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Erstellt von T. Gentsch | News

COS Cup 2019 | Heizhaus Leipzig


Die Ostdeutsche Meisterschaft 2019

Die dritte Kippe in Folge half auch nicht wirklich. Meine Beine und Hände wollten einfach nicht aufhören zu zittern. Ich stieg auf mein Board, pushte gespielt locker in Richtung der um die Ecke gelegenen Herberge und poppte einen kleinen Ollie. Hatte ich den Trick je zuvor überhaupt mal gemacht? Der Ausführung nach zu urteilen wohl eher nicht, so schrecklich fühlte er sich an. Wenigstens schüttelte der raue Boden die Oberschenkel ein wenig durch, sodass sich fast schon ein leichtes Auflockern der Muskeln einstellte. Nachdem ich zum dritten Mal die Toilette besucht hatte, ging es mit einer weiteren Kippe im Mund zurück zur Halle. Vor selbiger befanden sich jetzt weniger Menschen als noch 10 Minuten zuvor. Mein Herz begann schneller zu schlagen, da ich wusste, dass in wenigen Minuten mein Name aufgerufen werden würde. Und kaum hatte ich den Parcours betreten, erklang aus den Lautsprechern „nächster Starter, aus Münster, Thomaaas…“!

Den Nachnamen nahm ich schon nicht mehr wahr. Einmal pushen, im Boardslide aufs Curb und… Trick gestanden, weiter geht’s - und wie durch ein Wunder war auf einmal auch das Zittern verschwunden. So wie mir geht es sicher vielen Startern auf Contests. Auch wenn man sich im Practice oftmals wünscht, zumindest kurz die Fläche alleine für sich zu haben, geht der Arsch dann doch auf Grundeis, wenn es einmal soweit ist. Sind alle Augen in einer Halle auf einen selbst gerichtet, können selbst die einfachsten Tricks verdammt schwer werden. Daher gebührt jedem Starter auf einem Contest großer Respekt, alleine für den Mut unter den Augen Vieler sein Können zu präsentieren.

Neben mir hatten noch etwa 30 weitere Starter den Weg nach Leipzig gefunden, zum letzten Qualifikationsstop der deutschen Meisterschaft am ersten Dezemberwochenende in Rust. Gleichzeitig wurde der Wettbewerb auch als Ostdeutsche Meisterschaft ausgetragen und das Heizhaus feierte sein zehnjähriges Bestehen. Gelegen im westlichen Ortsteil Grünau befindet sich die Halle in einer Ecke der Stadt, die durchaus ein bisschen Farbe vertagen kann. So begann das Contestwochenende Freitags auch mit einigen Konzerten vor der Halle, die die kulturelle Vielfalt untermalten. Ein paar Meter weiter bei Netto sah das dann schon wieder anders aus, aber solche Gegensätze sind in Plattenbau-Gegenden wahrscheinlich normal.

Entgegen der gängigen "COS-Norm" fand der Contest wie zuvor erwähnt in einer „festen Skatehalle“ statt. Das bedeutet logischerweise, dass nicht auf dem gewohnten COS Parcours, sondern auf den örtlichen Obstacles geskatet wird. Gerade die „immer die gleichen Rampen auf dem COS“-Nörgler hatten also in Leipzig die Möglichkeit, mal wieder einen COS Cup auf anderen Rampen mitzunehmen. Ich persönlich fand das derart attraktiv, dass ich mich sogar für den Wettbewerb anmeldete. Viele andere Skater aus dem Osten leider anscheinend nicht, aber man kann eben auch keinen zu seinem Glück zwingen.

Mit Sascha Scharf und Justin Sommer waren zwei Berliner Fahrer am Start, die man auch auf anderen COS Cups zu Gesicht bekommt. Sehr erfrischend war, nach langer Zeit mal wieder Fabian Neugebauer zu sehen, einst ein Dauergast auf jedem COS Cup. Ati Oppelt ist ein gänzlich neues Gesicht und begeisterte die Judges mit vielen technischen und soliden Rail-Tricks. Dass Phillip Gerisch Local im Heizhaus ist, konnte man an seinen Runs unschwer erkennen und so war er es dann auch, der nach einem packenden Finale die meisten Punkte einheimsen konnte. Bei den Girls stylte sich Nele Schmidt mit einem Fs Smith an der Quarter auf den ersten Platz und Thomas Meinel siegte bei den Masters, also den Ü30-Jährigen. Ich für meinen Teil schaffte es auf einen grandiosen vorletzten Platz und war schlussendlich mit meiner „Leistung“ hochzufrieden. Es war das erste Mal, dass ich ein COS Finale bestritt und so ein „organised Jam“ ist schon sehr kräftezehrend. Zum Glück dauert es noch 8 Wochen bis zum Finale in Rust, bis dahin wird trainiert!