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Capture the Moment - Interview mit Erik Gross

Erik Groß kommt aus Rostock und ist damit Teil einer auffällig starken Skateboard-Generation, die Talente wie Denny Pham und Benni Ripsch hervorgebracht hat. Aufgrund seines Studiums lebt der neue Titus-Dresden-Shop-Teamfahrer in der Elbstadt und erregt von dort aus großes Aufsehen durch sein Skateboarding und seine Fotografien. – Zeit, ihn mal zum Thema Foto auszufragen!

Hi, Erik. Erzähl doch mal, inwieweit Fotografieren dein Hobby oder dein Beruf ist.

Ich habe 2013 einen Master in Geografie gemacht und festgestellt, dass ich erst mal nicht 40 Stunden die Woche in dieser Branche arbeiten möchte. Ich habe also hin und her überlegt. Dann stand die Bali-Reise (The Journey of the Beasts) an – und mir kam der Gedanke, es einfach mit dem Foto-Ding zu versuchen. Wahrscheinlich würde ich es eines Tages bereuen, wenn ich es nie versucht hätte. Skaten war halt schon immer die Nummer 1 für mich und irgendwas würde auf der Strecke bleiben. Fotografieren ist etwas, was mir Spaß macht, wofür ich vielleicht auch ein Händchen habe. Daraus versuche ich mir seit einem Jahr was aufzubauen. Nebenbei arbeite ich im H&M und verdiene da meine Kohle.

Fotografierst du nur analog oder auch digital?

Wenn ich mich für meine persönlichen Projekte mit jemandem treffe, mache ich das immer analog, und alles, was Aufträge sind, mache ich digital.

Hast du eine Lieblingskamera?

Ich habe eine Nikon FM2. Das ist so ein Arbeitstier, das ich immer dabei habe. Die kann ich für alles benutzen; sie ist ein Allrounder. Ich habe noch 1.000 andere Kameras, aber wenn ich auf eine einsame Insel müsste, wäre das definitiv meine Wahl. Die funktioniert sogar ohne Batterie und ist unzerstörbar.

Was für Fotos machst du denn am liebsten? Sind es eher Skatefotos, Portraits oder Landschaftsbilder?

Ich mag es voll gerne, Skatefotos zu schießen. Ich habe aber in Bali gemerkt, wo ich ja quasi der Skatefotograf der Tour war, dass das nicht komplett meins ist. Ich habe halt kein Blitzsystem und nicht die Ausrüstung wie ein normaler Skateboard-Fotograf.

Das funktioniert auch oft gut, wenn man so einfach arbeitet wie ich. Aber wenn du jetzt auf Tour bist und auf jeden Fall einen Trick unter schwierigsten Umständen fotografieren musst, dann geht das nicht. Da merke ich dann schon: Skateboard-Fotografie ist für mich zu gegebener Zeit und am richtigen Ort mega-geil, aber an sich musst du schon ein richtiger Skatefotograf mit richtigem Setup sein, um das machen zu können.

Also, wenn ich mich jetzt entscheiden müsste, fiele meine Wahl auf Portraits. Ich hatte angefangen, dreckige Skater zu fotografieren, die irgendwie blutig auf dem Boden lagen. Das ist jetzt ein bisschen in eine andere Richtung gegangen, wenn ich was mit Mädels mache. Für mich müssen auf Fotos immer Menschen zu sehen sein.

Landschaften fotografieren, find ich langweilig und kann ich nicht. Ich finde es bei anderen Leuten geil, aber bei mir selbst nicht. Ich brauche halt eine Beziehung zu einem Bild: Da muss jemand drauf sein, den ich kenne und zu dem ich eine Beziehung habe.

Was für Projekte hast du bisher schon umgesetzt? Wo konnte man deine Bilder schon gedruckt sehen?

Ich hatte mal eine ziemlich große Story in der Place zu einer HUF-Deutschland-Tour. Da durfte ich als HUF-Deutschland-Fahrer für zwei Tage dabei sein und habe natürlich auch Fotos gemacht. Erstmal ist damit gar nichts passiert, aber irgendwann sind die Jungs von der Place darauf aufmerksam geworden und haben das Ding ganz schön groß rausgehauen. Das war fast das Größte.

Dann hab ich mal bei Monster Children, einem australischen Surf-, Skate- und Lifestyle-Magazin, an einem Foto-Wettbewerb teilgenommen. Der ist ziemlich groß und da machen alle möglichen Skateboardfotografen mit, die man so kennt. Da habe ich vor zwei Jahren mal in der Studentenkategorie gewonnen. Und dann natürlich zu Journey of the Beasts das Feature, kürzlich im LODOWN Mag und auch bei euch im Magazin.

Du arbeitest auch mit am HUMBUG Magazin. Erzähl mal, wie es dazu kam.


Das HUMBUG ist ursprünglich von Carsten (Beier), der auch hier im Interview die Bilder von mir gemacht hat. Der hat es mit einem Freund gegründet und hat dann relativ schnell gemerkt, dass sie zu wenig Fotos haben. Da hat er mich gefragt, weil er wusste, dass ich Fotos mache. Zu dem Zeitpunkt kannten wir uns noch gar nicht so lange. Die letzte Ausgabe haben wir dann zusammen gemacht und gemerkt: Wir brauchen mehr Leute. Mittlerweile sind wir ein Team von fünf Leuten (vier Fotografen und ein Grafiker). Wir sammeln halt immer, wenn wir keine Bilder veröffentlichen. Wir versuchen, das Heft zu produzieren und sind da alle gleich involviert. Das ist also genauso mein Ding wie Carstens. Es ist schwierig so ein Heft auf die Beine zu stellen. Daher machen wir uns keinen Druck und legen keine Deadlines fest oder sowas. Jetzt veröffentlichen wir die dritte Ausgabe und hoffen, dass es weitergeht.

Du lebst ja in Dresden. Mit wem ziehst du da so los, quasi den „Beasts“?


Im Grunde ist das schon so die Crew. Das waren aber zwölf Leute, die damit zu tun hatten. Also waren auch viele dabei, die jetzt nicht hier in Dresden wohnen. Aber im Grunde sind es schon Sebastian (Linda), Tom (Kleinschmidt) und so. Oci ist jetzt leider weggezogen, aber an sich sind das die Leute, mit denen ich auch skate. Deswegen, glaube ich, hat auch die Reise so gut funktioniert.

Was kann man denn 2015 von dir erwarten? Was für Projekte stehen foto- oder skatetripmäßig an? Wieder was mit den Beasts?

Mit den Beasts ist das immer so ein bisschen Sebastians Ding. Diese Bali-Reise war zum Beispiel auch super spontan. Er hält uns immer bis kurz vor Schluss im Dunkeln. Daher kann ich grad nicht sagen, ob oder was geplant ist. Ich persönlich mache weiter, so viel ich kann. Ich mache zum Beispiel Ballettfotos für die Palucca-Schule hier in Dresden, weil ich Ballett immer geil fand. Das ist halt auch so ein körperliches Ding wie Skaten und das hat mich schon immer fasziniert. Ich bin da über tausend E-Mails und Testshootings so reingerutscht. Auch in der 50sten Place wird was kommen. Das wird auch eine ganz spezielle Ausgabe. Das werdet ihr dann sehen.

Erik fährt für: Titus Dresden, HUF Shoes, Skate Mental, Emillion Wheels und Downright.

Fotos: Erik Gross, Carsten Beier