Longboard-Achsen - Essenzieller Bestandteil deines Setups

Abb. 01 - Achsenaufbau
Abb. 01 - Achsenaufbau

Wenn etwas an deinem Deck nicht fehlen darf, dann sind es vernünftige Achsen!

Es gibt verschiedene Arten von Achsen. Die meisten sind Gussachsen, d.h. der Achsstift wird in einer Form mit flüssigem Aluminium gegossen und verpresst. Ein weiteres Verfahren ist das Kaltschmieden. Hier wird das Metall mit extrem viel Druck in seine Form geschmiedet. Solche Achsen sind eine Zwischenstufe zu CNC-Achsen, da sie ähnlich stabil und ähnlich exakt sind.

Die Hightech-Variante sind CNC-Achsen. Sie werden mit einer Metallfräse aus einem großen Aluminium-Block herausgearbeitet. Dieses Verfahren ist aufwendiger als das Gussverfahren, was den höheren Preis der CNC-Achsen bedingt. Das CNC-Verfahren hat aber den Vorteil, dass es andere Geometrien ermöglicht und deutlich genauer ist. Beim Fahren ist dieser Unterschied meist allerdings nur von weit fortgeschrittenen Fahrern oder Profis zu spüren.

Aber egal welches Herstellungsverfahren genutzt wurde, Achsen bestehen immer aus folgenden Teilen:

links: Abb. 02 - Mit Rake, rechts: Abb. 03 - Ohne Rake
links: Abb. 04 - 42°-Achse, rechts: Abb. 05 - 50°-Achse

Speedrings

[> Abb. 01]

Speedringe sind kleine Distanzringe auf deinem Achsstift, die für einen freien Lauf deiner Kugellager sorgen. Pro Rolle benötigst du zwei Speedringe, die du an den Außenseiten deiner Kugellager zwischen Hanger bzw. Mutter steckst.

Hanger

[> Abb. 01]

Er besteht aus einem Achsstift, an dem die Rollen befestigt werden, und dem Pivot. Dieses runde Metallstück steckt in der Baseplate und ist der Dreh- und Angelpunkt der Achse. Für das Lenkverhalten der Achse sind verschiedene Eigenschaften des Hangers entscheidend, zum Beispiel die Breite: je schmaler, desto agiler, da die Rollen beim Fahren einer Kurve eine kürzere Distanz zurücklegen müssen.

Für Decks, die nicht breiter als 22 cm sind, empfiehlt es sich, 150-mm-Achsen zu fahren. Für alle anderen Bretter nimmt man für gewöhnlich 180-mm-Achsen. Noch breitere Hanger, mit 200mm und mehr, werden hauptsächlich im Downhill-Sport eingesetzt. Sie erlauben mehr Stabilität bei höherer Geschwindigkeit.

Bushingseat und Rake

Am Hanger befindet sich auch der Bushingseat. Bei den meisten Achsen wird das Bushing am Rand von der Achse umfasst. Je nachdem, wie hoch das Metall dort ist oder wie eng und steil es das Bushing umschließt, ergeben sich verschiedene Fahreigenschaften.

Ist der Bushingseat recht flach und seicht, lenkt er die Achse meist sehr leicht und ist eher zum Cruisen und Carven geeignet. Ist der Bushingseat dagegen sehr restriktiv, also eng anliegend und steil, dann ist die Achse sehr stabil, auch bei höheren Geschwindigkeiten.

Für das Fahrgefühl einer Achse ist auch die Achsstiftgeometrie entscheidend. Ist der Achsstift ein wenig versetzt und nicht in einer Ebene mit dem Pivot, spricht man von einer Rake-Achse [> Abb. 02].

Rake-Achsen fühlen sich deutlich »lebendiger« an, als Achsen ohne Rake [> Abb. 03]. Das macht sie sehr beliebt bei Cruisern und Carvern. Außerdem kann man bei ihnen den Hanger um 180° drehen (flippen), wodurch die Achsen flacher werden und sich ruhiger fahren.

Freeride- und Downhill-affine Menschen bevorzugen jedoch meist Achsen ohne Rake, da das Lenkverhalten bei diesen linearer ist.

Kingpin

[> Abb. 01]

Der Kingpin ist eine Schraube, die Baseplate, Hanger, Bushings und Washer zusammenhält. Er sollte möglichst nicht wackeln, da sonst die Gefahr besteht, dass er bricht. Durch das Anziehen der Kingpin-Mutter kannst du auch das Lenkverhalten deiner Achse verändern.

Wenn du sie anziehst, werden die Bushings fester an den Hanger und die Baseplate gepresst. Dadurch wird der Gegendruck deiner Bushings etwas höher und deine Achse wird ein wenig stabiler. Ist dir deine Achse trotz fest angezogener Kingpin-Mutter noch zu weich eingestellt, solltest du dir härtere Bushings kaufen.

Ist dir deine Achse dagegen nicht weich genug, kannst du auch die Mutter etwas aufdrehen. Pass aber auf! Der Hanger sollte nicht wackeln, wenn du ihn mit der Hand bewegst.

Washer

[> Abb. 01]

Das sind die Metallplättchen, die auf den Bushings aufliegen. Sie gibt es als flache Scheiben (Flatwasher) und als Variante mit einem Kranz drum herum, der das Bushing einfasst (Cupwasher). Washer haben einen recht großen Einfluss auf das Lenkverhalten.

Flatwasher z.B. ermöglichen es dem Bushing, an den Seiten herauszuquellen, und geben ihm damit noch mehr Platz zum Verformen. Deshalb erzeugen Flatwasher auch mehr Lean. Im Gegensatz dazu verhindern Cupwasher dieses Herausquillen der Bushings und begrenzen somit den Lean deutlich. Sie sorgen für ein stabileres Gefühl bei der Achse.

Baseplate

[> Abb. 01]

Dies ist die Basis jeder Achse. Sie wird mit den Schrauben an das Deck montiert. Dafür sind mindestens vier Löcher in der Baseplate vorgesehen. Es gibt zwei Arten von Bohrungen: (etwas längere) Oldschool- und Newschool-Bohrungen. Am gängigsten sind im Longboard-Bereich die Oldschool-Bohrungen, da mit Longboards seltener gegrindet wird und man deshalb die stabilere Variante bevorzugt. Bei manchen Baseplates ist der Kingpin fest montiert, bei anderen kann man ihn herausnehmen.

Baseplates gibt es in verschiedenen Winkeln. Die Gradzahl gibt an, in welchem Winkel der Pivot zur Baseplate steht. Der Winkel ist entscheidend für das Lenkverhalten und für die Höhe der Achse. Ist der Winkel niedrig, ist die Achse sehr flach und fährt sich sehr träge [> Abb. 04].

Solche Achsen werden gerne von Anfängern im Bereich Freeride oder Downhill genutzt, da sie bei hohen Geschwindigkeiten sehr stabil sind, aber bei normaler Geschwindigkeit noch gut lenken. So kann man sich gut an höhere Geschwindigkeiten herantasten. Wer nicht Downhill oder Freeride fährt, sollte immer eine 50°-Achse [> Abb. 05] nehmen. Sie ist ein guter Mittelweg aus Agilität und Stabilität.