Das Skateboarder bisweilen sehr kreative Menschen sind, ist schon lange kein Geheimnis mehr – es liegt quasi in der Natur der Sache. In welche Richtung diese Kreativität jedoch geht ist höchst individuell. Manche können gut zeichnen oder malen, andere schaffen Skulpturen oder kreieren Skateparks, wieder andere Filmen oder schneiden Movies. Dazu gibt es die klassischen Musiker, Rapper, Models und Schauspieler! Letztere gehören sicher zu den selteneren Talenten unter Skateboardern, aber alle Jubeljahre schafft es ein bekannter deutscher Skateboarder auf die große Leinwand. Victor Bass hat genau das geschafft, als Hauptdarsteller der Kinderserie „Uferpark“. Schon allein dies war der Grund, dass wir uns mit dem TITUS Tornados Teamrider mal eingehender unterhalten wollten, ganz abgesehen vom Thema Skateboarding, wo er in den letzten Monaten „moschiger“ denn je unterwegs ist! Wie passt das beides zusammen? Victor knows!
Pressure Flip | Berlin
Gentsch: Hallo Victor. Du kommst ja ursprünglich aus Potsdam, wohnst aber jetzt schon etwas länger in Berlin, oder?
Victor: Naja, es geht, im September 2025 bin ich wieder hingezogen. Ich bin ja auch ursprünglich in Berlin aufgewachsen und dann erst mit meiner Mum nach Potsdam gezogen. Witzigerweise bin ich in der Wohnung, in der ich jetzt wieder wohne, auch aufgewachsen. Meine Mum hatte die in weiser Voraussicht nur untervermietet. Da das eine WG war und dort dann ein Zimmer frei wurde, bin ich dort wieder eingezogen. Und bald zieht dann auch meine Schwester in das andere Zimmer ein.
Von wann bis wann hast du in Potsdam gewohnt?
Hmmm, es müsste so um 2011 gewesen sein.
Hast du dort dann angefangen zu skaten oder schon vorher?
Ne, schon vorher. Da war ich auch schon immer in der Halle, und auch als ich in Potsdam gelebt habe, bin ich eigentlich jeden Tag nach Berlin gefahren zum Skaten – auch um meine Freunde zu treffen, die waren ja auch alle aus Berlin. Potsdam wird irgendwann auch langweilig, hahaha. Ist zwar mittlerweile echt ganz schön da, aber Berlin bockt sich einfach mehr.
Wir waren im Winter ja auch zusammen im Drop-In Surfcamp, und Mac meinte, dass du dort auch schon früher warst und deinen ersten Axle-Stall in der Miniramp dort gemacht hast …
Haha, jaman. Das ist schon lange her, da war ich 8 oder so. Da war ich damals mit meiner Mum und meinem Stiefvater. Aber da könnte ich gerne auch jetzt wieder hin, vielleicht wird es ja dieses Jahr noch was.
Wir haben uns ja zuerst auf Contests gesehen. Wann bist du deine ersten Contests gefahren?
Fs Smithgrind | COS Hamburg 2022
Boah, da fällt mir gerade was ein, ich komme gleich auf deine Frage zurück: Das erste Bild, das du von mir geschossen hast, war in Aurich auf dem COS Cup – das war ein FS Boardslide am großen Rail. Und das Bild hat meine Mum irgendwann ganz groß auf eine Leinwand gedruckt und bei uns zu Hause aufgehängt. Das war auch einer meiner ersten Contests, die ich gefahren bin. Aber mein allererster Contest war in Potsdam im Lindenpark, „Summer Slam" heißt der, und der findet dieses Jahr schon zum 28. Mal statt.
Ich kann mich noch bildlich sehr gut daran erinnern, wie ich auf dem COS Cup in Hamburg ein Bild mit dir geschossen habe, da warst du komplett weiß angezogen.
Jaman, ich erinnere mich, das war früher auch immer mein Contest-Fit, alles in Weiß. Ich habe damals immer gedacht, dass mich dann die Judges besser sehen, hahaha. Aber auch abgesehen davon mag ich es schon einfach gerne, mich etwas auffälliger zu kleiden. Und das mache ich auch einfach so für den Contest – mir Sachen anzuziehen, die ich irgendwie feiere und die ein bisschen herausstechen.
