987 unter die Lupe nehmen.

Oh ja, 1987 ging einiges, als wir zum ersten Mal den Mastership in einer größeren Location, in der Eishalle in Münster, organisierten und mehr US-Pros anreisten, als wir zunächst eingeplant hatten.

TITUS - 30 Jahre Skateboarding

Teil 3

1986-1990

Interview: Maik Giersch
Fotos: Titus Privatarchiv, Martin Broich, Ludger Aundrup, Archiv Thomas Kalak

Bis Mitte der 80er passierte im Skateboarding zwar einiges, doch die Szene war immer noch sehr überschaubar. Vorturner waren nach wie vor die Amis - und was in Europa abging, interessierte die Leute, die den Markt bestimmten, nicht wirklich. Das sollte sich ab 1987 schlagartig ändern, zumal viele bekannte US-Pros zum ersten Mal zum Münster-Monster-Mastership über den Teich kamen und eine neue Welt für sich und ihre Sponsoren entdeckten. Welche Rolle Titus dabei spielte und wie sich Skateboarding plötzlich aus dem Underground erhob, erfahrt ihr in diesem Gespräch.

Hallo Titus, 1986 war ja der Mastership noch recht familiär. Da gab es zwar etliche Fahrer aus Europa, aber Adrian Damain war der einzige Starter aus den USA. Und er war damals ja auch nur Amateur bei Powell. Ein Jahr später sah das beim Contest in der Eishalle schon etwas anders aus.

Naja, man spürt halt oft, wie sich eine Sache entwickelt. Außerdem hatten wir beim Mastership am Ostbad immer das Problem, dass der Contest unter freiem Himmel stattfand, was bei Regen natürlich ein Problem ist. Da hatten wir das große Glück, dass die Eishalle von sich aus Interesse hatte, dort auch etwas im Sommer etwas stattfinden zu lassen. Wir brauchten die Halle also nicht zu mieten, sondern lediglich für die Rampen zu sorgen. Das war natürlich ideal, zumal wir am Ostbad auch bei Street noch das Problem mit dem ziemlich rauen Asphalt hatten. Adrian Damain hatte offensichtlich in der Zwischenzeit auch in Kalifornien ordentlich die Werbetrommel gerührt und den Leuten erzählt, wie geil dieser Contest ist. Wir wollten zwar vorher auch bekannte Fahrer über den Teich holen, aber es kommt natürlich immer besser, wenn ein unabhängiger Augenzeuge erzählt, was in Europa abgeht. So waren 1987 dann auch viele bekannte Pros, wie Steve Caballero, Lance Mountain, Rob Roskopp, Hosoi und Mark Gonzales dabei. Das war natürlich ein extremer Unterschied zum Vorjahr. Zum Teil lag das aber auch daran, dass zu dieser Zeit keine vergleichbaren Contests in den Staaten stattfanden, da Skateboarding ziemlich durchhing. Da war das Event in der Eishalle auf jeden Fall das Größte, was es gab - und ein Jahr später kam wirklich jeder bekannte US-Pro über den Teich.

Gab's da eigentlich noch den Skatepark am Ostbad?

Zunächst ja, bis es dann Stress mit dem direkt da hinter liegenden Friedhof gab. Die Besucher fühlten sich wohl bei Beerdigungen gestört, worauf wir ja eigentlich auch Rücksicht nahmen. Irgendwann waren aber die Behörden eingeschaltet, die meinten, dass wir die Totenruhe stören - und dann war Schicht. Nach dem Mastership 87 blieben einige Rampen ja auch zunächst in der Eishalle. Somit gab es einen neuen Spot. Wir haben das Ganze ja dann auch schön mit einer Vertrampe und einer Miniramp-Landschaft ausgebaut. Die Eishalle hatte dadurch auch im Sommer Betrieb. Allerdings hat sich das wirtschaftlich für die Betreiber nicht gerechnet und wir mussten schon bald wieder da raus.

Und wann ging es dann mit dem Pool und dem Snakerun in Berg Fidel weiter?

Das müsste 1989 gewesen sein. Wir hatten zu der Zeit keinen Skatepark in Münster. Ich habe dann etwas Druck auf die Stadt ausgeübt, zumal wir ja die erste Weltmeisterschaft in Münster organisierten und die Stadt sich nach außen immer als Nabel der Skateboardwelt darstellte, obwohl sie es nicht einmal hinbekam, den Leuten eine Möglichkeit zum Skaten zu bieten. Das leuchtete wohl ein. So haben wir zusammen mit dem Sportamt den Park am Berg Fidel geplant. Angeblich hatte die Stadt aber kein Budget für die Umsetzung. Daher habe ich der Stadt angeboten, dass ich das Geld für den Park vorfinanziere, damit der pünktlich zur Weltmeisterschaft fertig werden würde. Da sah die Stadt dann doch eine Peinlichkeit auf sich zukommen: Plötzlich war Geld für den Bau vorhanden und es ging los. Das war dann auch endlich mal eine Anlage, die ich nicht bezahlt habe. Natürlich hatte das beauftragte Planungsbüro keinen Plan von Skateboarding und so durfte ich höchst persönlich den Bau und die Pläne überwachen. Ich habe dann unter anderem auch die Dicke des Copings und die Maße der Transitions festgelegt. Natürlich gibt es heute bestimmt bessere Parks, da sich ja alles weiterentwickelt hat. Für den damaligen Zeitpunkt war Berg Fidel aber ganz weit vorne und diente als Vorbild für spätere Parks, was mich natürlich auch etwas stolz macht.

Hat ja dann auch perfekt zum Mastership gepasst, zumal die ganzen Leute schon einen Tag eher anreisten, um die Session in Berg Fidel zu skaten. Da war im Laufe der Jahre wohl jeder namhafte Pro dabei. Hat der Einmarsch der US-Fahrer zum Mastership auch die Verkäufe angekurbelt?

Bestimmt. Allerdings gibt es ja auch im Skateboarding bekanntlich Aufs und Abs. Da gab es den kurzen Boom in den 70ern, bis Ende der 70er - also in der Zeit, wo ich angefangen habe - wieder alles am Boden lag. Sonst hätte ich damals ja auch nicht in die USA fliegen müssen, um für meine Schüler Boards zu besorgen. Bis Mitte der 80er war Skateboarding eigentlich fast tot. Da waren wir die einzige Kraft in Europa, die überhaupt in dem Bereich etwas machte. Ende der 80er kam dann der zweite Boom. 1989 war nicht nur der Höhepunkt in Sachen Event, sondern auch des kompletten Marktes. Ein Jahr später flachte das Ganze dann wieder ab, bis schließlich Anfang der 90er der komplette Einbruch kam.

Dadurch, dass du schon viele Kontakte in die Staaten hattest und das TITUS-Team auch international bekannt war, kam dir doch bestimmt der Gedanke, TITUS-Produkte auch in Amerika an den Mann zu bringen, oder?

Klar, in Teil 1 dieses Interviews haben wir ja schon über die ersten selbst produzierten Decks gesprochen. Leider waren wir damit nicht sonderlich erfolgreich, weil damals alle den Stuff aus den USA wollten. Wir haben dann schließlich mit den Woodshops in den Staaten gesprochen, um unsere Decks bei Madrid, Vision und später Santa Cruz zu machen. Zwar waren der Name TITUS und auch die Teamfahrer in den USA bekannt, aber man trägt schließlich auch keine Eulen nach Athen. Die Zeit war einfach noch nicht reif, da die Amis so mit ihrer Nabelshow beschäftigt waren und alle glaubten, dass aus Europa nichts Vernünftiges kommen könne. Inzwischen sieht das ja ganz anders aus. Wir hatten aber generell sehr oft das Problem, dass unsere Ideen einfach ihrer Zeit voraus waren. So schafften wir auch nicht den Sprung in den US-Markt, weil wir schlicht und einfach zehn Jahre zu früh waren.

Ärgert dich das heute?

