Longboard-Decks: Das richtige Deck für jedes Terrain

Welches Deck für welches Terrain?

links + Mitte: Abb. 01 - Fullshape mit Wheelwells (Abb. 01 A), rechts: Abb. 02 - Freerider mit Cutouts (Abb. 02 A)
links: Abb. 03 - Pintail, rechts: Abb. 04 - Danceboard

»Man braucht für jedes Ding das richtige Werkzeug«, sagt mein Schwiegervater immer. Und da hat er Recht. Auf Longboards bezogen gibt es unterschiedliches »Werkzeug«, also Material für die verschiedenen Fahrstile und -techniken. Das Brett selbst, das »Deck«, gibt es in den unterschiedlichsten Formen und Konstruktionen. Eine »eierlegende Wollmilchsau« wurde trotz etlicher Versuche leider noch nicht erfunden.

Longboard-Decks zum Cruisen

Cruisen [> Abb. 03], lässig von A nach B fahren, kann man mit jedem Longboard. Allerdings liegt hier der Schwerpunkt auf Style, Manövrierbarkeit und Handling. Daher werden besonders schöne Shapes, z.B. Pintails [> Abb. 03], und auch kürzere Decks mit einem Kicktail als Cruiser bevorzugt.

Die sportlichen Anforderungen an die Fahrperformance sind eher gering. Daher sind diese Decks als reine Holzkonstruktionen völlig ausreichend, es sei denn, starker Flex, also Durchbiegung, wird gewünscht. Das macht ein reines Holzbrett nicht lange mit. Dafür sind Composite-Konstruktionen, also Holzkerne mit Verstärkungslagen aus Glas- oder Kohlefasern auf Ober- und Unterseite notwendig.

Abb. 05 - Rocker
Abb. 06 - Dropdown
Abb. 07 - Drop-Through
Abb. 08 - Flare
Abb. 09 - Flex

Das richtige Freeride Shape

Freeriden [> Abb. 02], das schnelle Fahren und Sliden auf abschüssigen Straßen, bei dem es allein um den Flow, nicht um den Geschwindigkeitswettbewerb geht, erfordert Decks mit besonders gutem Halt für die Füße. Ausgeprägtes Concave im Standbereich und ein tiefer Schwerpunkt müssen gewährleistet sein. Dabei soll das Board aber wendig bleiben und sich noch tief leanen lassen.

Neben dem stark ausgeprägten Concave in Längsrichtung sind Freerider manchmal mit einem länglichen, mittigen Hubbel, dem »W-Concave«, ausgestattet, das einen besseren Halt des Fußballens verspricht. Dazu sind sie oft mit abgesenkten Standflächen versehen.

Und zwar in der Ausführung als > Rocker [> Abb. 05], einer durchgehenden straßenseitigen Wölbung in Längsrichtung, > Dropdown [> Abb. 06], also mit wellenartigen Biegeradien, jeweils knapp hinter den Achsen, > Drop through [> Abb. 07], einer Fräsung für eine Montage der Achs-Baseplate auf, statt unter dem Deck.

Der tiefere Schwerpunkt, die Nähe zur Straße, beruhigt das Lenkverhalten bei hohen Geschwindigkeiten, bringt aber natürlich auch die Rollen näher ans Deck. Sie können dann beim Lenken leicht ans Brett kommen und blockiert werden, einen so genannten Wheelbite erzeugen. Deshalb sind Freerider mit Cutouts [> Abb. 02A] versehen, also im Bereich des Lenkeinschlags ausgeschnitten. So ergibt sich die charakteristische Form dieser Decks.

Beim Freeriden ist ein leichter flex [> Abb. 09] des Decks sinnvoll, der die Vibrationen bei hohen Geschwindigkeiten etwas dämpft, ohne dass das Deck sich aufschaukelt. Etliche Modelle werden mit Minikicks, also Stummelnose und -tail, versehen, um sie als Hybride auch für Dancing-Tricks einsetzbar zu machen.

Maximaler Speed mit dem Downhill Deck

Downhill [> Abb. 01], so nennt man das schnelle Fahren von steilen Bergstraßen, um maximale Geschwindigkeiten zu erreichen. Deshalb sind Downhill-Decks Rennmaschinen für kontrollierte Hochgeschwindigkeitsfahrten im Wettbewerb mit anderen Fahrern. Das erfordert maximale Steuerungspräzision, Grip und Spurtreue.

Deshalb werden Downhill-Decks meist nur mit minimalem, dämpfendem Flex und einer hohen Torsionssteifigkeit gebaut. Composite-Werkstoffe oder massive Holzkonstruktionen sind Standard. Downhill-Decks sind meist sehr breit, um einen effektiven Hebel auf die breite Achse zu bieten.

Viele Modelle verzichten auf Nose und Tail und bringen nur mit, was wirklich gebraucht wird: ein tiefes Concave, das die Fußposition auch bei hoher Fliehkraft sicher hält. Viele Fahrer bevorzugen einen höheren Aufbau des Setups und die Möglichkeit, nah an den Achsen zu stehen, um genauer lenken zu können. Diese Anforderung wird mit Fullshapes [> Abb. 01], also Decks ohne Cutouts, realisiert.

Für die Rollen werden dann entweder Wheelwells [> Abb. 01 A] unten ins Deck geschliffen oder »Radkästen« – auch Fender oder Flare [> Abb. 08] genannt – vorgesehen, um tieferen Lean bzw. stärkeren Lenkeinschlag zu ermöglichen, ohne dass die Rolle ans Brett kommt. Viele Downhill-Decks kommen mit weiteren Features aus dem Freeride-Bereich, um als Hybride gelten zu können.

Dancing-Decks - Time to Dance!

Dancing [> Abb. 04], also das Ausführen von Schrittfolgen und Tricks, erfordert Decks mit mittlerem bis starkem Flex zur Dämpfung und für den Trampolin-Effekt. Außerdem sind Dancer gerne auch mal etwas länger, um z. B. den Platz für einen Cross Step zu bieten und weil ihre Trägheit viele Tricks (bspw. Manuals) begünstigt. Ein allzu starkes Concave ist dabei nicht erforderlich, da es die Bewegungsfreiheit der Füße eher einschränkt. Aus demselben Grund werden viele Dancer nur partiell mit Griptape beklebt.

Besonders wichtig sind reichlich Nose und Tail, also Überstände über die Achsen hinaus, um den erforderlichen Hebel für Tricks (wie Manuals oder Shovits) zu bieten. Diese Decks sind meist als Composite-Konstruktionen ausgeführt, damit die ständige Durchbiegung das Brett auf Dauer nicht ausleiert.

– Dr.-Ing. Björn Hekmati –