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Erstellt von T. Gentsch | News

Skateparks unter die Lupe genommen | Düsseldorf-Eller


Der größte Skatepark Deutschlands ist eröffnet

Betrachtet man sich die Entwicklung von Skateparks in Deutschland in den letzten zehn Jahren etwas eingehender, stellt man schnell fest, dass sich unglaublich viel auf diesem Sektor getan hat. Vor fünfzehn Jahren erreichte eine regelrechte Schwemme von neuen Parks unsere Breiten, die allerdings aus Fertigteilen bestanden und eher für Inliner als Skater geeignet waren. Man darf gar nicht hinterfragen, wie viele Gelder so "verschwendet" wurden, aber zum Glück fand irgendwann ein großes Umdenken bei den Verantwortlichen in Städten und Gemeinden statt.

"Eller: Ein sehr vielfältiger Skatepark! Man braucht einige Zeit, um sich mit jedem Obstacle auseinanderzusetzen!" - Alex Ring

Ein möglicher Auslöser könnte gewesen sein, dass mehr und mehr DIY Projekte in Deutschland entstanden und man realisierte, dass Skateboarder "solcher" Art von Parks alles andere als abgeneigt gegenüberstehen - ganz im Gegensatz zu "Katalog-Rampen". Ein weiterer und auch eindeutiger Grund ist sicher auch die Tatsache, dass sich mehr und mehr Skater, und zwar gerade auch die, die schon in DIY Projekten ihre ersten Erfahrungen gesammelt haben, mit eigenen Baufirmen und Planungsbüros selbstständig gemacht haben. Gute Beispiele hierfür sind Yamato Living Ramps, Minus-Ramps, DSGN CONCEPTS oder Anker Skateboard Rampen. Hinter all diesen Firmen stehen Skateboarder und zwar solche, die auch immer noch aktiv auf dem Brett unterwegs sind. Und siehe da: In den letzten fünf Jahren ist Beton in Deutschland fast ausschließlich sinnvoll geflossen. Jeder Park ist ein Unikat für sich und man hat sich zum Glück weit von den Zuständen zu Beginn des neuen Jahrtausends entfernt.

Enter Düsseldorf-Eller. Anfang 2017 verdichteten sich Gerüchte, dass in Düsseldorf der größte Skatepark Deutschlands entstehen solle. Auf insgesamt 3800qm sollte etwas noch nie Dagewesenes entstehen und als im Mai letzten Jahres die ersten Bagger anrückten war schnell klar, dass sich die Gerüchte bestätigen würden. Als Eröffnungstermin wurde zunächst der 16.12.2017 festgelegt. Da sich der Bau jedoch aufgrund frühen Frosts verzögerte, wurde aus der Eröffnung im Dezember nichts und es blieb einzig ein Richtfest zu feiern; aber immerhin, der Park nahm Formen an.

Dennoch dauerte die Fertigstellung ein weiteres halbes Jahr. Woran das jetzt im Einzelnen gelegen hat (betonieren konnte man schließlich seit April wieder), vermag ich nicht zu sagen, aber jeder, der schonmal in ein solches Projekt involviert war, wird bestätigen können, dass immer wieder neue Hürden genommen werden müssen. Wie sagte Donald Campbell doch so schön: "Irgend ein kleiner Scheiß kommt immer dazwischen, und seinen es die Blätter der angrenzenden Bäume, die schon jetzt im Sommer für "Dauerfegen" sorgen". Er fügte hinzu, dass sich nun eine "Netzlösung" für die Bäume finden müsse, sonst könne man im Herbst garnicht mehr fahren. Ja, in der Tat, an so einem Punkt merkt man "alles nicht so einfach".

"Als ich in den Park gekommen bin, hat mich die Größe ein bisschen geflashed! Ich kenn nicht so viele so große Skateparks in meiner unmittelbaren Nähe. Die Bowl-Area ist riesig und sieht spassig aus, aber ist nichts für mich. Aber der Street-Bereich ist mega cool zu fahren, man kann gute Lines fahren und es ist mal ein neuer Skatepark, der knapp mit dem Niveau aus Amerika mithalten kann" - Dominic Wenzel

Nicht so einfach war es für die Düsseldorfer Locals, überhaupt einen adäquaten Park zu bekommen. Ganze 11 Jahre rang man mit der "Sportstadt Düsseldorf" um einen Park, der ausreichend groß und vor allem anständig gebaut ist. Ziel einer sogenannten "Sportstadt" sind die Vermittlung und Unterstützung von nationalen und internationalen Sportveranstaltungen und wenn man einen internationalen Skateboard Event auf die Beine stellen will, braucht man eben auch eine Austragungsstätte. Sportstadt, Austragungsstätte, solche Worte passen perfekt zu einem Oberbegriff - Olympia. Und ganz zufällig ist Lenni Janssen, also ein Düsseldorfer Park/Bowl-Skater, im Olympischen Kader für 2020. Solche Faktoren ziehen natürlich ungemein, wenn es darum geht, Gelder für einen solchen Park bereitzustellen, denn 2 Millionen Euro bezahlt die Stadt Düsseldorf sicher auch nicht aus der Portokasse. Da kann man also mal ganz offen sagen, dass Skateboarding bei den Olympischen Spielen schon jetzt ein Gewinn für alle ist. Applaus!