Ja, logisch. Vor allem, wenn dann später die passende Zeit für einige Sachen kam und wir nicht die Power hatten. Man muss aber das Leben nehmen, wie es kommt. Insofern ist das auch im Nachhinein kein Problem. Außerdem ist es ja heute auch schön zu sagen, dass wir der erste Brand aus Europa waren, dessen Sachen in den Staaten verkauft wurden. Das ist ja auch ein riesiger Erfolg. Wir hatten dadurch aber Ende der 80er noch eine andere geile Idee, die auch wirklich funktionierte. Da waren wir ja bereits der größte Distributeur von US-Stuff und haben bis auf ein paar Ausnahmen alle bekannten Skateboardbrands eingeführt. Allerdings hatten dann die großen Schuhfirmen das Problem, dass sie lieber mit jemandem zusammenarbeiteten, der keine eigenen Konkurrenzprodukte vertreibt. Ich habe dann nach jemanden gesucht, mit dem ich eine zweite Firma im Mode- und Schuhbereich starten könnte, damit ich mich mit der Firma TITUS voll auf das Skateboarding konzentrieren kann. So fand ich Jürgen Wolf, der aber kein Angestellter sein wollte, worauf hin wir eine Firma gründeten, bei der jeder zur Hälfte beteiligt war. Zunächst hat Jürgen dann einige Firmen von mir für diesen neuen Großhandel übernommen, bis wir auf die Idee kamen, eine eigene Marke im Modebereich zu machen. So entstand schließlich 1989 Homeboy, und da damals die Leute mehr auf die Sachen aus den Staaten standen, haben wir marketingmäßig so getan, als ob der Brand von der Ostküste der USA stammen würde. Damals hatte eine deutsche Skateboardmarke ganz einfach nicht die Glaubwürdigkeit wie ein Brand aus den Staaten. Das Ganze ging dann ja auch ab wie Zäpfchen, woran sich bestimmt noch einige erinnern können.

Oh ja, die Homeboy-Zeit. Zunächst hattest du auch beim Import so etwas wie eine Monopolstellung. Gab es durch den Boom Ende der 80er mehr Konkurrenz?

Sicher, zumal es ja recht einfach war, Stuff aus den Staaten zu bekommen. Die Firmen haben fast jeden beliefert. So gab es dann mit der Zeit immer mehr Großhändler in Europa. Ich war damals aber auch Teilhaber von einigen Firmen außerhalb Deutschlands, in Frankreich, Belgien, Österreich und Holland.

Und wie sah es mit dem Einzelhandel aus?

Zu der Zeit hatten wir uns schon sehr auf den Großhandel spezialisiert. Da gab es auch nur den einen Shop in Münster. Mein erster Versuch, da mehr draus zu machen, war auch eher ein Zufall, weil ich einen Kunden hatte, der "Kingpin" hieß. Das war eine Kette von fünf Läden, denen ich extrem unter die Arme gegriffen hatte, in dem ich denen reichlich Stuff und Kredite gab. Irgendwann konnten die aber die Rechnungen nicht mehr bezahlen und so habe ich dann aus der Not heraus die Shops übernommen. Allerdings bin ich damit komplett auf die Schnauze gefallen, weil es ja noch keine Computer gab und ich durch die Distanz nicht alles so lenken konnte, wie es nötig gewesen wäre. Ich habe dann schließlich die Läden an die Macher vor Ort abgetreten, woraus dann die Kingpin-Läden und der TITUS-Shop in Dortmund und Railslide in Frankfurt (was ursprünglich auch ein Kingpin-Shop war) entstanden.

Das passt wieder dazu, dass fast alle Sachen, die im Skateboarding in Deutschland heranwuchsen, über dich entstanden sind. Im nächsten Teil geht's dann mit den 90ern weiter, wo es am Anfang mal richtig mies aussah.

TITUS - 30 Jahre Skateboarding

Teil 4

1990–1994

Interview: Maik Giersch
Fotos: Titus Privatarchiv, Martin Broich, Ludger Aundrup, Archiv Thomas Kalak

„Freestyle is dead!“, hieß es Anfang der 90er. Und so wäre es fast dem gesamten Skateboarding ergangen, wenn nicht plötzlich etwas Neues diese Lücke gefüllt hätte. Wie „Streetstyle“ nicht nur für neuen Schwung in der Szene, sondern auch im Markt sorgte und wie Titus auf den Anbruch einer neuen Ära reagierte, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.

Hi Titus, lass uns mal über die 90er reden, in denen es zunächst ja businessmäßig nicht wirklich toll aussah.

Nee, anfangs war das eine richtig beschissene Zeit, in der auch im Skateboarding ein Umbruch stattfand. So etwas passiert natürlich nicht von heute auf morgen, sondern ist eher eine schleichende Bewegung. Europa war damals ja auch nicht unbedingt das Land, wo die Innovationen stattfanden. Und so schwappte alles, was neu war, von den USA rüber. Das war auch mit dem Streetstyle so, was dann relativ schnell die Disziplin Freestyle ersetzte. Wobei Streetstyle dann aber auch das Vertskating sehr stark beeinflusste. Anfangs kamen ja auch die Tricks des Streetstyles vom Rampefahren. Da war das Ganze noch gar nicht so technisch und die Streetcontests erinnerten stark an Vertskating mit megahohen Quarter-Ramps und vertikalen Corner inklusive Coping. Da hatten Halfpipe-Fahrer am Anfang ganz klar Vorteile, und die Top-Pros waren auch im Street zunächst immer auf den vorderen Plätzen. Auf der ebenen Fläche wurden dann aber die Lines immer häufiger mit ein paar Freestyle-Tricks kombiniert, bis diese dann etwas später auch in der Transition gemacht wurden. Danny Way war da ziemlich weit vorne, was das anbelangt, wenn es darum ging, technische Tricks in der Vert-Rampe zu machen. Das reine Streetskating wurde natürlich sehr stark von Rodney Mullen geprägt, der aus dem Freestlye kam und seine Flips auf die Straße übertrug. Daraus entstand schließlich die eigenständige Disziplin Streetstyle. So kam es dann im Markt zu einer Umstrukturierung, da die Popularität der bis dato bekannten Disziplinen extrem nachgelassen hatte und damit das Interesse an Skateboarding zunächst stark sank. Aus so einem Manko entstehen aber auch Innovationen, wodurch die Szene wieder wachsen konnte. In den 80ern waren wir ja – mit weit über 90 % Marktanteil – noch ziemlich monopolmäßig unterwegs. Was wir Anfang der 90er an Umsatzeinbußen hatten, war quasi der Rückgang des gesamten Marktes. Das zog sich dann von 1989 bis 1992, wo der Umsatz um ein Drittel schrumpfte. Das hat sich natürlich auf die Stimmung ausgewirkt. So kam es auch zu Frustrationen einiger Mitarbeiter. Meine damalige rechte Hand, Jörg Ludewig, und Christian Seewald, den ich im letzten Jahr seines Studiums noch kräftig finanziell unterstützt hatte und der eigentlich in der Firma so etwas wie ein Schnittstellen-Manager werden sollte, haben im Winter 1991 beschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen. Das war schon ein heftiger Schlag, da Jörg ja den kompletten Einkauf leitete und auch viele Kontakte zu den Companies in den USA hatte. Dadurch verlor ich viele Lieferanten – und der Firma ging es zunächst grottenschlecht, da es nicht nur dem gesamten Markt mies ging, sondern ich auch noch das ohnehin kleine Business teilen musste und viele meiner ehemaligen Lieferanten weg waren. Gute Ideen werden natürlich gerne kopiert. So entstand in Wiesbaden eine ähnliche Struktur wie in Münster. Da ich überleben wollte, stellte ich mich zunächst diesem Konkurrenzkampf, wobei die Situation äußerst ungünstig für mich war, da ich mein Lager voll mit altem Stuff hatte und die anderen frische Ware einkaufen konnten. On Top hatte ich einen sehr hohen Kostenapparat inklusive vieler Mitarbeiter. Ich musste auch erst einmal lernen, mit Konkurrenz, die es bis dahin ja gar nicht gab, klarzukommen. Ich habe daraufhin die Firma R.O.U.G.H. mit meinem damaligen Handelsvertreter in Süddeutschland gegründet, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Inzwischen gehört R.O.U.G.H. aber auch nicht mehr zur Familie, da ich meine Anteile verkauft habe. So sind viele Firmen, die es heute gibt, durch mich ins Leben gerufen worden, wodurch es in einigen Bereichen auch zum Mitbewerb kam. Ich brauchte vorher auch gar keine Marketingabteilung und musste mich nicht um PR kümmern, was sich dann aber änderte, da ich das Unternehmen auch nach außen so darstellen wollte, wie es wirklich war. Ich war ja schon immer sehr engagiert und hatte aber auch damit zu kämpfen, dass ich mich um die Förderung der Jugend kümmerte und neben dem Mastership auch zahlreiche Contests, wie die Deutsche Meisterschafts Serie, organisierte. Wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne. So wurde häufig versucht, viele Sachen, die ich bis dahin ins Leben gerufen hatte, negativ darzustellen. Klar, ich habe auch Fehler gemacht. Aber da wurde wirklich viel Müll geschrieben. Ich merkte dann schnell, dass es gar keinen Sinn macht, gegen jemanden zu kämpfen, sondern konzentrierte mich voll und ganz auf mein Unternehmen und durch die Probleme im Großhandel waren das der Einzelhandel und Versandhandel.

