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Erstellt von T. Gentsch | News

Gustavo Dos Anjos | Labirinto


"Skateboarding saved my life!"

Fotos & Video: Bruno Rocha

Unabhängig produzierte Skatevideos haben immer einen besonderen Vibe und Charme, besonders wenn sie über einen Zeitraum von 5 Jahren gefilmt wurden. Angesichts besonderer Ereignissen wie einer Pandemie und dem Umzug von Fahrern in andere Länder wurde das Touren für den Filmemacher und Produzenten Bruno Rocha unerlässlich. Dies führt uns zu einer visuellen Reise die einer Reihe von eher unbekannten brasilianischen Skateboardern folgt, vielleicht mit Ausnahme von Gustavo Dos Anjos und seinem Part in "Labirinto". Hauptsächlich in Spanien gefilmt, ist dieser Part das fehlende Bindeglied zwischen einem Gustavo, der seine Heimat in Brasilien verließ, und sich in Barcelona einen Namen machte, und dem Zeitpunkt, als er schließlich bei TITUS landete - und er zeigt, wie gut er schon immer war!

 

Hey Gustavo wie geht’s heute?

Gut gut, danke, hoffe dir auch?

Sicher sicher. Erzähl doch mal, wie sieht heutzutage deine tägliche Routine aus?

Die ist eigentlich recht simpel. Ich wache immer ziemlich früh auf, da ich gerne den ganzen Tag genieße und sinnvoll nutzen will. Meistens geh ich dann so um 8 Uhr ins Gym und von da aus direkt ans MACBA oder an den Skate Plaza „Born“. Nach einer kleinen ersten Session treffe ich mich dann mit Ludi und den anderen Homies an einem Streetspot und filme hoffentlich einen Trick. Abends geht’s dann zur Arbeit im Social Club, der mich auch sponsored, und verdiene mir ein bisschen Geld nebenbei. Ziemlich einfach alles, aber es macht mir Spass.

Ich habe deinen Part gesehen und am meisten hat mich der sw Flip die 5er am MACBA hoch beeindruckt. Das ist aber offensichtlich schon eine Weile her, oder?

Danke Gentsch, ja, das ist locker schon 4 Jahre her. Ich hatte den Trick schon im Kopf, bevor ich überhaupt in Barcelona gewohnt hab und als ich die Stufen dann zu ersten Mal live gesehen habe ich direkt wieder daran gedacht und war der Meinung, dass es klappen müsste. Als ich ihn das erste Mal probiert habe, was das Board schon etwas älter und ich hatte einfach nicht genug Pop. Dann hat mir mein Homie Felipe ein neues gegeben und am nächsten Tag bin ich mit meinem damaligen Filmer Bruno wieder hin und habe den Trick geschafft.

Du wohnst jetzt schon eine gute Weile in Barcelona, seit wann genau? Wie hat das Leben dort angefangen?

Ich wohne hier jetzt seit 2018 und eigentlich war es gar nicht geplant hier länger zu bleiben. Zuvor war ich einen Monat in Portugal und wollte eigentlich dort ein neues Leben beginnen. Dann wollte ich für 2 Monate hier her, Barcelona einfach mal kennenlernen und, was soll ich sagen, ich habe dann einfach beschlossen, hier zu bleiben.

Das war aber nicht die ganze Zeit legal, oder? Ich meine, als Brasilianer kriegt man doch eigentlich nur ein Visum für 3 Monate und du warst somit eine lange Zeit ein „illegial Alien“, oder?

Jaman, für mehr als 3 Jahre war ich illegal hier. Eines Tages waren wir dann an einem Spot mit meinem Homie Blake Johnson, er versuchte einen Trick, ich saß nur daneben, aber dann kamen die Cops und fragten nach Ausweisen. Ich hatte keinen und so nahmen sie mich mit und stecken mich in eine Zelle bis meine Identität geklärt wäre (wobei natürlich raus kam, dass ich eigentlich gar nicht mehr hier sein durfte). Ich hatte dann aber einen guten Anwalt, der holte mich raus und ich bekam dann ein Jahr Zeit auszureisen. Dann hat mir meine Freundin aber geholfen, die richtige Papiere auszufüllen und nun habe ich einen unbegrenzten Aufenthaltsstatus in Europa.

Ich habe mal gehört, dass du ursprünglich aus einer ziemlich heftigen Favela kommst, oder? Wie war es dort im Vergleich zu Barcelona, schließlich gibt es in Barcy ja auch hier und da Gewalt und Verbrechen?

Das ist ehrlich gesagt ein Witz im Vergleich zu meiner Heimat. Skateboarding hat mich, wie auch viele andere brasilianische Skateboarder gerettet. Ich habe Sachen gesehen, die mich bis heute traumatisieren und wenn man dort aufwächst, ist der Weg in die Kriminalität ein sehr einfacher. Ich hatte so große Angst, durch die äußeren Einflüsse Skateboarding und am Ende auch mein Leben zu verlieren, dass ich mich so weit es geht von der Scheiße entfernt hab – um die halbe Welt eben.

Gustavo, warum haben die Brasilianer eigentlich immer so viel Pop? Ich habe da mal gehört, dass es daran liegt, dass die Boards der Brasilianischen Hersteller nicht aus den gewohnten 7 Schichten Ahornholz sind, sondern aus Holz, was weitaus weniger Pop hat – und sobald ihr dann ein Maple Board habt, BOOM! Stimmt das?

Ja, das stimmt in der Tat, jedenfalls zum Teil. In Brasilien gibt es viele Boards aus anderen Hölzern, „Mafin“ genannt. Damit fahren Viele, und auch ich habe jahrelang ein solches Board gefahren. Als ich dann zum ersten Mal ein Ahornboard gefahren bin, war das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Und da wir Brasilianer eh gerne Ledges skaten, und auch gerne besonders hohe, lernen wir auch schon früh hoch zu poppen. Kombiniert man diese beiden Dinge – zack, daher kommt der „Brazilian Pop“, hahaha.

Wie lange bist du in Brasilien geskatet, bevor du nach Europa gekommen bist?

17 Jahre, bevor ich das erste Mal nach Europa gekommen bin. Und abgesehen davon, mal meine Familie zu besuchen, werden ich solange es geht auch hier bleiben.

Kann dich Barcelona auch mal langweilen?

Nein, die Stadt ist nach wie vor einfach perfekt zum Skaten und man findet immer wieder neue Spots. Das kann nie langweilig werden!

Dann scheint ja momentan alles sehr gut für dich zu laufen. Wenn die 3 Wünsche frei hättest…?

Ich möchte an meinem neuen Part für TITUS arbeiten und hoffe irgendwann vielleicht ein Pro-Model zu bekommen. Mehr Wünsche habe ich nicht, außer, natürlich, mich nicht zu verletzen und gesund zu bleiben.

Und? Noch Pläne einen weiteren Trick die 5er hoch zu machen?

Nein, aber einen Trick will ich am MACBA noch filmen.

Allright, wir sind gespannt, keep ripping Gustavo!

Danke Gentschy, bis bald!

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