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Erstellt von T. Gentsch | News

Winter Survival 2019


Wie du auch ohne Skatehalle den Winter überlebst!

Fotos & Text: T. Genstch

Regen, Dunkelheit, Schnee und Kälte sind die natürlichen Feind des Skateboarders, besonders in Nord- und Mitteleuropa, wo sich diese Jahreszeit über einen relativ langen Zeitraum strecken kann. Von O bis O (also Oktober bis Ostern), so sagt man, sollte man sein Auto mit Winterreifen ausstatten und diese 6 Monate sind auch die Zeit, in der man sich als Skateboarder wünscht, eine Halle in der Nähe zu haben. Doch auch wenn es 2019 mehr Skatehallen in Deutschland als je zuvor gibt, befinden sich diese meist in größeren Städten (außer in München) und bedeuten oftmals eine weite Anreise; schließlich wohnt nicht jeder Skater im Stadtzentrum einer Metropolregion. Zeit also, sich nach Alternativen umzusehen, denn eins ist klar: Eine Winterpause geht gar nicht! Wir haben für Euch mal ein paar Beispiele für Skatemöglichkeiten im Winter zusammengetragen, die allesamt nicht einmal Eintritt kosten – höchstens etwas Ärger mit möglichen Securities.

Autobahnbrücken

Wenn den Deutschen eins am Herz liegt, dann ist es sicher die Autobahn. Im gleichen Ausmaß, wie der Ottonormalbürger diese ampelfreie Straße liebt, wissen Skater die zahlreichen ihnen zugehörigen Brücken zu schätzen. Überlegt selber mal, wie instinktiv man einfach unter jeder Brücke nach einer Bank oder allgemein etwas Skatebarem schielt. Oftmals bestehen solche Banks aus sogenannten „Doppel-T Verbundpflastersteinen“, die, wenn die Kanten nicht abgerundet sind, äußerst skatebar sind. Hab man besonderes Glück, wurden beim Bau sogar Bürgersteigplatten verwendet. Autobahnbrücken haben den Vorteil, dass sie nahezu „bust-frei“ sind, allerdings sollte man stets darauf achten, dass das Board nach einem Bail nicht auf eine der (aus der Logik der Straßenführung zu 90% vorhandenen) Zubringerstraßen schießt. Wichtig ist allerdings, gerade wenn es regnet oder schneit, die Ausrichtung der Trasse, da es schnell zu einem „Reinregnen“ kommen kann, eben je nach Windrichtung. Abgesehen davon bergen diese Spots eine Menge Potential und sind eine ernstzunehmende Alternative zu einem Parkhaus.

Vorteile: Kein Bust und Banks, Banks mit Lip und der Möglichkeit „Tricks rein zu machen“ sowie in seltenen Fällen sogar Channels findet man auch „unüberdacht“ nur sehr selten. Zudem sind diese Spots von der Allgemeinheit derart unbeachtet, dass man mit einem kleinen DIY-Job den Spot unter Umständen um 100% aufwerten kann.
Nachteile: Selten Windgeschützt, Oftmals dreckig und nach Tagen des Regens oftmals ebenfalls mit einem schmierigen Feuchtigkeitsfilm überzogen.
Pädikat: 3 von 5 Punkten

 

Titus Skateshop

Es klingt vielleicht im ersten Moment ein wenig befremdlich, aber auch in einigen Titus Shops kann man dem Winter trotzen. Und, wir reden jetzt hier nicht von einem TV, auf dem permanent Skatevideos laufen und wo man sich hinsetzen und mit anderen Skatern fachsimpeln kann. Nein, hier geht es um richtiges Skaten, was in den Shops in Köln und Berlin in deren Concrete Bowls möglich ist. Logischerweise sind diese Schüsseln den räumlichen Gegebenheiten angepasst und demnach mit einer eher kurzen Transition versehen – also sehr anspruchsvoll zu fahren. Dafür fällt man aber auch nicht allzu tief und kann über den Winter seinen Transition Skills einen völlig neuen Schliff verpassen. Während man in Köln jederzeit einfach nur an der Ladentheke nachfragen muss, um in den Keller zu kommen, sollte man sich in Berlin vorher besser telefonisch informieren, da sich hier der Bowl direkt IM Ladenlokal befindet. Dann sollte auch hier einer Session nichts mehr im Wege stehen.

Vorteile: Es ist warm und man wird nicht gebustet
Nachteile: kleine tighte Transition
Prädikat: 4 von 5 Punkten

 

Passagen

Passagen findet man sowohl im Indoor- als auch im Outdoorbereich. Aus dem Französischen übersetzt bedeutet dieses Wort nichts anderes als Durchgang und ein solcher kann von unterschiedlicher Natur sein. Da man jedoch verhindern will, dass Kunden oder Passanten auf dem Weg von A nach B nass werden, sind diese Wege eben überdacht und eignen sich hervorragend um der Feuchtigkeit zu entfliehen. Da sie meistens Geschäfte verbinden, stehen diese Spots allerdings oft unter Security Bewachung und/oder sind nur nach Ladenschlusszeiten skatebar. Mit ein wenig Glück verfügen sie dann aber über Stufen, Möglichkeiten Kicker zu bauen, Ledges und guten Boden – und manchmal ist es dort sogar warm!