Durch die neus Situation gab es ja dann auch zum ersten Mal ein Konkurrenz-Magazin zum Monster.

Wie gesagt, gute Sachen wurden natürlich gerne übernommen, und so kam das „LTD“, das später „Limited“ hieß, auf den Markt. Als Antwort darauf haben wir dann das „TDG Magazine“ herausgebracht. Das passte ganz gut, weil mein damaliger Großhandel „TDG“, also „TITUS DITTMANN GmbH“ hieß. Die erste Ausgabe vom „TDG“ sah auch komplett aus wie das „LTD“, da wir schön provokant das gleiche Cover layouteten. Im Endeffekt haben wir dem „LTD“ da eher mit geholfen, weil das Mag durch diese Aktion bekannter wurde.

Durch den Wandel der Szene, gab`s anfangs ja auch keine eindeutige Richtung. Da existierten dann neben „Titus Skates“ auch noch „RAD“ und später „T-Boards“.

Das war genau wie in den USA. Da entstanden jede Menge neue, kleine radikale Firmen, die sich teilweise auch  unfair gegenüber den älteren Companies verhielten und versuchten, die Großen vom Markt zu drängen. Dieses Beispiel machte Schule und fand dann auch in Europa statt. So wollte Anders Pulpanek, der ja für „Titus Skates“ fuhr, seinen eigenen Brand machen, weshalb wir zusammen „RAD – Ride Anders Design“ ins Leben riefen. Aus „RAD“ wurde dann später „Rad Cross“, bis Anders da irgendwann keinen Bock mehr drauf hatte, um mit „Death Box“ – dem Vorläufer von Flip – einen Deal zu machen. Naja, eine eigene Marke bedeutet schließlich auch, Verantwortung zu übernehmen. Und da ist auch alles nicht immer nur positiv. Da verdient man ja nicht sofort Kohle, sondern das Ganze kostet zunächst eher etwas und beansprucht auch eine Menge Zeit.

Etwas später kam es dann aber auch zu einem ähnlichen Deal mit Jens Schnabel und der Firma T-Boards, richtig?

Stimmt, und ich war super froh, die Sache mit Jens, der damals ja Chefredakteur vom Monster Skateboard Magazin war, zu starten. Das lag auch daran, dass unser Image bei den älter gewordenen Coreskatern aus den 80ern nicht das beste war, was zum Teil daran lag, dass viele dieser Jungs nach der Schule einen Job im Skateboarding suchten und ich natürlich nicht für jeden eine Stelle hatte. Wer dann abgelehnt wurde, fand die Firma „TITUS“ eben scheiße und ich hatte die Arschkarte. Einige Fahrer versuchten, ihre eigenen kleinen Firmen zu gründen – und da war ich zunächst einmal die große böse Konkurrenz. Abgesehen davon hatte ich schon immer das Problem, dass der Name „TITUS“ so eine vielschichtige Bedeutung hat. Nehmen wir als Beispiel einmal Karstadt, die ja als Einzelhandelskette unglaublich bekannt sind. Jeder verbindet den Namen damit, dass man dort fast alles von bekannten Firmen bekommt und dass die Qualität stimmt. Wenn man jetzt aber den Namen Karstadt auf ein Produkt drucken würde, wird sich das bestimmt nicht so einfach verkaufen lassen. Das war bei TITUS auch so, da wir auf der einen Seite Stuff von bekannten Firmen verkauften und andererseits TITUS-Produkte hatten. Heute ist das zum Glück kein Problem, aber damals sah das auf jeden Fall anders aus. Da kam der Name „T-Boards“ zur richtigen Zeit, da so nicht mehr „TITUS“ auf den Sachen stand. Aber durch das „T“ (wie „Titus“) gab es immer noch einen Bezug. T-Boards war dann auch eine richtig erfolgreiche Geschichte, da sich Jens extrem gut um das Team kümmerte und wir mal richtig gute Newcomer dabei hatten. Da erschien dann auch ein saugeiles Video – und das alles brachte uns dann auch wieder ein gutes Image, selbst in der so genannten Coreszene. Ich bin auch immer stolz darauf, wenn Fahrer, die einmal von mir gesponsert wurden, auf internationaler Ebene ihren Weg gehen und TITUS quasi dabei das Sprungbrett war – egal, ob diese Jungs einmal für „TITUS Skates“, „T-Boards“, „RAD“, „TITUS House Brand“ oder das „Team TITUS“, zum Beispiel Lem Villemin, geskatet sind oder von einem der TITUS-Shops gesponsert wurden, wie Alex Mizurov, der ja schon vor Jahren mit Stuff von TITUS-Karlsruhe versorgt wurde.

Es gab aber auch Leute, die nicht aus Deutschland kamen, die es riesig fanden, für TITUS zu fahren.

Klar, Nicky Guerrero aus Dänemark war der Erste, dann Puttis aus Schweden, später Lee Ralph aus Neuseeland – und noch etliche andere, ganz nach dem Motto, dass die Kirschen aus Nachbars Garten besser schmecken als die vor der eigenen Nase. Außerdem wurden da ja auch schon unsere Decks von Vision beziehungsweise später von Santa Cruz produziert, womit wir qualitativ gleichwertig mit den Boards der Ami-Firmen waren. Das hat sich bis heute nicht geändert, was man nicht zuletzt an der neuesten Kooperation mit Bones sieht, die weltweit die besten Rollen herstellen und jetzt original Bones-Wheels für TITUS produzieren.

Ja, super Sache, zumal es wirklich keine besseren Wheels im Markt gibt. TSG kommt ja auch von dir, was bestimmt nicht jeder weiß.

Zunächst gab es ja auch Schoner und Helme mit dem TITUS-Schriftzug, womit wir wieder bei dem Problem mit dem Namen waren. So entschieden wir uns für die Bezeichnung „ TSG“, also „Titus Safety Gear“. Allerdings ist das auch ein verdammt langer Name, wodurch wir intern sowieso schon alle nur noch „TSG“ sagten. Inzwischen wurde „Technical Safety Gear“ daraus, wobei aber nach wie vor jeder von „TSG“ spricht. Das war dann auch eine meiner Firmen, die international sehr bekannt wurde, was nicht nur an der guten Qualität lag, sondern auch daran, dass Tony Hawk für TSG fuhr. Der hat mir sogar nach seinem misslungenen Loop-Versuch, bei dem er senkrecht auf den Kopf knallte, seinen TSG-Helm mit einer kleinen Dankeswidmung „Thanks Titus, you safed my life“ geschickt. Das gute Stück war dann eine Zeit lang Deko im Skaters Palace, bis sich irgendein Arschloch das Teil unter den Nagel riss.

TSG macht ja auch Snowboard-Stuff. Du warst ja einer der Ersten in Deutschland, die im Snowboarding aktiv waren, womit ich auch das Business meine. Wieso hast du da nicht mehr draus gemacht?