Aber eigentlich bist du ja gar nicht mehr so ein Contest-Kind, ne? Damals, ich weiß nicht, irgendwie bei den COS Cups wie dem in Hamburg, da war das so ein – nein, kein Stempel, aber das war so der Tenor: das ist einer von der neuen Generation guter Contest-Kids. Wer war denn da mit dir im Schlepptau?
Da waren ein paar Jungs aus Berlin, mit denen ich auf jeden Fall zu vielen Contests gefahren bin. Ich weiß nicht, ob du die meinst. Kann aber auch sein, so Jesse oder so.
Ja, Jesse Kloes, genau.
Das Contest-Kid-Duo. Wir haben beide ein bisschen versucht, aus dem Contest-Kid-Image rauszukommen. Auch wenn wir beide noch viele Contests fahren, ist – ich will jetzt nicht für ihn sprechen, aber für mich auf jeden Fall – in den letzten Jahren Street-Skaten weitaus wichtiger geworden.
Du bist jetzt 20, gä?! Du hast ja auch sicher deine Schule abgeschlossen, oder?
Ja, ich habe Abi gemacht.
Und dann hast du doch nicht angefangen zu studieren oder irgendwie eine Ausbildung gemacht?
Nee, also ich bin eingeschrieben für ein Studium, tatsächlich. Ich bin offiziell Student, aber ich gehe nicht wirklich hin. Also ich war ein Mal da.
Bs Noseblunt | Lissabon
Was für ein Studiengang?
Amerikanistik, North American Studies.Ist eigentlich sogar ziemlich interessant und cool. Aber irgendwie reizt es mich gerade nicht, so dahin zu gehen, und ich habe auch so viel anderes Zeug, was ich mache, dass ich es ganz oft von der Zeit her einfach nicht schaffe. Aber ich bin da mit Matthes zusammen im Studiengang, der hat mich quasi ein bisschen überredet, mich da einzuschreiben. Jetzt kriege ich halt so ein Semesterticket und sowas, alles ganz geil.
Das hat seine Vorteile, in der Tat. Wollen wir jetzt mal auf die Schauspielkarriere blicken. Ah, eins noch, was mich noch interessiert: Du warst kürzlich auf Hawaii, oder?
Ja, ich war letztens mit ein paar Freunden von mir relativ spontan auf Hawaii und bin da durch die Gegend gereist, über die verschiedenen Inseln, und war wandern. Ich wollte mich eigentlich auch mit Arto treffen, das hat leider nicht geklappt. Aber sehr geil auf jeden Fall, sehr sonnig. Ich bin ehrlich gesagt nicht so erholt davon, aber war trotzdem geil.
Du hattest aber trotzdem in letzter Zeit auch noch den einen oder anderen Trip, der vielleicht nicht ganz so privat war und eher aus der Schauspielecke kam, oder?
Ja, Mann, also ich hatte ein paar Shoots für Werbungen und so, da war ich relativ viel unterwegs. Und jetzt gerade drehe ich einen Film, hier in Berlin, meistens, oder zumindest zum großen Teil. Der wird glaube ich sehr geil. Und dann war ich auch letztens noch in Spanien zum Drehen und so – es geht gut ab auf jeden Fall.
Ja, das hört sich ziemlich busy an. Dann erzähl doch mal: Wie bist du überhaupt in dieses Genre reingerutscht?
Fs Lipslide | Lissabon
Reingerutscht ist auf jeden Fall das richtige Wort. Das ist eigentlich ziemlich zufällig passiert. Ich war schon ein bisschen länger bei einer Modelagentur, und dann habe ich da irgendwann eine Anfrage für eine Serie bekommen, die auch mit Skaten zu tun hat. Dann habe ich die Castings dafür gemacht und auf einmal eine Hauptrolle bekommen. Das hat mir mega Spaß gemacht, und zwar so viel, dass ich dachte: Okay, jetzt will ich mit dem Schauspiel eigentlich auch noch weitermachen. Und seitdem läuft es ganz gut, würde ich sagen. Es geht auf jeden Fall immer weiter.
Das war dann die allseits bekannte Serie „Uferpark", richtig?
Genau, „Uferpark" war das.Das waren 26 Folgen, also ordentlich auf jeden Fall. Es ging quasi um eine Freundesgruppe, die einen verlassenen Skatepark findet und für sich beansprucht – und dann darum kämpft, dass er nicht abgerissen und ihnen nicht wieder weggenommen wird. Da gibt es natürlich auch noch ein paar Kontrahenten, wie es sein muss – die Bösen. Aber auf jeden Fall ganz süß, ja.