Vorteile: unter Umständen warm, trocken, vielfältige Spotmöglichkeiten
Nachteile: Security, Öffnungszeiten
Prädikat: 2 von 5

 

Leerstand

Auch wenn die sogenannte „Leerstands-Quote“ in Deutschland seit Jahren rückläufig ist, finden sich doch immer wieder Gewerbeflächen oder Immobilien, die nicht mehr genutzt werden. Für Skater sind solche Orte ein Segen, verfügen sie doch meistens über einen annehmbaren Boden, ein Dach und Wände. Traurigerweise werden solche Gebäude oftmals durch eingeworfene Scheiben etwas zugig, aber man ist immer noch geschützter als unter einer Autobahnbrücke. Zudem kann man durch offene/kaputte Fenster problemloser nach innen gelangen und beugt so dem Tatbestand eines Einbruchs zumindest „dem Empfinden nach“ vor. Man sollte sich stets bewusst sein, dass auch leerstehende Flächen meistens irgendwem gehören und demnach unter Umständen einfach mal bei dem Besitzer nachfragen, ob man die Fläche zumindest den Winter über nutzen könne. Bejahrt er dies, oder ist am Ende sogar froh um eine Nutzung kann man unter Umständen sogar noch Obstacles platzieren und sich so seinen eigenen Skatepark kreieren.

Vorteile: Wind- und Wettergeschützt, kein Bust (hoffentlich), kreativ nutzbar
Nachteile: meist nur temporär nutzbar, Vandalismus, Kälte
Prädikat: 5 von 5 Punkten

 

U-Bahn

Die U-Bahn, beziehungsweise die U-Bahn Haltestelle oder Verbindungsgänge zwischen zwei nahegelegenen oder sich kreuzenden Haltestellen, ist gerade bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ein wahrer Segen. Nahezu jeder Skater wird dieses wohlige Gefühl eines warmen Luftzugs beim Herablaufen in einen unterirdischen Bahnhof schonmal erlebt haben. Die Lust, auf dem heimischen Sofa sitzen zu wollen, verschwindet rasant und man fühlt sich sofort wieder motiviert aufs Board zu springen. Dieses Glücksgefühl kann allerdings oft nur von sehr kurzer Dauer sein, da solche Wohlfühl-Oasen meist von Kameras und Securities überwacht werden. Für eine kurze (Aufwärm-)Session kann die Zeit dennoch reichen und vielleicht hat man sogar Glück und wird ausnahmsweise gar nicht gebustet.

Vorteile: relativ warm, meistens perfekter Boden, meistens sauber, gut beleuchtet
Nachteile: Securities, besoffene Schläger, tagsüber zu viele Passanten, gibt es nicht in allen deutschen Städten, oftmals nur Flatland
Prädikat: 2 von 5 Punkten

 

Parkhaus

Sicherlich für die Meisten am ehesten zugänglich sind Parkhäuser oder Tiefgaragen. Die findet man selbst in sehr kleinen Städten, oftmals in Bahnhofsnähe oder neben einem Einkaufszentrum. Leider bergen gerade neuere „Modelle“ eher selten gute Spots, irgendwie scheinen Erbauer moderner überdachter Parkmöglichkeiten sehr monoton zu denken. Hier und da finden sich jedoch noch Perlen aus vergangenen Tagen und mit ein bisschen Glück beherbergen sie ein perfektes, gerne gelb angestrichenes Slappy-Curb. Das kann man oftmals zugleich für Manuals nutzen und wenn es sich zudem noch an einer Abfahrt befindet, kann man eine Menge Spaß haben. Tiefgaragen sind zudem, wie der Name schon sagt, unter der Erde, das heißt, es wird dort weder windig noch allzu kalt sein. Allerdings gilt für die meisten Parkhäuser, dass es auch hier nass werden kann, je nach Fahrzeug-Fluktuation; denn jedes einfahrende Auto bringt natürlich auch Feuchtigkeit mit sich. Tiefgaragen werden zwar meist Kameraüberwacht, aber es ist schon des Öfteren vorgekommen, dass Parkwächter die Augen zudrücken, zum Beispiel wenn ein komplettes Deck leer steht. Ist dies nicht der Fall, sollte man auf jeden Fall auf stehende und natürlich auch einfahrende Autos achten – dann steht einer abwechslungsreichen Session nichts mehr im Wege.

Vorteile: Meistens windgeschützt und hell, manchmal ist es warm, manchmal Spots, die man anderswo oft vergeblich sucht
Nachteile: sich einschleichende Feuchtigkeit, Securities
Prädikat: 3 von 5 Punkten