Wie das hier nun einmal so ist, landet man schnell in einer Schublade: So steht TITUS für Skateboarding. Man kann das in etwa mit einem erfolgreichen Punk-Rocker vergleichen, der plötzlich in der Oper singen möchte. Der kann noch so gut sein, ihm wird trotzdem niemand die neue Rolle abnehmen. So war das bei mir auch, obwohl ich nie der begnadete aktive Skateboarder war, der auf Contests die dicken Preise abräumt. Das liegt ja auch auf der Hand, denn wenn man sich mit über 30 zum ersten Mal auf ein Skateboard stellt, dann muss jedem klar sein, dass man kein Weltmeister mehr werden kann, weil in dem Alter die Karriere eigentlich vorbei ist. Skateboarding ist nun mal ein Sport, bei dem die meisten mit Mitte 20 bereits wieder abbauen. Im Snowboarding war das nicht so, da ich hier auch von der Leistung in der Relation zum Alter immer sehr gut dabei war. Da habe ich auch mit 39 noch so Sachen wie Frontflips, also Vorwärtssalto in einen Hang, gelernt. 1986 bin ich dann sogar die erste Snowboard WM mitgefahren, was mich natürlich auch weiter gepusht hat. Ich bin viel mehr Contests im Snowboarding als im Skateboarding gefahren bin. Auch im Business war ich da sehr aktiv. So wurde ich zum ersten Importeur von Burton- und Sims-Snowboards in Deutschland. Ich hatte dann auch vor, TITUS-Snowboards weltweit mit einem Schweizer Partner zu vertreiben. Wir stellten dann die Boards auf der ISPO aus, bis Santa Cruz bei mir anklopfte, worauf ich mich dann leider Gottes dazu entschied, TITUS-Snowboards von Santa Cruz produzieren zu lassen. Wir waren dann sogar irgendwann weltweit die zweitgrößte Produktionsfirma für Snowboards, was ja auch nicht so schlecht ist. Ich war da auch bei der Entwicklung sehr aktiv und habe die Pläne für das erste Santa-Cruz-Snowboard gemacht. Das eine war das „Asymmetrical Reverse“, kurz „ASR“, wofür ich mir auch ein Gebrauchsmusterschutz habe patentieren lassen. Vorher gab es schon asymmetrische Raceboards, bei denen das Tail immer so schräg abgeschnitten wurde. Da brauchte jemand, der regular fuhr, ein anderes Board, als einer, der switch auf der Planke stand. Vorne und hinten war also immer fest definiert. Wir haben dann das erste Board entwickelt, das über die Querachse symmetrisch und über die Längsachse asymmetrisch war. Naja, das wird jetzt hier vielleicht etwas zu technisch, aber eigentlich wollte ich auch nur sagen, dass mir das Thema Snowboarding genau wie Skateboarding unheimlich viel Spaß machte, was nicht nur auf das aktive Fahren zutrifft. Im Eventbereich kam so u. a. das Kaunertal-Opening zustande, wo ich anfangs bei der Planung dabei war. Ich habe dann sogar ein eigenes Monster Snowboard Magazin rausgebracht, das später mit dem Backside Snowboard Magazin zusammengelegt wurde. Das hieß dann Monster Backside Snowboard Magazin, bei dem Wolfgang Block anfangs Chefredakteur war. Weil der aber keine Lust hatte, nach Münster zu ziehen, und mir das mit dem Verlag auf Dauer zu viel wurde, gründeten wir schließlich den B&D-Verlag. Unter dem Dach wurde dann auch das Monster BMX Magazin vertrieben, woraus das Freedom BMX Mag entstand.

Du bist dann aber trotzdem, was das Business anbelangt, beim Skateboarding geblieben.

Ja, obwohl da nicht viel gefehlt hat, und ich wäre fast komplett zum Snowboarding gewechselt. Ist ja wohl verständlich, wenn man sich vor Augen hält, wie es im Skateboarding damals aussah und dass ich immer härtere Konkurrenz bekam. Wir konnten vom Skateboarding allein auch gar nicht überleben und es wären sicherlich viele meiner Mitarbeiter auf der Strecke geblieben, wenn ich nicht versucht hätte, über andere Bereiche Kohle ins Haus zu holen. Allerdings fand schon damals im Snowboarding eine Entwicklung statt, die es im Skateboarding erst seit den letzten Jahren gibt, nämlich dass große Konzerne mal eben schnell die kleinen Core-Firmen aufkauften. Ich wusste, dass ich als kleiner Mittelständler mit Firmen wie Völkl, K2 und Salomon nicht mithalten würde. Burton hatte als einzige Firma eine Größenordung, wo sie das schaffen konnten. So entschied ich mich schließlich, meine Anteile im Snowboarding zu verkaufen, um meine ganze Energie ins Skateboarding zu stecken.

Da war auf jeden Fall viel Bewegung im Spiel, bis sich Mitte der 90er Skateboarding endlich wieder erholte. Wie das ablief, steht in Teil 5 im nächsten Magalog.

TITUS - 30 Jahre Skateboarding

Teil 5

1994–1999

Interview: Maik Giersch
Fotos: Titus Privatarchiv, Helge Tscharn, Ludger Aundrup, Archiv Thomas Kalak

Im Skatebusiness geht es ungefähr genau so ab, wie in der Vertrampe. Mit etwas Übung fliegt man schön hoch in die Luft und fällt kurz danach ziemlich tief, bis man aufgefangen wird, um dann etwas später das Gleiche noch einmal zu probieren. Besonders Mitte bis Ende der Neunziger gab es im Skateboarding viele Höhen und Tiefen und Titus saß nicht nur mitten drin, sondern hat auch wieder einmal viel bewegt. Wie er diese turbulente Zeit erlebt hat, erfahrt ihr in folgendem Gespräch.

Moin Titus, 1994 hat zum ersten Mal die x-tra-sport-Messe in Bochum stattgefunden, woran du ja maßgeblich beteiligt warst.

Klar, wenn man so will, war ich der einzige Initiator. Ich wollte einfach alle Sportarten über Skateboarding hinaus, die zu dieser Szene passten und glaubwürdig waren, in einer großen Veranstaltung zusammenführen, um etwas über den Tellerrand des Skateboardings zu gucken. Da gab’s dann neben Skateboarding auch Sportarten wie BMX, Snowboarding, inklusive einer Snowboardrampe mit Kunststoffmatten, Mountainbike, Wellenreiten, FMX und Inlineskating. Wobei man zu Inline sagen muss, dass das anfangs auch eine ganz andere Szene war, als das, was später daraus wurde. Ein weiterer Grund dafür, dass wir eine eigene Messe auf die Beine stellen wollten, war der, dass wir früher immer einen Stand auf der Boot-Messe in Düsseldorf hatten, bis uns das dann verboten wurde, weil Skateboarding nun mal keine Wassersportart ist und der Skateboardanteil auf der Boot im Laufe der Jahre immer größer wurde. Wir hatten dann also dort schließlich Hausverbot und ich habe mir Gedanken über eine Alternative gemacht. Eine reine Verkaufsmesse hätte sich damals aber nicht wirklich gelohnt, weil es viel zu wenig Firmen gab. Also organisierten wir kurzerhand einen Mix aus Verkaufs- und Eventmesse, was dann ja auch sehr gut lief. Sogar so gut, dass wir später von der YOU kopiert wurden. Die x-tra sport war damals in allen Medien vertreten und alles, was in der Branche Rang und Namen hatte, war dort. Es wurden dort sogar komplette Marktanalysen vom Modeproduzenten gemacht, von wegen, wie viel Prozent der Besucher ihre Beanies und Caps verkehrt rum trugen usw. Mit dieser Messe deckten wir nicht nur Skateboarding, sondern den kompletten Street-Wear-Markt ab. Irgendwann kamen Leute von großen Agenturen auf mich zu, um die Messe zu einem Projekt auszubauen, das in ganz Deutschland stattfinden sollte. Damals war ich noch so ein bisschen auf dem Hardcore-Trip und dachte, man kann sich nur auf die Skateboardszene konzentrieren und alle anderen außen vor lassen, und habe arroganterweise alles und jeden abgeblockt, der keine Ahnung von Skateboarding hatte. Die Folge davon war allerdings, dass wir es nicht schafften, die x-tra sport zu kommerzialisieren, so dass sich das ganz auch finanziell trägt. Also organisierten die Leute, die zuvor an mich herangetreten waren, schließlich die YOU. Das ist dann wieder einmal ein Beispiel dafür, wie weit wir unserer Zeit voraus waren und dass es aus wirtschaftlicher Sicht im Laufe der Jahre bestimmt einige Fehlentscheidungen gab. Andererseits zeigt das aber auch, wie glaubwürdig wir immer waren, wenn es um Skateboarding ging, um die Szene nicht zu verwässern. Als es dann aber anfing, im Markt zu kriseln, und uns die Kohle ausging, mussten wir schließlich die x-tra sport fallen lassen. Es gab dann noch einen Versuch mit der Halle Münsterland, die an der Messe interessiert war, an die wir schließlich den Namen übertragen haben. Die organisierten dann zwei oder drei Jahre die x-tra sport in Münster. Sie war nicht ganz so authentisch wie die Messe in der Jahrhundert-Halle, aber immerhin dem Ursprung sehr nahe kam.

Ok, du hast dich dann also wieder mehr auf den Einzelhandel konzentriert, wobei 1994 ja auch dein erster Farbkatalog in den Druck ging.

