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Erstellt von T. Gentsch | Feature

Aaron Hoover | Lakai Footwear's Designer im Interview


Lakai's Schuh-Designer steht Rede und Antwort

Hält man Ausschau nach einem neuen Skateschuh, ist für die meisten Skater zunächst der Hersteller und direkt danach der Pro-Teamrider von Interesse; so sollte es zumindest sein. Pros haben zwar einen gewissen Einfluss auf die Aufmachung "ihres" Schuhs, aber das finale Aussehen bestimmt eine dritte Instanz - der Designer. Er ist die Person, die weiß was möglich ist, was "auf dem Markt funktioniert" und letzenendes Derjenige, dessen Schuh der Skater kauft. Dabei bewegen sich diese Leute äusserst weit im Hintergrund und man bekommt nur sehr selten Einblicke, wer denn überhaupt für welchen Schuh verantwortlich ist. Wir hatten die einmalige Gelegenheit uns mit Aaron Hoover, dem Designer von Lakai, eingehend zu unterhalten und erhielten einige Interessante Einblicke.

Hallo Aaron, wie gehts? Wo steckst du gerade?

Gut gehts, danke, ich kann mich nicht beklagen, schließlich arbeite ich im Skateboard-Bizz, haha. Momentan sitze ich am Schreibtisch in meiner Heimat Ohio, mache ein bisschen Home Office Arbeit. Ich pendle momentan zwischen LA und Ohio hin und her.

Deine grafischen Anfänge hast du doch mal beim Strengh Magazine gehabt, oder? Und wie ich herausgefunden habe, hast du zur gleichen Zeit noch in Cincinnati studiert. War Strengh damals so etwas wie ein Nebenjob für dich um dein Studium zu finazieren?

Meine Güte, woher weißt du DAS denn, hahaha? Aber ja, genauso war es. Die Jungs bei Strengh waren sehr gute Freunde von mir und ich habe dort angefangen, als ich noch zur Uni ging. Zunächst war es nur ein Nebenjob, der dann aber schnell zu einem Vollzeitjob wurde. Das war so eine geile Zeit, es müsste so um 1995/96 gewesen sein. Joe Castrucci (Habitat Skateboards) hatte damals eine Boardfirma, die sich Solid Skateboards nannte. Joe erzählte damals einem guten Freund von mir, Eric Wollam (der heute Art Director bei Almost ist), dass ein Typ namens Christian ein neues Skate-Mag machen würde und sie einen Grafiker brauchen könnten. Zusammen mit Wollham bin ich dann hin und am Ende des Tages arbeiteten wir beide für Strengh. Dort habe ich dann einige Ausgaben mitgestaltet. Kurze Zeit später startete Christian zusammen mit Steve Saiz (Ex Powell-Pro) eine Boardfirma namens Nation Skateboards. Wir hatten mit Jason Rothmeyer, Rob G., Panama Dan, James Riff, Jake Brwon, Joey Bast und Jason King ein echt gutes Team. Da habe ich dann ebenfalls mitgeholfen und mich um Grafiken gekümmert.

Wow, interessant, die Namen kennt man definitiv alle. Wie bist du denn dann von Grafik-Design bei einem Magazin und für Boards zum Entwerfen von Schuhen gekommen? Oder anders gefragt, wie landet man überhaupt in dieser Richtung im Design?

Nun, ich wohnte damals mit Wollam zusammen. Der verließ Strengh allerdings bald und begann für Dub und Droors zu arbeiten. In LA wohnte er mit einem Typen namens Doug zusammen, der wiederum für DVS arbeitete. Er legte ein gutes Wort für mich bei Tim (Gavin) ein und wir verstanden uns auf Anhieb; und eh ich mich versah, hatte ich einen Job als Grafik-Designer bei DVS. Nach ein paar Monaten hatte ich alle in der Firma gut kennengelernt und mich mit Kelly Kikuta angefreundet, der damals der Director bei DVS war. Wir hatten immer sehr gute Gespräche, sei es über Skateboarding, Schuhe oder Produkt Design im Allgemeinen. Innerhalb meines ersten Jahres bei DVS wurde plötzlich eine Stelle als Designer frei und Kelly fragte mich, ob ich Interesse an dem Job hätte. Ich sagte sofort ja und seitdem designe ich Schuhe, hahaha.

Wow, das klingt ja wie ein Traum der wahr wurde. Wie viele Jahre hast du dann bei DVS (und später Lakai) gearbeitet und wie kam es, dass es dich wieder in Richtung Ohio gezogen hat?