"Der Park ist mega gut! Perfekter Boden und alles gut geshaped!" - Josh Junkes

Dennoch, bei Schlüsselbegriffen wie Sportstadt, Olympia und "Trainingsstützpunkt" könnten manche Skater direkt kotzen, verständlicherweise. Und wenn man dann an einen Park kommt, und einem erstmal ein monströser Security entgegen kommt, genau schaut, wie man geparkt hat und einem dann erzählen will, man dürfe dort keine Fotos schiessen, merkt man sofort, dass hier die Dinge anders laufen. Man befindet sich gefühlt nicht in einem Park "von Skatern für Skater", abgesehen von der Vorgehensweise bei Planung und Bau. Zunächst hatte ich schon Angst, man könne dort weder Bier trinken, noch rauchen, aber diese Befürchtungen bestätigten sich zum Glück nicht. Allerdings bestätigte sich eine andere Befürchtung recht schnell, die man auf dem unten angeführten Bild sehr schön sehen kann: Scooter und BMX Kids, die durch den Flow-Bowl im Flat fahren. Es gibt wohl kaum etwas nervigeres für einen Bowl-Skater, als ständig rumbrüllen zu müssen um fahren zu können. Doch auch hier könnte der "Olympische Gedanke" greifen. Vielleicht ist Lenni ja irgendwann so genervt von den Blagen, dass er ein "so kann ich nicht für Olympia trainieren"  an die Stadt richtet. Die hat ja sogar schon zwei Securities vor Ort und es wäre natürlich ein Traum, wenn diese mal etwas wirklich Sinnvolles machen und Scooter Kids am besten überhaupt nicht erst in den Park lassen würden. Auf "Eintrittsgelder-Ausfall" kann sich da schließlich niemand berufen, da der Park keinen Eintritt kostet.

Doch wollen wir mal nicht schwarz malen. Der Park an sich ist die Bombe und dass er keinen Eintritt kostet wirklich genial. Als wir mit einigen Titus-Shop Fahrern für diesen Check-Out am Montagmittag nach der Eröffnung eintrafen, hielt sich das Scooter-Kids Aufkommen noch in Grenzen. Mit Fortschreiten des Tages kamen zwar mehr und mehr Leute, die meisten aber glücklicherweise mit Skateboards. Durch die Größe des Parks verteilten sich diese allerdings äußerst gut, sodass man sich eigentlich nie in den Weg fuhr. Eine ganz tolle Idee ist außerdem der Wasserspender, der unentwegt sprudelt und sicher schon einigen Skatern das Leben gerettet hat. Eine Flutlichtanlage wurde ebenfalls installiert und gewährleistet, dass die einsetzende Dunkelheit keine Session vorzeitig beendet. Die Lage am Schlosspark Eller ist zudem weit genug von Wohnhäusern entfernt, womit es zu keinerlei Lärmbeschwerden kommen sollte.

"Nicht nur der größte Skatepark in Deutschland, sondern auch der Schnellste - Street, Flow und Bowl fügen sich zu einer perfekten Einheit zusammen!!!!" - Thilo Nawrocki

"Ich bin verliebt in den Park, der mein neuer Local-Park ist - kommt alle vorbei, da ist genug Platz!" - Kalle Zollino

Wichtige Fakten über den Park:

Planung: Dirk Lücke in Zusammenarbeit mit finelines marketing und Düsseldorfer Locals

Bau: Minus Ramps

Architekt: Dirk Lücke

Bowldesign: Rune Glifberg

Größe: 3800qm

Bauzeit: 18 Monate

Kosten: ca. 2 Mio. Euro

Unsere Fahrer geben dem Park: 9 von 10 Punkten

Anreise mit dem Auto:

Die Anreise mit dem Auto ist denkbar einfach. Wo Düsseldorf liegt, sollte jeder rausfinden können. Kommt man aus Norden oder Süden über die Autobahn A3, muss man am Kreuz Hilden in Richtung Düsseldorf abbiegen. Dann die Ausfahrt Eller nutzen und die Deutzer Straße in Richtung Innenstadt nehmen. Die Deutzer wird dann nach etwa einem Kilometer zur Heidelberger Straße und kurze Zeit später befindet sich der Park auf der linken Seite (siehe Karte). Wer aus dem Osten oder dem östlichen Ruhrgebiet kommt, wird über die A46, die an Wuppertal vorbei führt, ebenfalls direkt an der Ausfahrt Eller landen. Fährt man mit Navi, sollte man Heidelberger Straße 20 eingeben, diese Adresse sollte einen am Park vorbei führen.

Anreise mit Bus und Bahn:

Vom Düsseldorfer Hauptbahnhof geht es mit der U 75 Richtung: Vennhauser Allee, von wo aus man in die Buslinie 730 Richtung Benrath Bahnhof steigt und an der Haltestelle Schloss Eller aussteigt. Insgesamt beträgt die Fahrtzeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln 17 Minuten vom Hbf. Der Skatepark befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Haltestelle und ist nicht zu übersehen.

Essen und Trinken:

Direkt an der Straße, die zum Parkplatz des Skateparks führt, Ecke Heidelberger Straße/Schlossallee, befindet sich ein Kiosk, dass wahrscheinlich bald einen Besitzer mit Ferrari hat. Welch ein glücklicher Umstand, dass nebenan der Park aufgemacht hat. Dort gibt es gekühltes Bier und andere Getränke, sowie Pizza-Baguettes auf dem Ofen. Der nächste Supermarkt befindet sich in der Gumbertstraße, die die Verlängerung der Schlossallee (in Richtung Stadtmitte) bildet. Einfach bis zur U-Bahn Station Vennhauser Allee gehen, geradeaus über die Kreuzung und man ist da.