Stimmt, zunächst gab es noch keinen Magalog und auch der reine Katalog war anfangs noch ziemlich dünn. Internet war ja auch noch nicht so verbreitet und so lag der Katalog auch nur im TITUS-Shop aus, damit die Leute auch Sachen ordern konnten, die es im Laden grade nicht gab. Da wir sehr engagiert waren, kannten uns natürlich viele. Und so kam es häufig vor, dass Leute von außerhalb im Shop anriefen, um nachzufragen, ob wir ihnen nicht dies oder jenes schicken könnten. Wir haben dadurch immer mehr Know-how im Versandbereich bekommen. So entwickelte sich das Ganze schließlich. Das war natürlich praktisch für Leute von außerhalb, die es nur ein- bis zweimal im Jahr nach Münster schafften und so trotzdem an ihren Stuff kamen.

Hattest Du da schon das Gefühl, dass sich der Versandhandel einmal dermaßen entwickeln würde?

Das war mir, ehrlich gesagt, scheißegal, da ich ja auch nicht der typische Unternehmer bin, der sich irgendwelche Ziele setzt, die er unbedingt erreichen will. Klar, heute muss ich das teilweise machen, allein schon, um Arbeitsplätze zu erhalten. Aber damals habe ich eher alles so genommen, wie es kam – und habe die meiste Kohle auch wieder direkt in die Szene gesteckt.

Da ging ja auch eine ordentliche Summe in den Mastership, der 1995 mit Leuten wie Rowley, Jamie Thomas, Penny, Templeton, Senn und Co. mal richtig dick war.

Klar, da habe ich aber auch gerne Geld reingesteckt, auch wenn das jedes Jahr sechsstellige Summen waren.

1996 kam dann aber doch der berühmte Boykott, was ja für einiges Aufsehen sorgte.

Aus welchem Grund auch immer. Für mich kam das sehr überraschend. Es war eine Sache der Kommunikation mit den Pros. Wir haben uns immer den Arsch aufgerissen. Aber die Amis sagen einem ja auch nicht unbedingt ins Gesicht, wenn sie unzufrieden sind. Wenn die jedes Jahr superfreundlich sind, meint man, dass sich alle wohl fühlen und die Welt in Ordnung ist. Wenn dann plötzlich so etwas passiert ist das schon überraschend. Vielleicht habe ich mich da auch etwas ungeschickt verhalten. Auch wenn man sagt, dass die Amis keinen Sozialneid haben, war das bestimmt ein Auslöser. Ich war damals so begeistert von meinem Auto und – egal, womit ich das gekauft habe – es wurde von den Amis so aufgefasst, dass ich ein dickes Auto fahre und sie die Rampen vom letzten Jahr skaten sollen. Das kann dann schnell in ein richtig beschissenes Gefühl überschlagen und unkontrollierte Formen annehmen. Im Nachhinein wird das zum Glück auch von den Amis heute anders gesehen und jeder spricht positiv darüber, wie wir den Ball aufgenommen haben und dann unsere Hausaufgaben machten, um ein Jahr später wieder ein richtig gutes Event auf die Beine zu stellen. Das Ganze wäre nie passiert, wenn vorher offen kommuniziert worden wäre.

Wie sieht es denn mastershipmäßig zurzeit aus?

Natürlich möchten wir den Contest wieder aufleben lassen, wobei das aber nach wie vor schwierig ist. Ohne externe Sponsoren, keine Chance! Und wir müssen auch erst einmal sehen, dass hier in der Firma wieder alles rund läuft. Leute von außen sehen oft nur die vielen Besucher und denken, dass wir mit dem Mastership sogar verdienen. Man muss aber berücksichtigen, dass die Miete der Halle, die Orga, Preisgelder usw. verdammt viel kosten, und wenn dann noch das Finanzamt kommt und Steuern von den Preisgeldern der Amis Pros kassiert, zahlt man am Ende drauf. Sonst hätte wohl auch jeder einen Mastership gemacht.

Was dann ja auch teilweise in einigen Nachbarländern, wie Frankreich oder England, versucht wurde. War diese Entwicklung eher positiv oder negativ?

Insgesamt eher positiv, denn je mehr Leute sich für Skateboarding den Arsch aufreißen, umso besser. Im Speziellen für den Mastership war es nicht unbedingt ein Vorteil, weil die Pros logischerweise nicht bei allen Events in Europa dabei sein konnten. Und so war es schwieriger, weiterhin Top-Pros nach Deutschland zu holen. Abgesehen davon, freut sich der Mensch ja immer über etwas Neues und hat das Bedürfnis nach Veränderungen. Als Vorreiter hat man einen Wettbewerbsvorteil. Aber es gibt auch viele Trittbrettfahrer, und so profitieren von der ganzen Arbeit und den Investitionen auch andere. Wenn man dabei aber die ganze Szene sieht, ist das auch ok. Dann habe ich halt etwas Gutes für die Entwicklung des Skateboarding in Europa getan.

Für deinen Großhandel war’s ja auch nicht so schlecht, dass innerhalb Europas mehr passierte. Schließlich warst du ja von etlichen Firmen Alleinimporteur. Unter anderem gehörte Airwalk dazu, was ja damals eine unglaublich große Nummer war. Wieso ging das so schnell den Bach runter?

Naja, es gab eigentlich immer so Phasen mit Firmen, die ein paar Jahre sehr dominant waren. Bei uns ging das in ganz kleinem Rahmen Ende der 70er, Anfang der 80er mit Nike los. Danach kam Vans, die wir in Deutschland richtig groß gemacht haben. Allerdings wollten Vans dann irgendwann in den Mainstream-Markt, worauf die Quittung kam und Vans in die Insolvenz ging. Wir haben nach einer Alternative gesucht und übernahmen schließlich Airwalk und Vision Street Wear für Deutschland. Airwalk hatte damals ein hammer Team und war sehr schnell die Nummer Eins im Shoebusiness. Aber wie das mit solchen Sachen ist: Die in kürzester Zeit einen enormen Höhenflug hinlegen, fallen oft ganz schnell in den Abgrund. Heute sieht man Airwalk zwar hier und da noch, aber das war es dann auch.

1998 kam Powell mit der Idee um die Ecke, Decks mit einer Mini-Grafik kostengünstig auf den Markt zu bringen, was dann ja zum Teil bei „TITUS House Brand“ auch der Fall war. George Powell macht bekanntlich alles sehr gründlich und ist in vielen Dingen seiner Zeit voraus. Wahrscheinlich verstehe ich mich deshalb so gut mit ihm. Er wollte ganz einfach Boards für Europa günstiger produzieren und die enormen Frachtkosten rausnehmen, indem er Decks in England pressen ließ. Obwohl die dann in London quasi den gleichen Woodshop aufbauten, fehlte den Leuten dort das Know-how. Deshalb war die Qualität nicht ganz so gut, wie von den Decks aus den USA. Ich muss gestehen, dass ich damals auch nur die Decks aus Kalifornien kaufte. Hinzu kam die Angst der einzelnen Importeure, dass jemand sich ganz Europa unter den Nagel reißen könnte. Heute ist alles anders. Die Amis lassen in China produzieren und in Europa stehen auch etliche Woodshops. Qualitative Unterschiede kann man schon längst nicht mehr daran festmachen, wo die Decks herkommen. Die gleiche Entwicklung gab es auch bei den Klamotten, wo die großen Firmen heute auch direkt Firmensitze in Europa haben.

Wie haben deiner Meinung nach die kostengünstigeren Decks den Markt denn beeinflusst.

Also zunächst einmal möchte ich an dieser Stelle loswerden, dass der Begriff „Mini-Logo“ auf meinem Mist gewachsen ist. Ursprünglich sollten diese Decks nämlich „Plane“, was ja wie „Plaine“ ausgesprochen wird, heißen. Diese Wortspielerei war allerdings zu nahe am Blank-Business, was zur Verwirrung geführt hätte. So kam ich auf „Mini-Logo“, was George Powell offensichtlich gut gefiel, so dass er den Begriff übernahm. Zu der Zeit machten ja immer mehr No-Name-Firmen mit Blanks das Business kaputt – die Problematik ist bekannt –, da so keine Teams, Skateboardvideos, Contests, Touren, Skatemags usw. finanziert werden können. Um gegen die Blanks vorzugehen, hat Powell Decks mit einem kleinen Logo produziert, um diese kostengünstig anbieten zu können. Natürlich floss ein Teil der Kohle aus dem Verkauf wieder in das Team von Powell. Diese Idee fand ich super gut und wir hatten ja eine ähnliche Struktur mit dem TITUS-Team inklusive Signature-Decks. Es ist immer besser für die Szene, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, bevor irgendwelche Nicht-Skateboarder aus dem Mainstream-Bereich den Markt abschöpfen.

Bei „Mainstream“ fallen mir die „ISPO-Summer Games 1999“ ein, wo Skateboarding ja auch mal ein großes Thema war.