Also, 2001 ging es wie gesagt zunächst bei DVS für mich so richtig los. Das erste Jahr über arbeitete ich sehr eng mit Kelly zusammen und lernte enorm viel. Ich bin unzählige Male nach Asien geflogen und habe unsere Produktionsstätten besucht, was sehr wichtig war. Nach einem guten Jahr fragten mich Kelly und Kevin Dunlap ob ich nicht der Chef-Designer bei Lakai werden wolle. Von da an habe ich mich komplett auf Lakai konzentriert, etwa von 2002 bis 2007. Dann wurde ich gefragt, ob ich nicht zusätzlich wiederum DVS managen könnte und zum gleichen Zeitpunkt bekam meine Frau Zwillinge. Das war dann einfach zu viel und ich musste etwas kürzertreten. Ich musste mich um meine Frau und unsere Kinder kümmern und bin zurück nach Ohio gezogen.

Und wie ging es dann beruflich für dich weiter?

Nun, als ich wieder in Ohio war, habe ich mich wieder mit Joe Castrucci in Kontakt gesetzt. Er brauchte die Unterstützung eines Designers für Habitat Apparel und Accesiores. Zudem hatte er sich ein Langzeitziel gesetzt: Habitat Footwear. Ich habe mich dann sehr viel und lange mit Joe unterhalten und wir haben einen Plan entworfen. Zunächst waren wir uns zwar nicht so ganz sicher, ob eine Schuhfirma unter dem selben Namen wie der der Boardfirma funktionieren würde, aber bei Habitat klappte das sehr gut. Leider gab es dann die Geschichte mit den vielen Besitzerwechseln bei Habitat und das brachte das gesamte Projekt zum Erliegen. Joe erzählte mir allerdings erst kürzlich, dass „Footwear“ immer noch der meistgesuchte Begriff auf der Habitat Seite sei.

Ok, interessant. Und wie ging es dann bei dir weiter? Ich habe in einem Interview von 2015 über dich gelesen, dass du dann bei Fallen gelandet bist und unter anderem mit einer sehr geilen Idee für den Dane Burman Schuh aufwarten konntest. Erzähl doch mal…

Nun ja, ich habe einen Anruf von einem Kumpel bekommen, der bei Dwindle arbeitete. Die waren gerade eine Vertriebspartnerschaft mit Zero und Fallen eingegangen und brauchten einen neuen Designer. Meine Kinder waren mittlerweile auch älter und so ging es für mich wieder zurück nach Kalifornien. Leider ging Fallen kurz darauf durch ein paar Rückschläge auf Produktionsebene pleite, aber wir für unseren Teil haben damals alles getan, es nicht so weit kommen zu lassen. So erblickte leider auch der Dane Burman Schuh nie das Licht der Welt. Ich hatte damals die Idee, einen Mid Schuh mit einer Perforage zu kreieren, den man so problemlos zu einem Low schneiden konnte. Das amüsante war, als ich schon ein Sample hatte und wir Dane fragten, was er sich für ein „Special Feature“ bei seinem Schuh vorstellen könnte sagte er sofort „I want a shoe that could be cut into a low“. Das war gerade für mich als Designer ein toller Moment, genau erahnt zu haben, was der Pro wollte. Das Konzept hätte auch super zu einer Firma wie Fallen gepasst, aber leider war es schon zu spät.

Und nachdem Fallen dann Geschichte war, bist du wieder bei Lakai gelandet. Damit schloss sich dann auch irgendwie der Kreis, oder?

Oh ja, absolut. Es war aber auch ein glücklicher Zufall. Ich hatte mich mehr oder weniger zufällig mit Craig Chimile unterhalten und er erwähnte, dass sie bei Lakai wieder jemanden bräuchten, der in der Design-Abteilung aushilft. Ich hatte früher viel mit Scott Johnston zu tun, ihm viel beigebracht, und er hatte Lakai gerade verlassen. Also bin ich wieder dort gelandet, wo ich vor 10 Jahren aufgehört hatte.

Was ist deine persönliche Meinung zum „Rubber Toe“? Es ist ja ein Feature, das mittlerweile alle Schuh-Companys bei mindestens einem Modell haben und was ich persönliche eher hässlich finde.

Nun ja, ich finde bei manchen Styles passt es gut, beim HUF Classic zum Beispiel. Ich kann mich aber auch noch gut daran erinnern, als Salman´s (Agah) Pro-Schuh bei Vans rauskam und der gefiel mir überhaupt nicht. Sinn macht er aber bei einem Skateschuh schon. Der Sal97´hatte eine sehr Dezente (Rubber Cap), die fand ich wiederum sehr stylish. Sie hatten nicht diesen Vintage Vulc Look, sondern eher einen „techy“ (Look), wenn man das so sagen kann.