Was war das für ein Sender? War das Kika? War das öffentlich-rechtlich?
Nee, das war von Toggo, dem Kindersender von RTL.
Und die war auch relativ erfolgreich, die Serie, oder?
Ja, das ging ganz gut ab auf jeden Fall. Und wir haben eigentlich immer gehofft, dass eine zweite Staffel gedreht wird, aber das ist Stand jetzt nicht der Fall.
Ich hab dich irgendwie hier und da mal auf dem roten Teppich auf diversen Posts gesehen – war das dann so eine Art, wie sagt man, Premierentour, oder was war das so?
Ja, wir hatten eigentlich nur eine Premiere, aber dann wurden wir auch direkt zur Berlinale eingeladen und dann auf verschiedenste Events immer wieder eingeladen, was ziemlich cool war. Wir waren auch für einen Kinderserienpreis nominiert, und deswegen ging das dann ganz gut durch die Gegend damit – wirklich verschiedenste rote Teppiche, das war ganz cool auf jeden Fall. Oder ist immer noch, ja, das ist schon nice.
Wirst du denn heutzutage auf der Straße erkannt?
Ab und zu werde ich tatsächlich auf der Straße erkannt, das ist immer ein bisschen surreal, finde ich, weil ich irgendwie gar nicht damit rechne, dass Leute mich kennen. Aber es passiert schon öfter mal. Auch wenn ich mal in Skateparks außerhalb von Berlin bin, wo relativ viele kleine oder jüngere Kinder sind, erkennen die mich dann schon ziemlich häufig und wollen dann Autogramme oder Fotos. Das macht mich immer ganz froh, dass sie das anscheinend gut fanden und vielleicht auch davon motiviert wurden, skaten zu gehen.
Also hast du mit der Serie eventuell sogar Leute zum Skaten begeistert?
Ich denke ja, also relativ sicher. Ich wurde auch schon von Leuten angeschrieben, dass sie jetzt deswegen skaten. Das finde ich natürlich richtig cool, dass wir das damit irgendwie geschafft haben.
Ja, das ist ja mega.
Das ist doch das Beste – noch mehr Skater ranbringen, eine größere Community schaffen, Leute, die dadurch was Cooles finden. Das ist doch mega geil auf jeden Fall.
Boardslide | Torres
Und du hattest jetzt auch von Werbedrehs gesprochen. Sind dann quasi als Folge der Serie die ganzen Werbeanfragen reingeflattert? Oder wie muss man sich das vorstellen?
Ja, also es ist trotzdem noch relativ viel Hustle, weil mich natürlich nicht jeder durch die Serie kennt. Ich mache dann auch öfter noch Castings für Werbung und für andere Serien und Filme. Ich habe danach jetzt noch drei Filme gedreht, also ich drehe gerade den dritten – das wäre dann meine vierte Rolle. Das ist auf jeden Fall trotzdem viel Gehustle, um da ranzukommen. Die Branche ist ziemlich umkämpft, und es ist dadurch vielleicht ein bisschen leichter geworden, aber trotzdem nicht besonders leicht.
Kann man von den drei Filmen die ersten beiden schon irgendwo sehen?
Noch nicht, der erste kommt jetzt bald raus, im November in den Kinos: „Hunger Games", falls dir das was sagt.
Bisher noch nicht – außer dem bekannten Film mit Jennifer Lawrence?
Jennifer Lawrence, genau, den meine ich. Das ist quasi die Fortsetzung davon, oder besser gesagt die Vorgeschichte zu den bisherigen Teilen. Da habe ich mitgespielt.
Also ist das sogar ein internationaler Film?
Ja, das war alles auf Englisch, aber ich habe da nur eine ganz, ganz kleine Rolle. Mal schauen, ob ihr mich überhaupt entdeckt.
Okay. Und wo wurde das gedreht?
Zum Teil in Berlin, also in Potsdam-Babelsberg, und zum Teil in Spanien. Das war richtig geil, und der Drehzeitraum ging auch richtig lang.
Und der zweite?
Der zweite ist ein Film, ein relativ kleines Projekt aus Berlin. Wir wissen auch noch nicht so genau, wo man ihn sehen können wird, weil noch nicht alles fertig ist. Das haben wir komplett auf Analogkameras gedreht, da hatte man relativ wenig Takes, um die Szenen aufzunehmen. Bin gespannt, wie das wird – wird auch cool, glaube ich.