Nach dem Versuch der x-tra sport habe ich eigentlich immer von einer Händler-Messe geträumt, wobei der Markt anfangs ganz einfach zu klein dafür war. Die ISPO war ja schon von Anfang an eine große Nummer und wir hatten dort auch regelmäßig unsere Skateboardstände, was zunächst noch belächelt wurde, bis sämtliche Mitbewerber nach und nach mitzogen. Die ISPO hat dann sehr clever darauf reagiert. Es gab schließlich eine komplette Skateboard-Halle. Das Problem war dann nur, dass das Ganze so mutierte, dass dort immer mehr Firmen, die gar nicht aus dem Skateboarding kamen, plötzlich versuchten, mit Skateboarding Geld zu verdienen. Das hatte dann nicht mehr viel mit der Szene zu tun. Diese Stimmung hat schließlich zur heutigen Bright in Frankfurt geführt.

Ok, kommen wir auf einen weiteren wichtigen Punkt der TITUS-Historie: 1998 ging der erste „Magalog“ in den Druck, was ein komplett neues Printmedium war, zumal es diese Kombination vorher noch nicht gab.

Das Monster Skateboard Magazine war ja unser Magazin. Und einen TITUS-Mailorder-Katalog gab es auch. Darüber hinaus machten wir noch das TDG-Magazine „The Daily Grind“ und hatten somit die besten Voraussetzungen für diese Kombi. Ich habe mich auch lange damit beschäftigt, was für die Leute wohl interessanter ist – ein schöner Katalog oder ein Magazin? Um das zu testen, habe ich immer, wenn ich Skateboarder getroffen habe, einfach ein paar Kataloge und ein paar Magazine hingelegt, um zu sehen, was die Leute wohl als Erstes lesen würden. Irgendwie konnte ich da aber kein System erkennen, bis mir auffiel, dass Skateboarder, wenn sie in einer Gruppe waren, zuerst das Magazin checkten, weil natürlich keiner als Kommerzhai gesehen werden möchte. Wenn die alleine waren, haben die meisten zuerst im Katalog geblättert, um zu sehen, was es für neuen Stuff gibt. Der Katalog mit einem redaktionellen Teil war die ideale Lösung. Da sah auch gleich jeder, dass wir nicht nur Skatestuff verkaufen, sondern auch Ahnung davon haben und was für die Szene tun. Das Ding war also ein Magazin und Katalog und hieß demnach „Magalog“, weil sich „Katazin“ scheiße anhört. Ich habe mir den Begriff „Magalog“ dann auch beim Patentamt als Marke schützen lassen. Inzwischen hat sich das Wort sogar so stark durchgesetzt, dass „Magalog“ im Duden steht. Den „Magalog“ gab es anfangs über einige Jahre auch am Kiosk.

Mit dem Magalog wuchs auch das Internet, was einen ganz neuen Kanal eröffnete. Eher Fluch oder Segen?

Klar, gibt es immer zwei Seiten. Wir konnten so natürlich viel mehr Leute erreichen, aber das galt ja auch für die Mitbewerber. Hinzu kommt noch, dass eine Internetsite viel günstiger zu erstellen ist, als einen aufwändigen Magalog zu drucken. Wir hatten allerdings den Vorteil, dass wir ja schon ein paar Jahre im Business waren und Ideen schnell umsetzen konnten. Ende der 90er waren wir bestimmt das größte Skateboard-Unternehmen weltweit, bei dem alle Bereiche wie Medien, Event, Einzelhandel, Großhandel und Versandhandel vereint waren.

Da hat sich ab 1999 ja auch wieder einiges getan, worüber wir dann in der nächsten Ausgabe ausführlich sprechen.

TITUS - 30 Jahre Skateboarding

Teil 6

2000-2004

Interview: Maik Giersch
Fotos: Titus Privatarchiv, Helge Tscharn, Ludger Aundrup, Archiv Thomas Kalak

Auf in die nächste Runde! Obwohl Skateboarding seit Mitte der 90er stetig wächst, wird das, was am Ende des Tages für die einzelnen Firmen übrig bleibt, immer weniger. Besonders kleinere Privatfirmen haben es in dieser Zeit schwer, sich gegen die zahlreiche Konkurrenz zu behaupten. Wie es Titus trotz einiger Tiefschläge geschafft hat, im Ring zu bleiben, erzählt er uns auf den folgenden Seiten.

2000 war für dich privat nicht das beste Jahr, da du ja zu Beginn einen heftigen Autounfall hattest.

Ach, scheiße, das hab ich schon wieder komplett verdrängt. Skateboarder werden das bestimmt gut nachvollziehen können, denn wenn wieder alles verheilt ist, dann hat man so was schon wieder schnell vergessen. Aber wenn ich mich da jetzt rein versetze, dann war das schon ein heftiges Ding. Ist aber, glaube ich, auch ganz gut, wenn man da einen Schlussstrich zieht. Du spielst wohl auf den Autounfall während des Rennens in Holland an: Ich war einsam führend an der ersten Stelle, hätte das Rennen locker im Sack gehabt. Aber man will ja auch keinen Meter verlieren, und da Öl auf der Strecke war und vor mir plötzlich jemand in meine Ausweichrichtung abdriftete, musste ich mit 200 km/h auf den Rasen ausweichen. Dennoch kollidierten wir: Er riss mir fast die komplette Seite des Autos auf und der Kotflügel und andere Teile flogen durch mein Auto rein und wieder raus. Ich hatte mir meinen kompletten Unterarm gebrochen, was ich aber erst merkte, als ich versuchte, aus meinem Auto auszusteigen. Durch den Schock spürt man ja erst keinen Schmerz. Aber als ich den dann da so runterbaumeln sah, hab ich geschrieen wie am Spieß, weil es ja doch einfach sehr heftig aussah. Irgendwann kam dann der Krankenwagen und hat mich Häufchen Elend ins Krankenhaus gebracht. Da hatte ich zwar zwei süße Krankenschwestern, aber die Ärzte schienen mir nicht so kompetent, da die Brüche - ich kann ja durch meine zahlreichen Verletzungen schon ganz gut Röntgenbilder lesen - auch kompliziert aussahen. Also bin ich dann im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Krankenhaus geflüchtet. Zum Glück war Ulli Giersing (jetzt TITUS Bocholt) da, der mich dann in meinem Kombi in die Uniklinik nach Münster gefahren hat. Insgesamt hat das dann - vom Unfall bis zur OP - ganze acht Stunden gedauert. Dabei hat sich das natürlich alles auch noch entzündet. So wurde es eine Woche nach der OP nicht besser mit dem Arm, sondern schlimmer, so dass sie ihn spalten mussten, um ihn überhaupt noch zu retten. Aber wie das bei Skateboardern und Sportlern so ist: Man möchte nicht lange flach liegen und ist dann doch schnell dabei, wieder zu versuchen, weiterzumachen. Natürlich muss so was im Rahmen bleiben. Aber am Ende ist auf jeden Fall alles gut geworden.

Hat dich das dann für die Zukunft eher nachdenklicher gestimmt?

Eigentlich nicht. Ich hab da eher so meine eigene Theorie: Bei allen möglichen alltäglichen Dingen kann dir etwas passieren. Daher muss man einfach damit leben und am besten locker damit umgehen. Das Leben ist nun mal lebensgefährlich. Und dessen muss man sich bewusst sein. Und für mich gilt, dass man sich sooft wie möglich in kontrollierbare Grenzbereiche begeben sollte, um dadurch Erfahrungen zu sammeln, denn dann ist man später in solchen Situationen besser vorbereitet. In der Kindererziehung ist es ja dasselbe: Wenn man ein Kind von allen Gefahren fernhält, dann geht es irgendwann doch dran, und bum, haste das Problem. Aber wenn das Kind selbst seine Erfahrungen macht, solange es natürlich nicht in einen lebensgefährlichen Risikobereich geht, dann lernt es dadurch viel mehr, als wenn man es überbeschützt. Und dieser Prozess geht, glaube ich, im Erwachsenenleben genauso weiter. Und ich fahre jetzt seit 20 Jahren Autorennen und bisher ist glücklicherweise erst einmal etwas passiert, was jetzt auch schon wieder acht Jahre zurückliegt.

Wo wir schon mal beim Thema sind: 2000 hat sich ja ein Skateboarder namens Tony Hawk ziemlich lang gemacht und darauf hin seinen Helm an dich verschenkt.