Wenn wir schon von Rubber Toes sprechen, die Industrie scheint mir immer so eine Art „baby child“ zu haben, ein Feature, dass dann alle „nachmachen“, oder auf einen ähnlichen Zug aufspringen. Was denkst du wird das nächste große Ding auf dem Schuhsektor?

Nun ja, manche sagen „puffy-tech“ kommt wieder und DC bestätigen dies mit der Wiederbelebung des "Legacy". Für mich persönlich (als Designer bei Lakai) zählt weniger, was das „nächste große Ding ist“ als vielmehr, was gut zu Lakai und seinen Fahrern passt. Was man anders machen kann, wie zum Beispiel die „Cut-down“ Variante, über die wir vorhin gesprochen haben. Riley´s neuer Schuh ist ein gutes Beispiel dafür, da er auch sehr gut zu seiner Persönlichkeit passt. Er hat zum Beispiel Schnürsenkel, kann aber auch wie ein Slip-On ohne getragen werden.

Ich habe kürzlich ein paar HUF Schuhe mit Klettverschluss gesehen. Meinst du, die könnten mal ein großes Ding im Skateboarding werden? 

Klettverschlüsse komme alle Jahre mal wieder kurz auf, ja. Ob sie das nächste „große Ding“ werden, wage ich allerdings zu bezweifeln. Wobei, eigentlich machen sie gerade auf dem Skateschuh-Sektor sehr viel Sinn…

Ähnlich wie „Lace-Saver“, wie es sie damals bei Airwalk gab…

Haha, lustig dass du damit jetzt kommst, da dachte ich auch gerade dran. Die guten alten „Prototypes“ mit Lace Saver, ich erinnere mich. Auch die machen eigentlich echt Sinn, aber… wir werden sehen.

Wo du gerade Riley erwähnt hast, Tony (Hawk) ist ja jetzt auch auf Lakai. Wird es da in Zukunft vielleicht sowas wie eine Vater/Sohn Kollaboration geben, also einen Schuh von beiden zusammen?

Haha, naja, ich weiß nicht, in Planung ist da nichts. Beide machen ihr eigenes Ding und wir arbeiten gerade erstmal an Projekten nur mit Tony. Dabei wollen wir es erstmal belassen.

Was ist das Verrückteste, was du jemals bezüglich Schuh Designs/Features gesehen oder selber entworfen hast?

Also das Verrückteste, was Ich jemals entworfen habe, war eine "sprechende Zunge" bei Biebels erstem Signature Schuh. Wir haben 5 oder 6 von Biebels Sprüchen aufgenommen und wenn man die Zunge eindrückte, kam immer eine crazy Quote aus dem Schuh, hahaha. Ich weiß, klingt ziemlich lächerlich, aber wir hatten damals eine Menge Spaß damit. Leider hatten wir einige Probleme mit der Qualität der „Lautsprecher“ und haben das Projekt dann auf Eis gelegt. 

Oh man, schade, den hätte ich gerne mal gesehen – oder besser gehört, hahaha. Was entgegnest du Jemandem der sagt, dass heutzutage alle Schuhe gleich aussehen.

Da kann man weit ausholen, aber kurz gesagt… Trends und Verkäufe. Kannst du dich noch an die späten Achtziger erinnern, als es VansAirwalk und Vision Street Wear gab und alle Schuhe sich komplett unterschieden? Das fand ich geil. Jede Firma bediente damals ein gewisses Genre im Skating oder einen Style. Ich finde, es könnte sich gerne wieder in eine solche Richtung entwickeln. Schuhfirmen sollten einmal im Jahr ein großes Treffen abhalten, sich austauschen und gleichzeitig verständigen, gewisse Design-Innovationen des Anderen zu respektieren. Oder was meinst du…?

Das wäre echt mal ne geile Sache, da man sich so nicht gegenseitig die Butter vom Brot nimmt. Letzte Frage Aaron: Welche Schuhe trägst du gerade?

Wenn ich wie jetzt gerade im Büro bin, trage ich meistens die EVO´s wegen ihrem Komfort. Wenn ich skate, trage ich den Bristol. Wenn ihr das nächste Mal im Shop seid müsst ihr den mal anprobieren. Ganz einfaches Design, aber vollgepackt mit Features, die ein völlig neues „Lakai-Tragegefühl“ vermitteln. Außerdem ist er mit seiner „Dual Durometer“ Gummi-Außensohle besonders an der Ferse sehr gut gedämpft und die Innensohle tut ihr übriges, um ihn äußerst bequem zu machen. Ab Februar sollte er erhältlich sein.

OK, ich werde ihn auf jeden Fall testen. Vielen Dank für das Interview Aaron!

Zum Lakai Markenshop bei Titus gehts hier.

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