Und wenn wir über Werbung sprechen: Gab es irgendwelche Werbungen von dir, die ich noch gar nicht gesehen habe? Irgendwelche Fernsehwerbungen?
Fs Crooks | Ameda
Ich weiß nicht, ob das auch im TV kommt, aber bald kommt eine Werbung für Zalando raus, die tatsächlich auch wieder mit Skaten zu tun hat. Da habe ich zum Beispiel auch mit Kalle Wiehn zusammengearbeitet, der hat da am Set auch gearbeitet.
Ach, krass. Wie sieht das mit dem Skaten aus – hat sich das schon mal, wie sagt man, gebissen? Ich meine, du musst ja auch, ganz blöd gesagt, ein bisschen auf dich aufpassen. Während einer Drehphase kannst du wahrscheinlich jetzt nicht unbedingt Double Set fahren, oder?
Nein, also ich bin tatsächlich letzte Woche noch Double Set gefahren, während ich am Kulturforum drehe – aber ich bin letzte Woche auch umgeknickt, und das ist natürlich ein bisschen doof für den Dreh jetzt. Ich habe Glück, dass ich keine so großen Schmerzen habe und das trotzdem alles geht und ich es ganz gut überspielen kann. Aber bei manchen Produktionen hatte ich sogar schon so im Vertrag stehen, dass ich keinen Risikosport machen darf, bei dem ich mich zu sehr verletzen könnte. Ich habe dann aber auch öfter mit denen verhandelt und geredet, weil ich nicht so richtig ohne Skaten klarkomme, und dann findet man meistens auch eine Lösung. Ich habe dann zum Beispiel öfter mal so etwas wie Ellenbogenschoner an – nicht so richtige Schoner, sondern einfach so Dinger, damit ich mir die Ellenbogen nicht so aufschürfe und man das nicht in der Serie oder im Film sieht. Dann passt das eigentlich, und ich passe einfach ein bisschen auf. Aber ich habe auch wirklich schon viele Streetclips in der Zeit gedreht.
Ja, in letzter Zeit hat man ja wieder ein bisschen richtige Moscherei von dir gesehen, ne? Ich erinnere mich da an so einen relativ großen Boardslide.
Voll, voll – das war ja nur der Post für Instagram. Ich filme erstmal jetzt einen eigenen Part. Das Radio-Video ist eigentlich schon länger fertig. Jetzt filme ich gerade sozusagen einen eigenen Victor-Bass-Part, mit ein paar Guest-Clips von meinen Freunden natürlich, aber vor allem mit Footage von mir.
Alright, da darf man ja gespannt sein. Weißt du schon, wann der kommt?
Kommt wirklich darauf an, wie ich es schaffe. Gerade muss ich einen Monat Pause machen oder so, weil ich mir die Bänder angerissen habe. Aber wir kommen da ziemlich gut voran auf jeden Fall, ich hoffe, dass es dieses Jahr schon rauskommt.
Also, es gibt natürlich noch eine abschließende Frage, Victor, die natürlich jeden interessiert: Bist du durch deine Schauspielerei jetzt reich?
Nee, leider nicht. Ich bin nicht reich. Ich hoffe, ich werde irgendwann noch viel Geld haben, aber jetzt gerade sieht es nicht so aus.
Man darf sich also nicht vorstellen, dass man sich, wenn man hier und da mal eine Rolle hat, in Deutschland direkt einen Ferrari kaufen kann.
Nee, nee, also ich muss schon sagen, man verdient auf jeden Fall anständiges Geld. Allerdings verdient man auch sehr unregelmäßig, und deswegen spare ich eigentlich alles Geld, das ich verdiene, direkt und lebe wirklich nur vom Nötigsten, weil ich nicht weiß, wann ich wieder Geld verdienen werde. Es kann sich dann auch mal über ein halbes, dreiviertel Jahr ziehen, dass ich damit gar kein Geld verdiene, und dann verdient man wieder viel und dann wieder keins. Deswegen bin ich auf jeden Fall nicht reich.
Na, das ist doch ein guter Abschluss. Möchtest du dich noch bei irgendwem bedanken oder etwas loswerden?
Ja, natürlich Shoutout an Gentschi und Titus TORNADOS. Und auch Props an Arne, bester Mann – Arne Krüger und Radio Skateboards. Alles Legenden. Und an alle meine Homies, die immer für mich da sind und mich bei allem unterstützen. Hab euch alle lieb.