Das war ein sehr emotionales und geiles Erinnerungsstück, dass Tony Hawk nach seinem Versuch, den ersten Looping überhaupt zu fahren, auf die Schnauze fällt und uns dann seinen Helm vermacht, der ja von TSG (damals TITUS Safety Gear) gesponsert war, komplett mit allen Kratzern und einem "Thanks Titus, you saved my life" … Voller Stolz habe ich das im Skaters Palace ausgestellt - und irgendein Vollidiot hat den dann geklaut! Das ist immer noch eine Sache, die mich unglaublich ärgert. Ich hoffe, dass derjenige wenigstens weiß, was er da geklaut hat. Mein Museum wurde dadurch um eines der wesentlichen Stücke ärmer, aber wenigstens hab ich es in meinen Erinnerungen.

2000 wurde auch im Eventbereich ein riesiger Schritt getan: Die Expo in Hannover stand an.

2000 war geschäftlich überhaupt ein überaus erfolgreiches Jahr, um nicht sogar fast vom Höhepunkt zu sprechen, wobei man natürlich auch das 30ste Jubiläum nicht vergessen darf. Aber zurück zur Expo: Es war ein Prestige-Projekt, denn wir haben immerhin gegen unzählige Agenturen aus Deutschland den Zuschlag erhalten, da die jemanden gesucht haben, der eine Funsporthalle konzipieren und umsetzen konnte. Und da hatten wir die Argumente, denn wir wussten und wissen, wie so etwas wirklich auszusehen hat: So, dass nicht die Erwachsenen so was schön anzusehen finden, sondern die Jugend das Ding auch fahren kann, egal ob Skateboarder oder BMXer. Es war im Endeffekt die bestbesuchte Halle der Expo, wofür wir auch noch ausgezeichnet wurden.

Es gab in den nachfolgenden Jahren einige Sachen, die im Ansatz gut waren, dann aber leider vom Erdboden verschwunden sind, u. a. Proccess von Anders Tellen, mit Tobi Hunger, Nowak und Dietrich, der ja seines Zeichens heute für TITUS fährt. Was lief da schief?

Wir hatten eigentlich immer viele und auch wirklich geile Ideen, von denen auch so einige umgesetzt wurden. Aber die Zeiten und der Markt ändern sich und auch damals war es schon nicht mehr so einfach, Dinge umzusetzen. Ende der 80er oder Mitte der 90er wäre so was eingeschlagen, aber mit Wettbewerb und Händlerkonkurrenz wurde es zunehmend schwieriger. Und dann kommt noch hinzu, dass nicht jeder zum Geschäftsmann gemacht ist. Man kann eben auch nicht alles können. Ich möchte da auch niemandem zu Nahe treten, denn jeder hat sein Bestes gegeben. Aber eine Marke aufzubauen, kostet Geld und richtig Zeit - und diese Zeit hatten wir bei Proccess einfach nicht. Und obwohl die Marke ein sehr geiles Image nach draußen hatte, mussten wir in beiderseitigem Einverständnis den Brand auflösen. Aber ein Geschäft kann eben nur bestehen, wenn es auch wirklich ein Geschäft ist.

Noch so ein Ding waren ja die Hamburger Skateboard-Tage. Im Prinzip auch eine gute Idee, aber …

Das auf jeden Fall! Aber ich erinnere mich ganz ungern daran, da die Ignoranz in manchen Ecken der Szene extrem groß war. Ich bin ein Typ, der, wenn es Diskrepanzen oder Diskussionsbedarf gibt, sich dem gerne stellt. Und eigentlich hatten wir die Hamburger Skateboard-Tage demonstrativ für die Hamburger Szene gemacht, die TITUS damals sehr kritisch gegenüberstand. Wir wollten zeigen, dass wir für das Skateboarden stehen. Was dann da abgegangen ist, war recht unqualifiziert, denn viele wollten ihre Vorurteile einfach aufrechterhalten. Aber auch ein Matt Grabowski ist heute ruhiger geworden und hat gemerkt, dass ich nicht der Teufel in Person bin, sondern immer für und hinter der Szene stand. Aber nach solch einer langen Zeit und zum jetzigen Zeitpunkt muss wohl auch die Szene sehen, dass sie von mir mehr zurückbekommen hat als von vielen anderen Großhändlern. Und auch wenn es damals nicht gut lief, im Endeffekt hatte das alles doch einen guten Effekt und lässt sich als positiv verzeichnen.

2003 war dann aber auch das 25ste Jubiläum, inklusiver riesiger Party im Palace, zusammen mit Steve Caballero und weiteren bekannten Leuten. Wie war für dich, dieser Zuspruch aus der Szene?

Ich habe zu diesem Zeitpunkt bereits den wirtschaftlichen Druck gespürt und wir hatten schon massive Probleme, die nach draußen aber natürlich nicht so stark kommuniziert wurden. Für mich war es eine gespaltene Zeit, denn auf der einen Seite erntet man die Lorbeeren für 25 Jahre Arbeit, auf der anderen Seite hatte man das Bewusstsein, dass es Probleme gab, die man lösen musste. Im Endeffekt waren es einige Faktoren, die dazu führten. Zum Teil war es diese Ego-Sache, dass ich an die Börse wollte, aber auch nicht wirklich hundertprozentig dahinter stand. Jürgen Wolf und Wolfgang Block, beide ehemalige Partner von mir, hatten dann gemeinsam mit einem Investor den Plan, an die Börse zu gehen, was im Endeffekt seit 25 Jahren meine Idee war. Also dachte ich mir, lieber tot als Zweiter - und Ersteres hat ja dann auch fast geklappt. Aber ich wollte mich da nicht überholen lassen. Auch wenn ich immer das Prädikat "Familienunternehmen" hochgehalten habe, so habe auch ich mir Investoren gesucht. Dieser Börsengang ist kräftig in die Hose gegangen und so war die Not dann groß. Wer schon einmal Dallas, Denver Clan oder Ähnliches gesehen hat und das dann mit zehn multipliziert, der kann sich vorstellen, was in Münster abgegangen ist. Die Firma war am Boden zerstört und es hat einiges an Kraft gebraucht, sie wieder aufzubauen. Aber jetzt sind wir wieder da.

War das auch ein Grund dafür, dass der Mastership zum letzten Mal im Jahre 2004 in Dortmund stattgefunden hat und 2005 dann für die letzte Ausgabe wieder nach Münster gezogen ist?

2003/2004 waren noch genügend Sponsorengelder da, und wenn auch mal ein Sponsor abgesprungen ist, so konnten wir das Geld ausgleichen. Das Ganze ändert sich natürlich, wenn kein Geld mehr da ist. Hinzu kam dann die Fußballweltmeisterschaft 2006, so dass wir in dem Jahr keine Sponsoren für den Mastership auftreiben konnten. Daher mussten wir ihn ausfallen lassen. Der Schritt nach Münster zurück vollzog sich ja von 2004 auf 2005 einfach aus dem Grund, weil wir Kosten sparen wollten, und auch der Wettbewerb mit anderen Contests ließ Besucher schwinden. Auf jeden Fall musste die Pause leider sein. Jetzt schauen wir mal, ob wir nicht für 2009 wieder den Mastership reanimieren können. Aber machen wir uns nichts vor: Ohne Sponsoren geht nichts und um die 1,2 Millionen Euro kostet so was nun mal auch. Es ist und bleibt eine riskante Sache.

Wie stehst du denn zu solchen Preisgeldern wie 100.000 US-Dollar für den ersten Platz im Street und 75.000 US-Dollar für den ersten Platz Vert, wie sie beim Maloof Money Cup in Kalifornien ausgezahlt wurden?

Ich bin da ziemlich gespalten, was das anbelangt. An sich ist es natürlich schon geil, wenn man als Skateboarder die Kohle abstauben kann, die in anderen professionellen Sportbereichen auch möglich ist. Warum dann nicht also im Skateboarden? Auf der anderen Seite trifft es ja leider immer nur Wenige, die die dicke Kohle machen. Deswegen kann man ja nicht sagen, dass es der ganzen Szene zuträglich ist, wenn solche Preisgelder ausgeschüttet werden. Ich bin mehr dafür, solche Gelder zu streuen und der Szene anders zur Verfügung zu stellen. Die Frage ist ja, ob man Leuten, die sich auch noch wie Ozzy Osbourne über eigene TV-Formate vermarkten, so viel Geld zuschießen sollte. Ich verurteile das nicht, aber als jemand, der die Szene mit aufgebaut hat, sieht man das eben etwas anders. Außerdem erschwert das auch den kleineren Contests das Leben. Je höher die Preisgelder desto weniger kann direkt aus der Szene etwas organisiert werden, und so kommen immer Szene-Fremde hinein, um solche Dinge zu realisieren. Bestes Beispiel: die X-Games. Es ist schon etwas zwiespältig, denn auf der einen Seite will keiner von denen bevormundet werden, auf der anderen Seite lassen sie sich alle kaufen. Und es ist schade, dass wir aus finanziellen Gründen den weltweit wichtigsten Contest kippen mussten. Und deswegen arbeiten wir daran, diesen Contest von Skateboardern für Skateboarder wieder zu beleben. Ich glaube einfach, dass der Einfluss großer Konzerne und zu hoher Preisgelder dazu führt, dass real skateboarding in den Hintergrund rückt und die Show für die breite Masse wichtiger wird. Und auch wenn immer etwas dafür und dagegen spricht: Der Spirit wird verloren gehen.

TITUS - 30 Jahre Skateboarding

Teil 7

2004-2008

Interview: Maik Giersch
Fotos: Titus Privatarchiv, Helge Tscharn, Ludger Aundrup, Archiv Thomas Kalak

Obwohl sich bereits Anfang des neuen Jahrhunderts eine Krise anbahnt, rechnen eigentlich alle damit, dass sich der angeschlagene Markt bald erholen wird. Doch erstens kommt es schlimmer und zweitens als man denkt und so musste Titus in 2005 und 2006 businessmäßig absolut alles geben, um die Firma am Leben zu erhalten. Wie er das geschafft hat und wie er die heutige Situation sieht, verrät er im folgenden, vorerst letzten Teil seines Interviews.

Moin, Titus.

Moin, sehe gerade auf meinem Laptop, dass Helge Tscharn (Ex-Fotograf Monster Skateboard Magazin) heute Geburtstag hat. Muss ihm nachher unbedingt gratulieren. Egal, worum geht's?

Um den letzten Teil deines Interviews für den Magalog. Stehen geblieben waren wir bei dem Mastership, der ja 2005 vorerst zum letzten Mal in der Halle Münsterland stattfand. Wie beurteilst du die generelle Situation in Bezug auf Contests? Haben die Leute keinen Bock mehr darauf oder woran liegt es, dass es immer weniger große Events gibt?

In erster Linie liegt es natürlich an den Kosten, die im Laufe der Jahre enorm gestiegen sind. Früher war das ja alles noch undergroundmäßig. Da freuten sich die Fahrer teilweise schon, wenn man die Kosten für ihren Flug übernommen hat. Inzwischen werden die richtig großen Contests von Firmen finanziert, die nicht aus dem Skateboarding kommen und die ein viel größeres Budget haben. Dadurch sind natürlich auch die Preisgelder höher und die Obstacles viel besser, was wiederum den Fahrern zugute kommt. Ich will das auch nicht verurteilen. Aber dann ist es natürlich sehr schwer, Top-Pros für eine kleinere Veranstaltung zu begeistern. Ich denke aber schon, dass das Interesse des Publikums nach wie vor vorhanden ist. Wie überall im Leben findet auch hier eine Wellenbewegung statt. Das heißt, wenn etwas zunächst ganz klein ist und sehr schnell zu etwas ganz Großem heranwächst, kann es passieren, dass es plötzlich für die Leute uninteressant wird. Das hat man bei vielen Firmen gesehen, die mega gehyped wurden und anschließend plötzlich komplett out sind. Zum Teil trifft das auch auf Contests zu. Da der Mastership so erfolgreich war, gab es natürlich viele Nachahmer. Inzwischen gibt es - abgesehen von den T-Mobile Extreme Playgrounds in Berlin, keinen Skatebordevent in dieser Größenordnung in Deutschland, was natürlich für ein Aufleben des Masterships wieder positiv sein könnte. Den Sponsoren geht es auch schon lange nicht mehr um die Besucherzahlen vor Ort, sondern eher um das Coverage, zum Beispiel wie viele Minuten ihr Logo am Ende im TV zu sehen ist. In Bezug auf den Mastership müssen wir sehen, was die Zeit bringt. Aber, wie gesagt, ist das Ganze ohne einen externen Sponsor gar nicht finanzierbar.

Stichwort Fernsehen: Es gab 2004 und 2005 ja auch TITUS-TV auf MTV.

Worüber ich nach wie vor sehr glücklich bin. Schließlich waren wir die Ersten, die es geschafft hatten, eine Sendung ins Fernsehen zu bringen, die nicht nur 100 Prozent Skateboarding zeigte, sondern abgesehen davon auch meinen Namen trug. Das ist insofern einzigartig, weil es ja auch TITUS-Produkte gibt und es eigentlich aus rein rechtlichen Gründen keine Sendung geben darf, die nach einem Produkt benannt wird. Bei Medien sieht das schon wieder ganz anders aus. Da gibt es zum Beispiel Stern-TV und Spiegel-TV, aber es gibt weder Nike- noch Adidas-TV. Zum Glück existieren auch noch Printmedien mit dem Namen TITUS. So konnten die Folgen auch unter dem Titel TITUS-TV laufen. Die Sache war ja auch sehr erfolgreich, mit vielen international und national bekannten Fahrern. Naja, irgendwann haben wir uns dann in aller Freundschaft von MTV getrennt, da wir mit der sich anbahnenden Entwicklung nicht ganz einverstanden waren. Wir wollten weiterhin glaubwürdig Skateboard zeigen und nicht mit Klamauk-Sendungen, wie "Viva La Bam" oder "Jackass", in eine Schublade gesteckt werden. Ich denke, das war die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt. Schließlich ist heute MTV mit all den Dating-Shows und Klingeltonwerbungen schon lange nicht mehr das, was es einmal war. Außerdem hat das Fernsehen im Allgemeinen nicht mehr den Stellenwert, wie das vor einigen Jahren der Fall war. Heute steht das Internet an erster Stelle und immer mehr Leute ziehen sich lieber Filmchen aus dem Netz, bevor sie den Fernseher einschalten. Wir haben darauf natürlich reagiert und sind, wie ich denke, auf dem richtigen Weg.

Denke ich auch. Mal abgesehen vom Erfolg im Fernsehen lief es 2005 aus wirtschaftlicher Sicht eher bescheiden.

"Beschissen" ist das richtige Wort! Die Umsätze waren komplett im Keller. Da die Firma in den Jahren zuvor stark gewachsen war und so auch der damit verbundene Kostenapparat, konnten wir die laufenden Kosten nicht mehr decken. Dadurch hatten wir dann schließlich Investoren im Boot, die allerdings absolut keine Ahnung vom Skateboarding hatten. Die Lage wurde immer dramatischer. Brigitta und ich sind dann volles Risiko gegangen und haben sowohl unser Haus als auch unsere Lebensversicherung der Bank übertragen, um endlich wieder das Ruder in die Hand zu nehmen. Parallel haben wir uns auch von etlichen Firmenzweigen getrennt, um die Kosten endlich wieder in den Griff zu bekommen. Natürlich wollte ich meine Mitarbeiter nicht einfach vor die Tür setzen und habe mir mit ihnen gemeinsam verschiedene Lösungswege überlegt. Einige von ihnen haben dann mit meiner Hilfe selbst neue, unabhängige Firmen gegründet. So entstand aus dem Artdepartment der TITUS-Communications beispielsweise die Cardiac, die auch heute noch als Werbeagentur für die TITUS GmbH fungiert. Den Eventbereich übernahm die Nice Productions GmbH, die heute unter anderem die T-Mobile Extreme Playgrounds organisiert. Und aus der ASAP-Distribution entwickelte sich die 24/7-Distribution, in der ja nach wie vor einige Leute arbeiten, die vorher in der ASAP waren.

Die 24/7 ist ja auch für die Produktion der TITUS-Decks zuständig.

Ja, aber eher für die Abwicklung, also was die Lieferung vom Hersteller anbelangt. Die Designs, Shapes und wo die Decks produziert werden, wird hier im Haus bzw. vom Teammanager festgelegt.

Bezüglich des Teams ist in dieser Zeit ja auch viel passiert.

Ja, ich bin echt froh, dass Benni Markstein, der ja schon vorher Teamfahrer für die Marke TITUS war, den Job als Teammanager angetreten hat. Ich finde es riesig, was er und die Jungs leisten und was sie alles in Bewegung setzen. Auch das Zusammengehörigkeitsgefühl im Team war meiner Meinung nach noch nie so groß wie heute. Alle kommen bestens miteinander klar und wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Erst letztes Wochenende waren die Jungs auf meiner Gartenparty - ich denke, das sagt einiges.